Acceleratoren und Inkubatoren für Startups nähern sich der Reifephase

Von Ralf Keuper

Es sieht ganz so aus, als näherten sich die Acceleratoren und Inkubatoren, womit Unternehmen gemeint sind, die sich darauf spezialisiert haben, Startups an den Markt zu bringen, der Reifephase.

Ein Signal, das darauf hindeutet, kam unlängst von der „Mutter aller Acceleratoren“ – dem Y Combinator. Das Unternehmen kündigte an, künftig generell 120.000 $ für einen Geschäftsanteil von 7% in vielversprechende Startups zu investieren. Bis dahin waren es insgesamt 97.000 $ für einen Geschäftsanteil von 7% an dem jeweiligen Startup.

Sam Altman begründet den Schritt wie folgt:

$97k was about right at the time, but the cost of living in the Bay Area has gone up substantially. So we’re increasing the total to $120k, which we hope is enough for the founders to run their business and pay their living expenses for at least 6 months, and sometimes longer. … Our new investment structure should be very simple—$120k for 7% equity (regardless of the number of founders). We hope that it will help the companies we fund.

Daraufhin haben sich mehrere Kommentatoren mit den Auswirkungen dieses strategischen Schachzugs für die Branche beschäftigt, wie  Matt Clifford in What YCombinator’s New Deal Means For The Future Of Accelerators.

Viele Acceleratoren haben sich bei ihrem Investment- bzw. Preismodell an Y Combinator orientiert, ohne jedoch dessen Deal-Qualität zu erreichen. Eine Anhebung auf 120.000 $ dürfte sie, so Clifford, vor große Probleme stellen:

If you’re a competitor, either you say that you’ll do the same — which ruins your economics if you can’t find the next Dropbox — or you don’t, in which case you’re clearly second tier.

In Deutschland sorgte kürzlich der Startup-Inkubator Epic Companies für Schlagzeilen, als er einen Umbau seines Geschäftsmodells ankündigte. Zu hoch seien die laufenden Kosten und zu gering die Einnahmen aus den Beteiligungen an den Startups.

Das Dilemma der Branche gut auf den Punkt bringt der Beitrag Black Swan Farming aus dem Jahr 2012.

Bereits im letzten Jahr verkündete Lars Hinrichs das Aus für seinen Inkubator HackFwd. Seinen Rückzug begründete Hinrichs u.a. mit den veränderten Bedingungen auf dem Risikokapital-Markt.

Bei Rockert Internet schaltet man dagegen, allem Anschein nach, einen Gang höher. Neben den Säulen E-Commerce und Marktplätzen soll der Bereich FinTech die dritte tragende Säule werden.

In der Summe deutet das darauf hin, dass sich viele Acceleratoren und Inkubatoren der Phase des Value Outflow (Adrian Slywotzky) nähern.

Besonders erfolgreich agiert derzeit Intel Capital. Die Tochtergesellschaft des weltgrößten Herstellers von Mikroprozessoren hat im vergangenen Jahr mit 22 Exits einen neuen Maßstab für die Branche gesetzt.

Nach wie vor für aufschlussreich bzw. inspirierend in dem Zusammenhang halte ich, wenngleich die Zeiten heute gewiss andere sind, die Investment-Philosophie von Georges Doriot – The first Venture Capitalist. Seine American Research  and Development Corporation (ARD) darf man wohl als die „Großmutter aller Acceleratoren und Inkubatoren “ bezeichnen.

Hier ein Auszug aus dem Buch The First Venture Capitalist. Georges Doriot on Leadership, Capital & Businesss Organization (hrsg. vom Udayan Gupta):

At ARD, generally everybody was out looking for their own deals. We had a personal advocacy approach. Your were expected to work deals through yourselves, yet get help from other people when you needed it. You had to have a backup, spend a lot of time understanding the people involved and their motivation and the market and technology. Doriot insisted on deep immersion in any investment before you made it. In those days you could do that. You could take several months to look at an investment and the final OK had to come from the board of directors. You looked at the board of directors that he had assembled masterfully. It was a very impressive board. He handpicked each of those people probably more so than he picked the people who worked for him.

Weitere Informationen:

Is There A Startup Incubator Bubble? Not Here

Over Crowded Funding: Is The Accelerator Bubble About To Burst?

The Difference between Rocket Internet and Y Combinator

Y Combinator changes rules around partner investments in startups

Say goodbye to accelerators and hello to IdeaMarket, Bill Gross’ crowd-powered startup factory

The Changing Structure of the VC Industry

Mark Cuban says we’re in a new bubble — but it’s a problem of inexperienced angels

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Ein Kommentar zu Acceleratoren und Inkubatoren für Startups nähern sich der Reifephase

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