Neosha­re, das gemein­sa­me Fin­tech von Spar­kas­sen und Volks­ban­ken für die gewerb­li­che Immo­bi­li­en­fi­nan­zie­rung, streicht rund 40 Pro­zent sei­ner etwa 230 Stel­len; die Volks­ban­ken sind als Inves­to­ren aus­ge­stie­gen, eine Toch­ter ist insol­vent. Als Grund wird die KI-Ent­wick­lung genannt, hin­zu kommt ein schwie­ri­ges Markt­um­feld in der Gewer­be­im­mo­bi­li­en­fi­nan­zie­rung. Der Jah­res­ab­schluss 2024 legt eine ande­re Fra­ge nahe: Einem Ver­lust von 9,3 Mil­lio­nen Euro stand ein Kapi­tal­zu­fluss von rund 23,8 Mil­lio­nen Euro gegen­über, Umsät­ze blei­ben unsicht­bar. Was geschieht, wenn der Ver­bund­ge­dan­ke die Prü­fung des Geschäfts­mo­dells ersetzt?

Das Münch­ner Fin­tech Neosha­re, das die gewerb­li­che Immo­bi­li­en­fi­nan­zie­rung digi­ta­li­sie­ren woll­te, trennt sich von rund 40 Pro­zent sei­ner etwa 230 Beschäf­tig­ten, vor allem in der Soft­ware­ent­wick­lung. Die Volks­ban­ken haben sich als Inves­to­ren zurück­ge­zo­gen, die Spar­kas­sen sind wei­ter­hin betei­ligt. Schon im Früh­jahr hat­te mit der PTXRE GmbH, einem Mak­ler­haus, an dem Neosha­re 85 Pro­zent hält, eine wich­ti­ge Toch­ter Insol­venz in Eigen­ver­wal­tung angemeldet.


Die Chro­no­lo­gie

Die Geschich­te begann als Wett­lauf der Ver­bün­de. Im Novem­ber 2023 stie­gen die Han­no­ver­sche Volks­bank und die Volks­bank Düs­sel­dorf Neuss mit zusam­men 10 Pro­zent ein, im April 2024 folg­te eine Wachs­tums­fi­nan­zie­rung über 19 Mil­lio­nen Euro, ange­führt von meh­re­ren Volks­ban­ken und einem Fami­ly Office. Ende 2024 zog die S‑Finanzgruppe nach: Has­pa, Spar­kas­se Köln­Bonn, Spar­kas­se Han­no­ver und Kreis­spar­kas­se Lud­wigs­burg über­nah­men Antei­le in glei­cher Höhe wie die Volks­ban­ken. Das erklär­te Ziel war eine „grup­pen­über­grei­fen­de Bran­chen­lö­sung für die gewerb­li­che Immo­bi­li­en­fi­nan­zie­rung“. Knapp zwei Jah­re spä­ter ist von die­ser Grup­pen­über­grei­fung nur noch die Hälf­te übrig.

Die beque­me Erklärung

Als Begrün­dung für den Abbau wird die rasan­te Ent­wick­lung der Künst­li­chen Intel­li­genz genannt. Das klingt plau­si­bel und ist zugleich die kom­for­ta­bels­te Les­art: Sie macht aus einer unter­neh­me­ri­schen Fra­ge eine tech­no­lo­gi­sche Zwangs­läu­fig­keit. Wer gleich­zei­tig einen Gesell­schaf­ter­kreis ver­liert und eine Toch­ter in die Insol­venz schickt, hat ande­re Erklä­run­gen näher­lie­gend. Die offe­ne Fra­ge lau­tet, ob Umsatz, Pro­dukt­rei­fe und Kun­den­nut­zen jemals so belast­bar waren, wie es der Anspruch eines „Markt­füh­rers“ und „Leucht­turms der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on“ nahe­leg­te. Finanz-Sze­ne stellt genau das infra­ge; öffent­lich greif­ba­re Umsatz- und Kun­den­zah­len feh­len bislang.

Das Markt­um­feld als Mitursache

Das schwie­ri­ge Markt­um­feld in der Gewer­be­im­mo­bi­li­en­fi­nan­zie­rung dürf­te eben­falls eine Ursa­che sein. Eine Platt­form für groß­vo­lu­mi­ge Pro­jekt- und Immo­bi­li­en­fi­nan­zie­run­gen lebt vom Finan­zie­rungs- und Trans­ak­ti­ons­vo­lu­men; wo Neu­ge­schäft aus­bleibt, fehlt ihr die Grund­la­ge, unab­hän­gig von der Qua­li­tät der Soft­ware. Das Mak­ler­haus PTXRE, an dem Neosha­re 85 Pro­zent hält, dürf­te die­sem Umfeld unmit­tel­bar aus­ge­setzt gewe­sen sein; war­um die Toch­ter im Früh­jahr Insol­venz in Eigen­ver­wal­tung anmel­de­te, ist öffent­lich aller­dings nur bruch­stück­haft dokumentiert.

Das Markt­um­feld ent­las­tet das Geschäfts­mo­dell jedoch nur begrenzt. Die Zyk­li­zi­tät der Bran­che war kein Geheim­nis, als die Volks­ban­ken im Novem­ber 2023 und die Spar­kas­sen Ende 2024 ein­stie­gen, bei­de nach der Zins­wen­de von 2022. Ein Modell, das nur im güns­ti­gen Zyklus trägt, ist für eine als „Bran­chen­lö­sung“ gedach­te Platt­form ein Risi­ko, das in der Prü­fung hät­te ste­hen müs­sen. Wie viel des Ein­bruchs auf den Markt und wie viel auf das Unter­neh­men ent­fällt, lässt sich ohne Umsatz- und Kun­den­zah­len nicht trennen.

Was dar­an über die Ver­bün­de zu ler­nen ist

Die Betei­li­gung der Spar­kas­sen folg­te dem Mus­ter, das der Genos­sen­schafts­sek­tor vor­ge­ge­ben hat­te: Man woll­te nicht zurück­ste­hen. Der Ein­stieg wur­de pro­fes­sio­nell beglei­tet, unter ande­rem mit Due Dili­gence durch eine Kanz­lei. Eine Due Dili­gence prüft jedoch Ver­trä­ge, Rech­te und Risi­ken; sie beant­wor­tet nicht, ob eine Platt­form im Markt trägt. Hin­zu kommt die Eigen­art des Fel­des. Gewerb­li­che Immo­bi­li­en­fi­nan­zie­rung ist zyklisch, pro­zess­in­ten­siv und hängt an Ver­trau­en, Daten­qua­li­tät und der Inte­gra­ti­on in die Sys­te­me der Ban­ken. Das ist sel­ten ein Selbst­läu­fer für Soft­ware-as-a-Ser­vice, und eine Platt­form, die Insti­tu­te unter­ein­an­der ver­bin­den soll, braucht gera­de jene brei­te Betei­li­gung, die nun wie­der schrumpft.

Dass die Spar­kas­sen allein zurück­blei­ben, ist für sie unan­ge­nehm. Wer als Mit­ge­sell­schaf­ter ein­steigt, weil der ande­re Ver­bund schon drin ist, hat sei­ne Inves­ti­ti­ons­lo­gik zu einem Teil an des­sen Ent­schei­dung geknüpft. Ver­lässt der ande­re Ver­bund das Feld, fehlt ein Teil der ursprünglic…