Apple Pay in Deutschland ohne Chance?

Von Ralf Keuper
In seinem aktuellen Beitrag Apple Pay: In Deutschland ohne Chance rechnet der von mir geschätzte Martin Weigert, wie der Titel schon sagt, nicht mit einem Erfolg der mobilen Bezahllösung von Apple. 
Also – so gar keinen Erfolg – nichts? 
Bei allem Respekt: Dass Apple Pay in Deutschland keine Chance hat, ist selbst angesichts der wohl im weltweiten Vergleich einzigartigen Vorliebe der Deutschen für das Bargeld, doch sehr, sehr unwahrscheinlich. Anderenfalls müssen wir davon ausgehen, dass Deutschland sich auf dem Niveau eines Entwicklungslandes befindet. Zwar ist es richtig, dass Deutschland bei technischen Innovationen fast immer zu den Nachzüglern zählt, und dieser Befund auch für die Verbreitung mobiler Bezahlverfahren gilt, ganz gleich von welchem Anbieter; aber sich jetzt zu der apodiktischen Aussage zu versteigern, wenngleich Martin Weigert seine Aussage gleich zu Beginn und zum Schluss relativiert. Trotzdem: Keine Chance ist schon eher Effekthascherei. Es sei denn, Apple beschließt gar nicht, also auch nicht 2016, wie derzeit geplant, auf den deutschen Markt zu kommen. 
So viel ich weiß, finden Apples iPhone wie auch andere Smartphones auch in Deutschland z.T. reißenden Absatz, und die technische Infrastruktur ist ebenso vorhanden, wie das bargeldlose Zahlen selbst um Deutschland keinen Bogen gemacht hat. Das Bargeld ist in Deutschland weiter auf dem Rückzug
Um so unverständlicher erscheint mir der ständige Hinweis auf die geringe Akzeptanz mobiler Bezahlverfahren bei den Händlern, die kaum bereit seien, ihre Geräte umzurüsten.
Dazu Folgendes:

Nutzer von Visa-Karten können in Deutschland 45000 Kontaktlos-Terminals nutzen. Mastercard schreibt den Händlern sogar vor, dass ab dem 1. Januar 2015 neu aufgestellte Kassensysteme die Nahfeldkommunikation unterstützen müssen. Die komplette Umrüstung soll bis 2018 abgeschlossen sein. „In ein paar Jahren wird voraussichtlich jeder Händler ein NFC-fähiges Terminal für seine Kunden vorhalten“, sagt Cornelia Schulz, Sprecherin der Deutschen Kreditwirtschaft. Viele Smartphones haben bereits NFC-Chips verbaut, über eine Kamera verfügen fast alle. Immer mehr Banken liefern ihre Giro- und Kreditkarten mit NFC-Technologie aus. (Quelle: Bezahlen 2.0: Löst das Smartphone das Portemonnaie ab?)

Und davon sollen Apple Pay oder jeder andere Anbieter mobiler Bezahlverfahren in absehbarer Zeit, also nicht erst in einer fernen, nebulösen Zukunft, nicht, gar nicht, profitieren? Wenn der Kunde danach verlangt und sein Smartphone das mobile Bezahlen nicht unterstützt, dann wird er oder sie woanders einkaufen. Ganz sicher wird es Händler geben, die diese Möglichkeit anbieten werden, sofern sie Geschäft machen wollen. In diesem Fall trifft der Kunde die Entscheidung. 
Also noch mal: Keine Chance?! 

So langsam sind wir dann doch nicht … 

Update:

Mittlerweile haben einige Leser auf netzwertig Martins Beitrag kommentiert – überwiegend kritisch.
Für besonders aufschlussreich, obschon ein wenig launig, ist m.E. der Kommentar von Carsten.

Hier noch mein Kommentar auf netzwertig:

So sehr ich Martin auch sonst zustimme: Hier komme ich doch zu einer anderen Einschätzung – in etwa wie die von Carsten.
Wenn ein Land, wie Deutschland, das wie kaum ein anderes vom internationalen Handel abhängt, das Mobile Bezahlen nicht auf die Reihe bekommt, dann …
Wir sind ohnehin schon recht spät dran. Immer darauf zu vertrauen, dass wir den Rückstand mit einem Schlag aufholen können, ist riskant. Irgendwann knicken wir dann wieder ein, und müssen einen Standard und ein Tempo akzeptieren, die uns von Außen aufgedrückt wurden, statt selber etwas auf die Beine zu stellen. 
Da kritisieren wir lieber schon mal gerne die unseren Qualitätsansprüchen nicht genügenden Lösungen anderer, die ja doch gar nicht so gut sind.
Mag sein: Nur – wo ist unsere Alternative, unsere Konkurrenzlösung??? 
Immer nur meckern bringt es nicht.

Weitere Informationen:

Apple Pay bringt Mobile Payment in Schwung

Juniper Research: Über 2 Milliarden Mobile-Payment-Transaktionen bis 2017


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