Im Jahr 2016 präsentierte ein britischer Softwareanbieter die nach eigenen Angaben erste Bank für das Internet der Dinge. Zehn Jahre später erklärt eine Studie, die Einführung von IoT führe Banken zu neuen Geschäftsmodellen. Zwischen beiden Zeitpunkten liegt eine Frage, die bislang kaum gestellt wird: Wie wird aus Daten überhaupt ein anderes Geschäftsmodell, und wer übernimmt diese Übersetzung?
Im Juli 2019 erschien auf Bankstil ein kurzer Beitrag über die „weltweit erste Bank für das Internet der Dinge“. Gemeint war ein Angebot von Intelligent Environments, einem Softwarehaus aus Kingston upon Thames bei London, das heute unter dem Namen ieDigital firmiert. Im Juni 2016 hatte das Unternehmen unter der Bezeichnung Interact IoT eine Lösung vorgestellt, mit der Kunden ihr Bankkonto mit vernetzten Geräten verbinden konnten. Die Geräte sollten automatisch auf den Kontostand reagieren und so beim Sparen helfen.
Zum Start waren zwei Geräte angebunden: das Thermostat Nest und Pavlok, ein Armband, das seinem Träger zur Abgewöhnung schlechter Gewohnheiten leichte Stromstöße versetzt. Wer sein selbst gesetztes Ausgabenlimit überschritt, bekam die Überziehung buchstäblich zu spüren. Der Anbieter beschrieb seine Plattform als eine Art IFTTT für Geld, also als Regelwerk nach dem Muster „Wenn auf dem Konto dies geschieht, dann tue jenes“, und kündigte Gespräche mit Banken und Kreditkartenanbietern an.
Eine Studie, die das Ergebnis voraussetzt
Diese Episode lässt sich mit einer aktuellen Studie zum IoT-Einsatz in Banken neu lesen. Die Autoren haben 689 Bankmanager befragt und ihre Antworten mit einem Strukturgleichungsmodell ausgewertet. Dabei handelt es sich um ein statistisches Verfahren, das angenommene Wirkungspfade zwischen mehreren Größen gleichzeitig schätzt. Die behauptete Kette lautet: Die Einführung von IoT fördert datengetriebene Entscheidungen, diese begünstigen die Übernahme von Fintech-Innovationen, und daraus entsteht Geschäftsmodellinnovation. KI-Fähigkeiten sollen diese Effekte zusätzlich verstärken.
Als theoretischen Rahmen wählen die Autoren die Resource Orchestration Theory, die auf den US-Managementforscher David Sirmon und Kollegen zurückgeht. Sie fragt, wie Unternehmen ihre Ressourcen strukturieren, bündeln und einsetzen.Sämtliche Hypothesen werden bestätigt. Die Aussagekraft dieses Befunds ist allerdings begrenzt. Die Daten stammen aus Selbstauskünften, die zu einem einzigen Zeitpunkt erhoben wurden. Eine Abfolge von IoT über Entscheidungsfindung und Fintech bis zur Geschäftsmodellinnovation lässt sich so nicht belegen, obwohl genau diese Abfolge der Kern der Studie ist. Die Daten zeigen lediglich, dass Manager, die ihrem Haus viel IoT bescheinigen, ihm auch viel Datenorientierung, Fintech-Nähe und Innovationskraft bescheinigen. Das kann ebenso gut eine allgemeine Selbstwahrnehmung als digitales Institut abbilden. Was im Bankgeschäft eigentlich als IoT gilt, bleibt unscharf, denn Smartphones, Wearables und Geldautomaten fallen gleichermaßen darunter. Gegenbefunde zu den Schattenseiten der Bankendig…
