Banking in der Identity Economy

 Von Ralf Keuper

Mit der Zeit kommt immer deutlicher zum Vorschein, dass das Internet – in gewisser Hinsicht – einen Geburtsfehler hat; bis heute fehlt ein Identity Layer.

Folge davon ist u.a., dass die Nutzer sich bei jedem Dienst, den sie im Internet nutzen, anmelden und die Passwörter verwalten müssen.
Im Jahr 2005 machte sich Kim Cameron, Architect of Identiy, bei Microsoft in The Laws of Identity einige Gedanken dazu, wie sich das Dilemma der verteilten Identitäten der Nutzer im Netz beheben lässt.

Die sozialen Netzwerke wie facebook, ebenso wie der Suchmaschinengigant Google oder der Technologiekonzern Apple haben mit der Zeit einen Wallet Garden um die Nutzer errichtet, d.h. die Nutzer können mit ihrer digitalen Identität die Dienste der Unternehmen relativ komfortabel nutzen, sobald sie jedoch das Spielfeld wechseln, sind sie häufig gezwungen, erneut einen Anmeldeprozess zu durchlaufen. Facebook und Google verdienen prächtig an Datenspuren der Nutzer, die sich zu Profilen zusammensetzen und monetarisieren lassen.

Mittlerweile spielt sich so etwas wie ein „Wettlauf um die Digitalen Identitäten, um die einzig wahre TrustedID“ ab, der mit der üblichen Verspätung Deutschland erreicht hat, wie die Überlegungen des Finanzstaatssekretärs Jens Spahn zeigen, den Online-Zugang zum Bankkonto generell für die Authentifizierung im Internet zu nutzen.Erst relativ spät haben die Banken die hohe strategische Bedeutung der digitalen Identitäten erkannt. Das ist auch dringend nötig, da wir uns langsam aber sicher in Richtung der Identity Economy bewegen, wie das nachfolgende Schaubild zeigt:

Identity Econom_V3
Die Digitale Identität ist das Herzstück der Identity Economy. Sie durchzieht verschiedene Ebenen, sowohl technologischer, regulatorischer wie auch ökonomischer Art.

Das Kernelement bildet die Digitale Identität bzw. die Digitalen Identitäten der Bürger und ihrer technischen Objekte. In Why Your Digital Identity is the Base of all Business on the Internet? schreibt Ankur Sharma:

Why is it worth so much? It is unlike the real identity because there are no standard mandatory attributes that an entity needs to supply so as to have a digital identity. But despite this, a digital identity is half of everything on the web. Like defined earlier, a digital identity is the true reflection on the web of the real self. And that clearly means that businesses on the web are to interact and transact with digital identities, for most part.

Am Ende aller Bestrebungen in der Identity Economy steht die Persistent ID. Wer diese liefern kann, verfügt im Wettbewerb über einen klaren und strategisch äußerst bedeutsamen Vorsprung. Wie bereits eingangs erwähnt, haben die Internetkonzerne wie facebook mit facebook connect und Apple mit der AppleID die Bedeutung der Digitalen Identitäten für ihr Geschäft längst erkannt. Ähnlich verhält es sich mit WeChat. In Norwegen und Schweden steht den Kunden schon seit Jahren die BankID für ihre Anmeldung im Internet zur Verfügung. Mit Aadhaar verfügt Indien über das, gemessen an der Nutzerzahl, größte Identitätssystem weltweit. Als besonders fortschrittlich gilt Estland mit seiner e-Residency. Viele Marktbeobachter und Branchenvertreter gehen davon aus, dass in Deutschland die eID des neuen Personalausweises (nPA) die führende Digitale Identität wird. Profitieren könnten davon u.a. Anbieter wie Authada.

Als Vertreter und Bewahrer der Digitalen Identitäten der Kunden treten sog. Personal Data Banks oder Personal Data Stores oder Personal Information Management Systems auf. Bekannte Lösungen aus diesem Bereich sind Meeco, Digi.me, die Personal Data Bank von Telefonica und die Schweizer Healthbank. Die Player dieser Ebene, dieses Layers, ermöglichen den Nutzern ihre Datensouveränität auch im Zeitalter des Internet of Things und des Digitalen Ichs zu wahren. Die technischen Objekte des Nutzers, wie Smart Home oder Connected Car, sind, was das Datenvolumen betrifft, die mit Abstand größte und ertragreichste Datenquelle. Das haben nicht nur Google, Apple und Amazon, sondern auch die großen Industrieunternehmen erkannt, die in Deutschland für diesen Zweck u.a. die Initiative Industrial Data Space gegründet haben. Gleiches gilt für die Automobil- und LKW-Hersteller ebenso wie für die Produzenten von Haushaltsgeräten. Alle sind darauf bedacht, die Schnittstelle zum Kunden mittels der digitalen Identitäten gegen die großen digitalen Plattformen zu verteidigen.

Um den Kontakt mit ihren Kunden über die verschiedenen Devices nicht zu verlieren, setzen die Unternehmen verstärkt auf die Lösungen aus dem Umfeld des Identity Marketing, wie drawbridge oder Tapad.

Die Identität ist also eine zentrale Anforderung für digitales Wachstum eines Unternehmens. Denn im Zeitalter von maßgeschneiderten Produkten und Diensten für den Kunden wachsen auch die Ansprüche an Identitätsverwaltungssysteme. Um mit Angeboten in den Bereichen Cloud-Computing, mobilen Systemen und Internet der Dinge wettbewerbsfähig zu bleiben, gilt es, einer Vielzahl von Kunden eine nahtlose, personalisierte Nutzerfahrung über mehrere Produkte und Endgeräte hinweg zu bieten. Die Verwaltung von Identitäten spielt hierfür eine tragende Rolle und ist somit ein wesentlicher Bestandteil des Wertversprechens eines Unternehmens.

Weiteren Schub bekommt die Entwicklung hin zur Identity Economy durch die Regulatorik. Exemplarisch dafür sind die GDPR, die ePrivacy-Richtlinie sowie PSD2. Parallel dazu sind verschiedene Initiativen dabei, für die nötigen Standards zu sorgen, wie die fido Alliance, Mobile Connect, Kantara oder Sovrin. Auf dem Gebiet der Technologie wird aller Voraussicht nach die größte Dynamik von der Blockchain und der Künstlichen Intelligenz ausgehen. Das Thema Digitale Identität ist geradezu prädestiniert für den Einsatz der Blockchain-Technologie.

Die Banken müssen ihre Rolle erst noch finden. Es dürfte kaum realistisch sein, dass die Banken den Identity Layer komplett für sich beanspruchen können. Dafür sind die anderen Lösungen schon zu verbreitet. Ein Weg könnte der sein, den die UBS und CS zusammen mit der Swisscom gehen und eine gemeinsame digitale Identität anzubieten. Die Bank als Identity-Service Provider, der im Gegensatz zu anderen die Daten oder Profile der Kunden nicht weiter veräußert und nur für eigene Zwecke oder zum Wohle der Kunden durch Services, wie Vergleichsangebote einholen, einsetzt.

In Zeiten der Datenökonomie müssen die Banken jedoch davon ausgehen, dass die anderen Wirtschaftsteilnehmer, wie die Unternehmen, versuchen werden, die Daten selbst zu veredeln und zu verwerten. Ob dazu dann noch ein Intermediär wie eine Bank oder Personal Data Bank nötig ist, oder ob die Banken sich zu reinen Service-Anbietern im Hintergrund (Bank End) wandeln werden, wird sich zeigen.

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2 Kommentare zu Banking in der Identity Economy

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