Eine Fallstudie zur dezentralen Bankanwendung ALBank zeigt, was blockchain-basiertes KYC technisch leisten kann – und was sie verschweigt: KYC-Kosten von bis zu 0,04 ETH pro Vorgang, personenbezogene Daten auf einer unveränderlichen öffentlichen Blockchain, und ein Authentifizierungsmodell, das für Entwickler taugt, nicht für Bankkunden. Dezentral ist nicht dasselbe wie besser.
Was ALBank tatsächlich ist
ALBank ist ein Proof of Concept, kein Bankprodukt. Das ist per se kein Vorwurf – aber die Studie behandelt das Konzept wiederholt so, als ob der Weg vom Testnet Sepolia zu einem regulierten Finanzdienstleister eine Frage der funktionalen Erweiterung wäre. Das ist eine kategorische Fehleinschätzung.
Die Anwendung besteht aus einem Solidity-Smart-Contract auf Ethereum, einer Web-Oberfläche mit MetaMask-Integration und einem dezentralen KYC-Modul. Die Kernfunktionen – ETH einzahlen, abheben, Kontostand abfragen – sind trivial. Interessanter ist der KYC-Ansatz: Identitätsdaten werden als Transaktion in den Contract geschrieben und können von Dritten referenziert werden, ohne den Prozess zu wiederholen. Die Grundidee hat realen Wert. Aber die Implementierung wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet.
Die Gaskostenfrage: strukturell, nicht marginal
Die gemessenen Transaktionskosten sind das aufschlussreichste Ergebnis der Studie – und das am wenigsten kommentierte. Das Anlegen von KYC-Daten kostet bis zu 0,04 ETH. Bei einem ETH-Kurs von 2.500 USD entspricht das 100 USD pro Onboarding-Vorgang. Bei einem Kurs von 5.000 USD sind es 200 USD.
Zum Vergleich: Traditionelle Banken schätzen die Gesamtkosten eines KYC-Prozesses auf 25 bis 50 USD – inklusive Compliance-Personal, Dokumentenprüfung und IT-Infrastruktur. ALBank schlägt diesen Wert im Testbetrieb um den Faktor 2 bis 8.
Das ist kein Optimierungsproblem. Es ist ein…
