Banking in der Plattformökonomie #7

Von Ralf Keuper

Die Plattformökonomie setzt das Geschäftsmodell der Banken unter Druck. Die großen Internet- und Technologiekonzerne wie Google, Apple, Tencent, Alibaba und Amazon haben in den letzten Jahren Plattformen geschaffen, die den Nutzern eine Vielzahl von Services bieten, darunter auch Bankdienstleistungen, wie im Bereich Mobile Payments (Alipay, Apple Pay, Google Pay, WeChat). Sie haben sich zwischen die Banken und die Kunden geschoben, d.h. sie dominieren mit ihrer Software (Betriebssysteme, soziale Netzwerke, Künstliche Intelligenz) und Hardware (Smartphones, Tablet-PCs, Sprachassistenzsysteme) die Kundenschnittstelle. Als ihr größtes Kapital erweist sich dabei der enorme Datenbestand, der auf ihren Plattformen anfällt. Die Erkenntnisse lassen sich für die Verbesserung bestehender und die Entwicklung neuer Produkte und Services verwenden – nicht nur im Banking.

An Untersuchungen, die sich mit den Ursachen für den durchgreifenden Erfolg der Plattformen beschäftigen, fehlt es nicht. Einige liefern wichtige Hinweise, wie Eigenschaften und Erfolgsfaktoren digitaler Plattformen. Eine Studie im Rahmen der Begleitforschung zum Technologieprogramm AUTONOMIK für Industrie 4.0 des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (online abrufbar). Obwohl sich die Studie schwerpunktmäßig mit der Industrie 4.0 und B2B-Plattformen beschäftigt, besitzen die Aussagen auch für das Banking einige Relevanz.

Die Autoren bilden darin zwei Gruppen von Plattformen: transaktions- und datenzentrierte.

Ein Grund für die Dominanz der Plattformen sind die sinkenden Transaktionskosten:

Technischer Fortschritt kann Transaktionskosten verändern. Die erfolgreichen neuen Geschäftsmodellansätze digitaler Plattformen haben gemeinsam, dass sie die transaktionskostensenkenden Potentiale digitaler Technologien in hohem Maße einsetzen und neue.öen. Die sehr hohe Marktkapitalisierung der aktuell dominierenden digitalen Plattformen (wie bspw. Uber, Airbnb, Amazon etc.) veranschaulicht eindringlich, dass digitalen Plattformen ein hohes Vertrauen in ihre zentralen Geschäftsmodelle entgegengebracht wird.

Neuere technologische Entwicklungen könnten den Trend verstärken:

Aktuelle Technologieentwicklungen bieten neue Möglichkeiten, die Transaktionskosten von Plattformen signifikant weiter zu senken. Das wohl prominenteste Beispiel dafür ist aktuell die Blockchain-Technologie. Sie besitzt, entgegen der allgemeinen Berichterstattung, weniger das Potenzial, Plattformen abzulösen. Im Gegenteil, sie kann Plattformen in ihrem entscheidenden Erfolgsmerkmal, dem Senken von Transaktions- kosten, weiter stärken .

Google, Alibaba, Microsoft, Amazon, JD.COM und & Co. erforschen bereits intensiv die Einsatzmöglichkeiten der Blockchain. Samsung hat bereits eine eigene Lösungssuite, Nexledger, platziert.

Transaktions- und datenzentrierte Plattformen:

Transaktionsorientiert:

Eine transaktionszentrierte digitale Plattform bietet die Vermittlung von Transaktionen an, d. h. sie führt Angebot und Nachfrage zusammen. Der Idealtyp einer solchen Plattform bietet den Nutzerinnen und Nutzern der Plattform eine geeignete Informations- und Suchfunktion, einen Angebotsmechanismus (z. B. Auktionen oder das parallele Einholen von Angeboten) sowie einen passenden Bewertungsmechanismus zum Aufbau von Reputation an. Letzteres dient der Sicherung der Qualität der über die Plattform gehandelten Leistungen. Ebenfalls zur Qualitätssicherung setzt die Plattform eine Vorabprüfung ein: Nur Anbieter, die eine individuelle Prüfung durch die Plattform bestanden haben, dürfen Produkte (Güter und Dienstleitungen) anbieten. Der Idealtyp der transaktionszentrierten digitalen Plattform ist nicht integriert, sondern unabhängig und begreift sich als neutraler Marktplatz. Die Plattform erhebt eine Gebühr für den Zugang zur Plattform und verlangt einen Anteil am monetären Transaktionsvolumen (nutzungsabhängige Gebühr bzw. Marge).

Datenzentriert:

Eine datenzentrierte digitale Plattform schafft die Grundlage für ein datenzentriertes Gesamtsystem komplementärer Komponenten (Hard- und Software, Daten und/oder Dienstleitungen) und steuert dieses. Der Idealtyp einer solchen Plattform bietet den eingebundenen Akteuren eine Aufbereitung und Auswertung der Datenströme. Die Qualität des Gesamtsystems (des Ökosystems) inklusive der Usability ist eine wichtige Aufgabe der Plattform. Sie koordiniert das Usability- und Kundenzufriedenheitsmanagement des betreffenden Ökosystems. Anbieter von Systemkomponenten können ihre Produkte von der Plattform zertifizieren lassen – d. h. diese werden als zum Gesamtsystem passend und Mindestanforderungen erfüllend ausgezeichnet. In Ergänzung zu dieser Eigenzertifizierung setzt die Plattform Zugangsvoraussetzungen im Sinne von Mindestanforderungen ein. Neben technischen Voraussetzungen, die z. B. die Interpretierbarkeit der Daten und die Interoperabilität der eingebunden Komponenten sicherstellen, ist der Nachweis von Zertifizierungen oder Qualitätsstandards Zugangsvoraussetzung. Die Plattform erhebt Gebühren für den Zugang, verlangt ggfs. nutzungsabhängige Gebühren und lässt sich bestimmte Datenauswertungen bezahlen.

Welchem Spektrum, welcher Ausprägung gehören die Banken an?

Sowohl als auch. Banken sind ebenso transaktionsorientiert wie datenzentriert – eigentlich der Präzedenzfall. Insofern erscheint die Trennung – für das Banking jedenfalls – künstlich.  Banken wären für die beschriebenen Rollenmuster eigentlich prädestiniert:

  • sie bieten den Nutzerinnen und Nutzern der Plattform eine geeignete Informations- und Suchfunktion, einen Angebotsmechanismus (z. B. Auktionen oder das parallele Einholen von Angeboten) sowie einen passenden Bewertungsmechanismus zum Aufbau von Reputation an. Letzteres dient der Sicherung der Qualität der über die Plattform gehandelten Leistungen
  • sie führen Angebot und Nachrage zusammen
  • sie bieten den eingebundenen Akteuren eine Aufbereitung und Auswertung der Datenströme.
  • die Qualität des Gesamtsystems (des Ökosystems) inklusive der Usability ist eine wichtige Aufgabe der Plattform.
  • sie koordinieren das Usability- und Kundenzufriedenheitsmanagement des betreffenden Ökosystems.
  • Anbieter von Systemkomponenten können ihre Produkte von der Plattform zertifizieren lassen – d. h. diese werden als zum Gesamtsystem passend und Mindestanforderungen erfüllend ausgezeichnet.

So oder so ähnlich könnte das Aufgabenspektrum der Banken bzw. neuer Banken aussehen. Dazu müssten allerdings mehrere Missing Links überwunden werden.

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