53 Milliarden Dollar, 60,50 Dollar je Aktie, ein Vorstand, der ablehnt, und ein Herausforderer, der plötzlich als Käufer auftritt: Stripe und der Private-Equity-Investor Advent International wollen PayPal übernehmen – jenes Unternehmen, das einst als Erfinder des Online-Bezahlens galt und heute 88 Prozent unter seinem Höchstwert notiert. Der Fall ist mehr als eine gewöhnliche Übernahmeschlacht. Er zeigt, wie sich Kräfteverhältnisse in der Zahlungsbranche verschoben haben, warum agentische KI-Zahlungen zum neuen Schlachtfeld werden – und warum eine der zentralen Kennzahlen der Geschichte, Stripes eigene Bewertung, bei näherem Hinsehen deutlich fragiler ist, als die Schlagzeilen suggerieren.
Es ist eine Volte, die vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre. Stripe, 2010 gegründet und bis heute nicht börsennotiert, bietet gemeinsam mit dem Private-Equity-Haus Advent International 60,50 Dollar je Aktie für PayPal – jenen Konzern, der das Online-Bezahlen für den Massenmarkt salonfähig gemacht hat und lange als das Maß aller Dinge in der Branche galt. Die Offerte bewertet PayPal mit mehr als 53 Milliarden Dollar, ein Aufschlag von rund 28 Prozent auf den Schlusskurs vor Bekanntwerden des Angebots. Finanziert ist der Deal mit rund 50 Milliarden Dollar an zugesagten Bankkrediten; ursprünglich war auch Block Teil des Konsortiums, stieg jedoch aus, bevor das aktuelle Angebot eingereicht wurde.
Der PayPal-Vorstand hat inzwischen reagiert – und zwar ablehnend. Bei einem eigens einberufenen Treffen am 20. Juli wies das Gremium das Angebot als unzureichend zurück, allerdings offenbar nicht als endgültiges Nein, sondern als Verhandlungsposition: Man erwartet ein nachgebessertes Gebot. Die Begründung des Vorstands folgt einer vertrauten Logik bei Übernahmeabwehr – der gebotene Preis spiegele nicht das Wertschöpfungspotenzial wider, das das Management mit seiner eigenen Turnaround-Strategie noch heben könne.
Ein Herausforderer, der zum Käufer wird
Dass ausgerechnet Stripe zum potenziellen Käufer aufsteigt, ist die eigentliche Pointe der Geschichte. Stripe ist traditionell im Hintergrund tätig – als Infrastrukturanbieter, der Entwicklern und Händlern die technische Zahlungsabwicklung abnimmt, ohne selbst als Konsumentenmarke aufzutreten. PayPal und sein Ableger Venmo hingegen sind genau das: bekannte, direkt genutzte Verbraucher-Wallets mit einer Nutzerbasis von rund 420 Millionen Konten.
Die Logik der Transaktion ist entsprechend komplementär: Stripe würde sich mit einem Schlag Zugang zu einer Konsumentenreichweite verschaffen, die es organisch nur über Jahre h…
