Eine 250 Jah­re alte Regio­nal­bank ver­wan­delt sich bin­nen weni­ger Jah­re in eine natio­na­le Uni­ver­sal­bank, begibt sich in die Arme fran­zö­si­scher Genos­sen­schaf­ter – und ver­liert nun auch ihren CEO. Der Wech­sel an der OLB-Spit­ze kam schnell, aber nicht über­ra­schend. Drei Tage nach dem Clo­sing der Über­nah­me durch Cré­dit Mutuel ver­lässt Ste­fan Barth die Bank, die er in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zu Rekord­ge­win­nen geführt hat. Sein Nach­fol­ger Chris­to­phe Jéhan, bis­lang stell­ver­tre­ten­der CEO der Targ­obank, über­nimmt nicht nur den Vor­stands­vor­sitz, son­dern behält zugleich sei­ne Funk­ti­on in der Geschäfts­füh­rung der Hol­ding Tar­go Deutsch­land GmbH. Isa­bel­le Che­ve­lard, die die­se Hol­ding lei­tet und der Targ­obank vor­steht, wird zusätz­lich Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­de der OLB.

Was auf den ers­ten Blick wie eine rou­ti­ne­mä­ßi­ge Post-Mer­ger-Per­so­na­lie wirkt, ist bei genaue­rer Betrach­tung ein Lehr­stück über den Wan­del von Bank­sti­len unter wech­seln­den Eigen­tü­mer­struk­tu­ren – und mög­li­cher­wei­se der Auf­takt zu einem Expe­ri­ment, das in Deutsch­land bis­lang regel­mä­ßig geschei­tert ist – die Über­tra­gung des Bank­assu­rance-Modells auf Deutschland. 


Das Ende der stra­te­gi­schen Autonomie

Ste­fan Barth hat gelie­fert, was unter Pri­va­te-Equi­ty-Logik zu lie­fern war: Wachs­tum durch Akqui­si­ti­on, Kos­ten­dis­zi­plin, Pro­fi­ta­bi­li­täts­stei­ge­rung, Exit-Fähig­keit. Die OLB unter sei­ner Füh­rung war stra­te­gisch oppor­tu­nis­tisch, aber ope­ra­tiv exzel­lent. Sie kauf­te, was sich rech­ne­te – Wüs­ten­rot Bank, Degus­sa Bank – und inte­grier­te effi­zi­ent. Der Bör­sen­gang wur­de vor­be­rei­tet, dann ver­wor­fen, als sich ein bes­se­rer Exit bot. Das war kein Aus­druck stra­te­gi­scher Kon­fu­si­on, son­dern ratio­na­les Han­deln unter den Bedin­gun­gen wech­seln­der Eigentümerinteressen.

Mit dem Clo­sing endet die­se Pha­se. Die OLB defi­niert ihre Stra­te­gie künf­tig nicht mehr selbst. Sie wird Teil einer über­ge­ord­ne­ten Cré­dit-Mutuel-Stra­te­gie für den deut­schen Markt, die weit über das klas­si­sche Bank­ge­schäft hin­aus­reicht. Der fran­zö­si­sche Mut­ter­kon­zern plant, das in Frank­reich erfolg­rei­che Ban­cassu­rance-Modell nach Deutsch­land zu expor­tie­ren – Bank­pro­duk­te und Ver­si­che­rungs­po­li­cen aus einer …