Trax­pay soll­te Euro­pas Mul­ti­ban­ken-Platt­form für Lie­fer­ket­ten­fi­nan­zie­rung wer­den, getra­gen von Deut­scher Bank, Com­merz­bank-Inku­ba­tor und nam­haf­ten Part­ner­ban­ken. Fünf­zehn Jah­re nach der Grün­dung zeigt der Jah­res­ab­schluss 2024 ein ande­res Bild: rund 25 Mil­lio­nen Euro kumu­lier­te Ver­lus­te, ein voll­stän­dig auf­ge­zehr­tes Eigen­ka­pi­tal und ein Betrieb, der nur noch von Gesell­schaf­ter­dar­le­hen lebt. Ein Lehr­stück dar­über, wie ein Fin­tech schei­tert, ohne zu ver­schwin­den.


Zwei Anläu­fe
Ers­ter Anlauf: das Pay­Pal der B2B-Welt

Trax­pay wur­de 2009 in Frank­furt am Main von Mar­kus Rup­p­recht gegrün­det. Rup­p­recht war zuvor über ein Jahr­zehnt bei der Deut­schen Bank sowie in lei­ten­den Funk­tio­nen bei Soft­ware AG und Hita­chi Con­sul­ting tätig gewe­sen. Die ursprüng­li­che Idee war ehr­gei­zig: Zah­lungs­ver­kehr zwi­schen Unter­neh­men soll­te in Echt­zeit ablau­fen, und Zah­lung und Geschäfts­da­ten soll­ten auf einer gemein­sa­men Platt­form zusam­men­ge­führt werden.

2012 über­nahm John Brug­ge­man die Füh­rung als CEO, ein Mana­ger aus dem Sili­con Val­ley, der zuvor bei Wind River gear­bei­tet hat­te und anschlie­ßend Chief Mar­ke­ting Offi­cer des Chip­de­sign-Soft­ware­an­bie­ters Cadence Design Sys­tems gewe­sen war. Unter ihm trat Trax­pay als glo­ba­le Platt­form mit Stand­or­ten in Frank­furt und Moun­tain View auf. 2014 führ­te der main incu­ba­tor, die Fin­tech-Ein­heit der Com­merz­bank, gemein­sam mit der Soft­ware AG eine Serie-B-Run­de über 15 Mil­lio­nen US-Dol­lar an, an der auch Ear­ly­bird Ven­ture Capi­tal betei­ligt war. Brug­ge­man sprach von einer über­zeich­ne­ten Run­de. Zugleich schloss Trax­pay einen Vier­jah­res­ver­trag mit Mas­ter­card. Mas­ter­card betei­lig­te sich nicht am Kapi­tal, soll­te aber sein Zah­lungs­netz für die Expan­si­on nach Nord­ame­ri­ka und Asi­en zur Ver­fü­gung stel­len. Das Tech­no­lo­gie­por­tal Tech­Crunch sah in Trax­pay damals das künf­ti­ge Pay­Pal der B2B-Welt. Brug­ge­man selbst fass­te die Logik so zusam­men: Die Finan­zie­rungs­run­de die­ne der Ska­lie­rung, die Mas­ter­card-Part­ner­schaft lie­fe­re die Fähig­keit dazu. 2015 kür­te ein Bran­chen­ma­ga­zin ihn zum „Game­ch­an­ger of the Year“ im Fin­tech-Bereich. Den Vor­sitz im Auf­sichts­rat über­nahm der frü­he­re Skrill-Chef Sieg­fried Heim­gärt­ner. Für die ope­ra­ti­ve Umset­zung der Expan­si­on hol­te Trax­pay um 2015 Jochen Sie­gert als Chief Ope­ra­ting Offi­cer. Sie­gert hat­te als einer der ers­ten Mit­ar­bei­ter der euro­päi­schen Pay­Pal-Zen­tra­le in Luxem­burg gear­bei­tet, zuvor bei Mas­ter­card Deutsch­land und Euro­pa sowie im Pro­dukt- und Part­ner­ma­nage­ment der Kar­stadt­Quel­le Bank, und war zuletzt Part­ner beim Ber­li­ner Fin­tech-Com­pa­ny-Buil­der Fin­leap gewe­sen. Sein Pro­fil pass­te genau zum Anspruch, ein Pay­Pal für Unter­neh­men aufzubauen.

Hin­ter die­ser Insze­nie­rung stand ein beschei­de­ner Kern. Schon 2014 bezif­fer­te Trax­pay sei­ne Kun­den­zahl nur im Bereich von eini­gen Hun­dert. Das Unter­neh­men war nicht pro­fi­ta­bel und leg­te kei­ne Umsät­ze offen. Die ange­kün­dig­te glo­ba­le Expan­si­on hin­ter­ließ in spä­te­ren Quel­len kei­ne erkenn­ba­ren Spu­ren. Wann und war­um Brug­ge­man das Unter­neh­men ver­ließ, ist öffent­lich nicht doku­men­tiert. Spä­tes­tens 2019 führ­te wie­der Rup­p­recht als CEO.

Zwei­ter Anlauf: Lie­fer­ket­ten­fi­nan­zie­rung mit deut­schen Banken

Mit dem Füh­rungs­wech­sel ver­eng­te sich das Geschäft. Statt des glo­ba­len B2B-Zah­lungs­ver­kehrs stand nun Sup­p­ly Chain Finan­ce im Mit­tel­punkt, also die Finan­zie­rung von For­de­run­gen und Ver­bind­lich­kei­ten ent­lang der Lie­fer­ket­te. Zwei Pro­duk­te tru­gen das Ange­bot. Beim Dyna­mic Dis­coun­ting zahlt ein Käu­fer sei­ne Lie­fe­ran­ten­rech­nun­gen vor­zei­tig und erhält dafür einen lauf­zeit­ab­hän­gi­gen Abschlag. Beim Rever­se Fac­to­ring finan­ziert eine Bank die For­de­run­gen der Lie­fe­ran­ten auf Basis der bes­se­ren Boni­tät des Käu­fers vor.

An die Stel­le von Mas­ter­card und dem Sili­con Val­ley tra­ten deut­sche Ban­ken. 2020 stieg die Deut­sche Bank als stra­te­gi­scher Inves­tor ein, um die Platt­form für ihr eige­nes Ange­bot in der Lie­fe­ran­ten­fi­nan­zie­rung zu nut­zen. Trax­pay bezif­fer­te das abge­wi­ckel­te Volu­men damals auf rund eine Mil­li­ar­de Euro jähr­lich, als einer der größ­ten Kun­den galt Ede­ka. 2022 folg­te eine Koope­ra­ti­on mit der DZ Bank. Zum Part­ner­kreis zähl­ten außer­dem Nord/​LB, LBBW und KfW IPEX-Bank. Das erklär­te Ziel war nun,…