Trade Repu­blic fei­ert sei­ne neue MTF-Lizenz als Ant­wort auf das EU-wei­te PFOF-Ver­bot und erreicht eine Bewer­tung von 12,5 Mil­li­ar­den Euro. Doch hin­ter der Erfolgs­kom­mu­ni­ka­ti­on ver­birgt sich ein klas­si­sches Mus­ter: Die tech­ni­sche “Lösung” kaschiert struk­tu­rel­le Geschäfts­mo­dell­pro­ble­me, die zins­ge­trie­be­ne Pro­fi­ta­bi­li­tät ver­deckt ope­ra­ti­ve Abhän­gig­kei­ten, und die feh­len­de Trans­pa­renz über die Post-PFOF-Ära offen­bart ein­mal mehr die PR-Sche­re deut­scher Fin­tech-Cham­pi­ons. Eine Ana­ly­se des­sen, was wirk­lich auf dem Spiel steht.


I. Die Insze­nie­rung der Wendigkeit

Am 23. Janu­ar 2026 erhält eine Toch­ter­ge­sell­schaft von Trade Repu­blic von der BaFin die Erlaub­nis zum Betrieb eines mul­ti­la­te­ra­len Han­dels­sys­tems (MTF). Die Kom­mu­ni­ka­ti­on ist ein­deu­tig: Trade Repu­blic berei­tet sich auf das ab 30. Juni 2026 grei­fen­de EU-Ver­bot von Pay­ment for Order Flow vor und sichert durch eige­ne Han­dels­in­fra­struk­tur sein Geschäfts­mo­dell ab. Par­al­lel dazu wird bekannt, dass das Unter­neh­men in einer Secon­da­ry-Trans­ak­ti­on mit 12,5 Mil­li­ar­den Euro bewer­tet wird – mehr als eine Ver­dopp­lung gegen­über 2022. Das Nar­ra­tiv: ein pro­fi­ta­bles, wach­sen­des Unter­neh­men, das regu­la­to­ri­sche Her­aus­for­de­run­gen pro­ak­tiv meistert.

Was ober­fläch­lich nach unter­neh­me­ri­scher Agi­li­tät aus­sieht, offen­bart bei genaue­rer Betrach­tung ein Mus­ter, das wir aus zahl­rei­chen deut­schen Digi­ta­li­sie­rungs­pro­jek­ten ken­nen: die Ver­wechs­lung von tech­ni­scher Anpas­sung mit stra­te­gi­scher Transformation.

II. PFOF – Das Geschäfts­mo­dell als Rückvergütungsmaschine

Pay­ment for Order Flow war nie ein Rand­aspekt, son­dern das Fun­da­ment des Neo­bro­ker-Modells. Trade Repu­blic lei­te­te Kun­den­or­ders an Han­dels­part­ner wie Lang & Schwarz wei­ter und erhielt dafür Pro­vi­sio­nen – Schät­zun­gen zufol­ge etwa ein Drit­tel der Umsät­ze. Die­se Kon­struk­ti­on ermög­lich­te die “1‑Euro-pro-Trade”-Fassade, wäh­rend im Hin­ter­grund durch Spreads und Rück­ver­gü­tun­gen ver­dient wurde.

Das EU-Ver­bot (seit 28. März 2024 in Kraft, in Deutsch­land mit Über­gangs­frist bis 30. Juni 2026) zielt genau auf die­sen Inter­es­sen­kon­flikt: Bro­ker rou­ten Orders nicht nach bes­tem Preis für Kun­den, son­dern nach höchs­ter Pro­vi­si­on für sich selbst. Stu­di­en der nie­der­län­di­schen AFM und der spa­ni­schen CNMV zeig­ten: PFOF-Kun­den erhiel­ten in 86% der Fäl­le schlech­te­re Prei­se als an alter­na­ti­ven Handelsplätzen.

Die MTF-Lizenz ist Trade Repu­blics Ant­wort: Statt Orders wei­ter­zu­lei­ten, wickelt man sie künf­tig selbst ab. Doch damit beginnt …