Apple Pay in Deutschland: Das Machtbeben im Banking setzt sich fort

Von Ralf Keuper

Der offizielle Start von Apple Pay in Deutschland wurde von vielen Kunden, die lange auf diesen Moment warten mussten, begrüsst. Kommentatoren aus dem Fintech-Umfeld stehen, so jedenfalls mein Eindruck, kurz davor, von ihren Glücksgefühlen überwältigt zu werden. An anderen Stellen hält sich die Begeisterung dagegen in Grenzen, wie beim Deutschen Sparkassen-und Giroverband (DSGV), worüber u.a. in Apple Pay in der Kritik: Sparkassen fordern freien Zugang zum iPhone-Bezahldienst berichtet wurde. Die Sparkassen fordern von Apple, die NFC-Schnittstelle des iPhones für Dritte zu öffnen.

Um die Weiterentwicklung mobiler Zahlungslösungen hierzulande nicht zu bremsen, sollte Apple den Industriestandard NFC an seinen Endgeräten zu angemessenen Konditionen nicht nur für die eigene Lösung, sondern auch für Dritte öffnen.

Dazu ist Apple jedoch nicht bereit. Das Unternehmen begründet seine Ablehnung damit, dass nur dann, wenn Hardware, Software und Service aus einer Hand kämen, die nötige Sicherheit garantiert werden könne.

Apple Pay werde es daher nicht auf anderen Endgeräten geben – und umgekehrt dann auch nicht den Zugriff anderer Services auf Hardware und Software

wie in Apple Pay: Darum sind Sparkassen und VR-Banken nicht dabei zu erfahren ist.

Die Forderungen, die hierzulande von den Sparkassen und Volksbanken gegen Apple erhoben werden, sind nicht neu. In Australien haben mehrere große Banken in den vergangenen drei Jahren versucht, Apple dazu zu bewegen, ihre NFC-Schnittstelle freizugeben (Vgl. dazu: Digitale Brieftasche: Australische Banken wollen Zugriff auf iPhone-NFC). Nachdem die Banken die  Wettbewerbsbehörden nicht dafür gewinnen konnten, Apple zu zwingen, seine NFC-Schnittstelle zu öffnen, geben die ersten ihren Widerstand auf. Beispielhaft dafür ist die größte australische Bank, Commonwealth Bank, die vor wenigen Tagen bekannt gab, Apple Pay unterstützen zu wollen (Vgl. dazu: Australia’s largest bank finally caves, announces imminent Apple Pay support). Dem Beispiel dürften in naher Zukunft weitere Banken folgen. Anderenfalls drohen den Banken Kundenabwanderungen im großen Umfang. Die Sorgen sind nicht unbegründet, denn:

The Commonwealth Bank, NAB, Westpac and Bendigo Bank told the ACCC this week that their customers will continue to leave unless they are also able to offer Apple Pay (in: Big banks admit: customers leaving us for ApplePay).

Die Frage ist daher, ob und für wie lange die Sparkassen und Volksbanken ihren Widerstand durchhalten können. Die Hoffnung, dass Apple nachgeben wird, um die beiden größten Bankengruppen Deutschlands nicht zu vergraulen, könnte sich als trügerisch erweisen. Stand heute sitzt Apple – insgesamt betrachtet –  am längeren Hebel. Wie groß die Markt- und Verhandlungsmacht von Apple ist, mussten die großen US-amerkanischen Banken beim offiziellen Start von Apple Pay vor vier Jahren akzeptieren, als Apple J.P. Morgan & Co. Sonderkonditionen abtrotzen konnte (Vgl. dazu: Machtbeben: Apple handelt mit einigen Banken Sonderkonditionen bei der Zahlungsabwicklung aus).

Wer in der digitalen bzw. in der Plattformökonomie als Bank noch wahrgenommen werden will, wird kaum umhin kommen, die neuen Realitäten zu akzeptieren: Wer, wie Apple, Software und Hardware aus einer Hand anbieten kann, global aktiv ist und eine hohe Reputation bei den Kunden (800 Millionen Kundenkonten im Jahr 2014) besitzt, der kann die Regeln bestimmen bzw. sich den Luxus erlauben, auf das eine oder andere Geschäft zu verzichten und dabei auf den Faktor Zeit zu setzen. Und der spielt bis auf weiteres, wie u.a. das Beispiel Australien zeigt,  Apple in die Hände.

Die alten Reaktionsmuster wirken nicht mehr, wie ein Leser in dem Kommentar Liebe Sparkassen, wenn ihr mitbestimmen wollt, müsst ihr einfach schneller sein anmerkt.

Weitere Informationen:

TECH-TALK: Wo bleibt die Sparkasse?

Dieser Beitrag wurde unter Banking, Digitale Plattformen / Plattformökonomie, Regionalbanken veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.