S-Broker: Als die Sparkassen einen gemeinsamen Service im Internet anbieten wollten

Von Ralf Keuper

Die Sparkassen tun sich ausgesprochen schwer, das Regionalprinzip in die Welt des Internet zu übertragen. Beispielhaft dafür ist Yomo.

Der erste Versuch der Sparkassen, einen gemeinsamen Service im Internet zu lancieren, war der S-Broker. Der damalige Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse Köln, Gustav Adolf Schröder, der erst jüngst wieder für Schlagzeilen sorgte, bezeichnete die Gründung des S-Brokers als wegweisenden Schritt für die Sparkassenorganisation (Vgl. dazu: „Das Internetzeitalter zwingt alle Sparkassen in ein Boot“).

Positiv bewertet der Chef der zweitgrößten deutschen Sparkasse den eingeschlagenen Weg beim Thema Direktbroker. Der Sparkassenverbund habe hier einen wichtigen Philosophiewechsel vollzogen: “Die Institute, die das Projekt durchführen wollen, werden nicht mehr von den anderen behindert.” Vielmehr könne jetzt jede Sparkasse entscheiden, ob sie sich neben ihrem eigenen Internetangebot auch an dem zusätzlichen bundesweiten Sparkassen-Direktbroker beteiligen will. 

Die Mehrzahl der Sparkassen zog es dann doch vor, von dem Service des S-Brokers keinen Gebrauch zu machen. Der S-Broker konnte die Erwartungen daher nicht erfüllen. Im Jahr 2016 schlüpfte der S-Broker unter das Dach der Deka (Vgl. dazu: Dekabank übernimmt „S Broker“ komplett). Zu dem Zeitpunkt zählte der Online-Broker 130.000 Kunden. Das verwaltete Depotvolumen belieft sich auf rund 6 Mrd. Euro. Damit lag der S-Broker bestenfalls im Mittelfeld. In den darauffolgenden Jahren verschlechterte sich die Situation (Vgl. dazu: Sparkassen: Der S Broker wird zum Krisenfall).

Für den Chef der Stadtsparkasse Köln war damals klar, dass “Institute im Internetzeitalter gezwungen seien für eine bestimmte Kundengruppe gemeinsam Produkte bereitzustellen”.

Gegen die Direktbanken und andere Online-Broker konnte sich das Angebot der Sparkassengruppe, das von den Sparkassen kaum unterstützt wurde, nicht durchsetzen. Die Schlagkraft war zu gering.

Heute, im Zeitalter der Plattformökonomie, hat sich die Marktlage insofern verändert, als dass gemeinsame Angebote der Sparkassen ihr Ziel aufgrund fehlender Netzwerkeffekte nicht mehr erreichen.

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