Mit Hei­ner Arnol­di rückt ein ehe­ma­li­ger Bafin-Son­der­be­auf­trag­ter in den Vor­stand der Volks­bank Bra­wo auf – nach der Frei­stel­lung von Jür­gen Brink­mann. Der Per­so­nal­wech­sel ist mehr als eine Epi­so­de: Er mar­kiert den Punkt, an dem eine genos­sen­schaft­li­che Aus­nah­me­erschei­nung an die Gren­zen ihres eige­nen Geschäfts­mo­dells stößt.


Die Mel­dung liest sich zunächst wie ein gewöhn­li­cher Per­so­nal­vor­gang[1]Ban­ken: Volks­bank Bra­wo holt Sanie­rungs­exper­ten nach Stra­te­gie­schwenk: Der Auf­sichts­rat der Volks­bank Bra­wo bestellt Hei­ner Arnol­di zum drit­ten Vor­stand, nach­dem der bis­he­ri­ge Vor­stands­chef Jür­gen Brink­mann wegen unter­schied­li­cher Auf­fas­sun­gen über die Aus­rich­tung der Grup­pe frei­ge­stellt wur­de. Arnol­di war zuletzt Bafin-Son­der­be­auf­trag­ter bei der Volks­bank Düs­sel­dorf Neuss. Genau in die­ser Per­so­na­lie liegt aber die eigent­li­che insti­tu­tio­nel­le Poin­te: Die Auf­sicht wird zum Akteur. Wer zuvor im Auf­trag der Ban­ken­auf­sicht ein ange­schla­ge­nes Insti­tut von außen beglei­tet hat, über­nimmt nun selbst ope­ra­ti­ve Ver­ant­wor­tung – mit einem Zwei-Jah­res-Ver­trag und dem expli­zi­ten Auf­trag, die „erfor­der­li­che Restruk­tu­rie­rung vor­an­zu­trei­ben”. Die Tren­nung zwi­schen exter­ner Kon­trol­le und inter­ner Lei­tung, die dem deut­schen Bank­auf­sichts­recht als Kon­struk­ti­ons­prin­zip zugrun­de liegt, ver­schwimmt in die­sem Moment – ein Indiz dafür, wie weit der Hand­lungs­be­darf bereits fort­ge­schrit­ten ist.

Der eigent­li­che Befund liegt jedoch in der Struk­tur, die Arnol­di nun ord­nen soll. Zur Bra­wo-Grup­pe gehö­ren rund 400 Töch­ter und Betei­li­gun­gen – Immo­bi­li­en­pro­jekt­ge­sell­schaf­ten in Ber­lin, Ham­burg und Müns­ter, aber auch Fit­ness­stu­di­os, Restau­rants und Vil­len auf Mal­lor­ca. Das ist eine fun­da­men­ta­le Abwei­chung vom genos­sen­schaft­li­chen Regio­nal­prin­zip, das Volks­ban­ken tra­di­tio­nell auf das Kre­dit- und Ein­la­gen­ge­schäft im ange­stamm­ten Geschäfts­ge­biet ver­pflich­tet. In den Begrif­fen der Luhmann’schen Pro­gramm­un­ter­schei­dung lie­ße sich sagen: Wäh­rend das klas­si­sche genos­sen­schaft­li­che Geschäfts­mo­dell als Kon­di­tio­nal­pro­gramm funk­tio­niert – fes­te Regeln, regio­na­le Bin­dung, Mit­glie­der­för­der­zweck als Ent­schei­dungs­prä­mis­se –, hat sich die Bra­wo-Grup­pe in Rich­tung eines Zweck­pro­gramms ent­wi­ckelt, das die Mit­tel­ver­wen­dung pri­mär an unter­neh­me­ri­scher Oppor­tu­ni­tät statt an insti­tu­tio­nel­ler Bin­dung aus­rich­tet. Das ist nicht per se il…