Als die Gebrüder Albrecht (ALDI) einer Privatbank finanziell unter die Arme griffen

Von Ralf Keuper

Die Discount-Könige Karl und Theo Albrecht, Gründer von ALDI, waren für ihren ausgeprägten Hang zur Sparsamkeit bekannt. Im Jahr 1974 jedoch halfen sie der ins Straucheln geratenen Privatbank Trinkaus & Burkhardt mit einer für damalige Verhältnisse enormen Summe, die Rede ist von 600 Millionen DM, unter die Arme (Vgl. dazu: Das Geheimnis der Aldi-Brüder).

Über die Jahre vollzog sich in dem Verhältnis zwischen den Brüdern und der traditionsreichen Privatbank Burkhardt, die später mit Trinkaus zu Trinkaus & Burkhardt fusionierte, ein Rollenwechsel: Zu Beginn Hausbank, die den Albrechts die nötigen Finanzmittel für die Expansion zur Verfügung stellte, zum Empfänger von Stützungszahlungen aus den Händen der Brüder, um das Bankgeschäft fortführen zu können. Mit wachsendem geschäftlichen Erfolg diktierte ALDI den Banken die Konditionen – nicht nur Trinkaus & Burkhardt.

Ungewöhnlich an der Rettungsaktion war, dass die Albrechts angeblich keine Sicherheiten für ihre Stützungsaktion verlangten. Verantwortlich für die Probleme von Trinkaus & Burkhardt war die Pleite des Bauunternehmers Josef Kun, der über die Jahre einen großen Baukonzern aufgebaut hatte (Vgl. dazu: Er war Bauherr der Weißen Riesen – der Fall des Josef Kun). Die Expansion seiner Unternehmensgruppe finanzierte Kun fast ausschließlich über Fremdkapital. Im Jahr 1973 konnte Kun die Zinsen für seine Kredite nicht mehr aufbringen, wodurch er seine Hausbank, die Düsseldorfer Bau-Kreditbank (BKB),  mit in die Tiefe riss (Vgl. dazu: Skandal in Raten. Die Gläubiger der Bau-Kredit-Bank kämpfen mit allen Mitteln um ihr Geld). Größter Anteilseigner und Gläubiger der BKB war Trinkaus & Burckhardt. Damit geriet auch Trinkaus in den Sog der Kun-Pleite. Auf der Suche nach Hilfe wandte sich die Bank an einige ihrer vermögenden Privatkunden – darunter die Brüder Albrecht. Nur wenige Tage, nachdem die Albrechts zur Hilfe geeilt waren, konnte die Bank weitere Finanzmittel auftreiben und  das Schlimmste verhindern.

Trinkaus verlor jedoch seine Selbständigkeit. Im Jahr 1974 übernimmt die Citibank 51 Prozent der Bank. Damit ist die Geschichte der inhabergeführten Privatbank Trinkaus & Burkhardt an ihr Ende gelangt. Heute ist Trinkaus & Burkhardt Teil von HSBC.

Weitere Informationen:

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