Data sharing in credit markets: Does comprehensiveness matter?

International institutions such as the World Bank have shown that data sharing on borrowers contributes to improving the risk profile of borrowers and increasing access for more customers to credit markets. Several relevant academic articles underline these results. Thus, the existence of data sharing between lenders is commonly acknowledged as one of the core ingredients of successful credit markets.

The originality of the present study is to analyse whether sharing more comprehensive data improves the functioning of credit markets in European countries. Assuming that mechanisms to share data do exist, does a higher comprehensiveness in the data collected matter for credit markets? The study answers this by firstly analysing whether higher comprehensiveness in the data collected by credit reference agencies (CRAs) in the EU-28 can impact credit markets, and secondly, by analysing to what extent the sharing of non-traditional data, that is, data not directly related to credit activities, can contribute to well-functioning credit markets

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Warum ist Parmesan so teuer? Don Nelson Müller in Italiens Käsebanken

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Aktienanalysten als verlässliche Kontraindikatoren

Von Ralf Keuper

Die Treffgenauigkeit der Prognosen von Aktienanalysten bewegt sich in einem Bereich, der die Frage aufkommen lässt, ob es bei Anlageentscheidungen nicht besser wäre, der Kraft der Tarot-Karten oder dem Münzwurf zu vertrauen. Zweifel an der Zunft kommen immer wieder auf, wie im Jahr 2002 (Vgl. dazu: Die Zunft der Blindgänger). Es stellt sich die Frage nach der Performance derjenigen, welche – ungefragt – Bewertungen über die Performance von Aktiengesellschaft abgeben. Die Lernkurve scheint seit 2002 nicht angestiegen zu sein; eher drängt sich der Eindruck auf, dass Analysten ihren Status als verlässliche Kontraindikatoren gefestigt haben (Vgl. dazu: Expertenurteile als Kontraindikator. So irren sich Analysten seit Jahren bei der Deutschen Bank). Gleiches gilt übrigens für die Wirtschaftspresse (Vgl. dazu: Wirtschaftspresse als verlässliche Kontraindikation). Im Jahr 2009 kam eine Untersuchung von Bloomberg zu dem Ergebnis, dass es für Anleger das beste sei, Analystenempfehlungen als Kontraindikation zu bewerten. Der größte Gewinn an der Börse winke dann, wenn man das genaue Gegenteil von dem mache, was die Analysten empfehlen (Vgl. dazu: Aktienanalyse: Wissen, wie die Kurse weiterlaufen).

Man kann es auch mit Warren Buffett und Charlie Munger halten:

Nun ist Spekulation – bei der das Hauptaugenmerk nicht darauf liegt, was ein Vermögenswert erwirtschaftet, sondern was der Nächste dafür bezahlen wird – weder illegal noch unmoralisch, noch unamerikanisch. Aber es ist ein Spiel, bei dem Charlie und ich nicht mitspielen möchten. Wir bringen nichts zur Feier mit, warum sollten wir also erwarten, etwas mit nach Hause zu nehmen (in: Das Buch für Investoren).

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Payments ohne wesentliche Beteiligung der Banken

Von Ralf Keuper

Der Markt für die Zahlungsabwicklung befindet sich im Umbruch. Aktuelles Beispiel ist die Übernahme von Ingenico durch Worldline (Vgl. dazu: Mit 7,8 Milliarden zum europäischen Marktführer für Payment). Vor gut einem Jahr übernahm Fiserv seinen Mitbewerber First Data für 22 Mrd. Dollar – der bislang größte Fintech-Deal (Vgl. dazu: Größte Fintech-Übernahme aller Zeiten – Fiserv kauft First Data).

Das Payments-Geschäft läuft auf Hochtouren – ein Ende ist nicht abzusehen. Davon werden die Banken jedoch nur im geringen Umfang profitieren, so die Studie Two ways to win in payment. Verantwortlich dafür ist u.a. die Verbreitung von Instant Payments, Invisible Payments und Free Payments (Vgl. dazu: The Payments Business Is Booming, But Banks Will Get A Smaller Piece Of The Pie). Ein weiteres Problem aus Sicht der Banken sind In-App-Zahlungen (Invisible Payments). Wenn die Zahlungen in Echtzeit abgewickelt werden, dann besteht zudem kaum noch die Möglichkeit, mit dem Settlement Geld zu verdienen.

Auf der anderen Seite drängen Anbieter wie Ripple verstärkt in den Markt (Vgl. dazu: Der Ripple-Effekt im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr).

Die eingangs erwähnte Studie empfiehlt den Banken den Einsatz neuer Technologien und von Mehrwertdiensten, um relevant zu bleiben – also das Übliche …

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Belgische Banken kooperieren bei der Identifizierung von Unternehmenskunden per Blockchain

Von Ralf Keuper

Die Identifizierung von Unternehmenskunden und der zu ihrer Vertretung berechtigen Personen stellt die Banken vor große organisatorische Herausforderungen (Vgl. dazu: Verbreitung des Legal Entity Identifier (LEI) könnte den Banken zu Kosteneinsparungen in Milliardenhöhe verhelfen). Diesen Missstand wollen nun die großen belgischen Banken mit der Einführung einer gemeinsamen blockchain-basierten Lösung abstellen (Vgl. dazu: Belgium’s main banks will start sharing personal data using blockchain). Die vier Banken verwenden dabei Kube. Sobald die KYC-Daten der vertretungsberechtigten Personen und der wichtigsten Anteilseigner/Rechtsträger eines Unternehmens von einer Bank eingegeben wurden, stehen sie allen weiteren Banken zur Verfügung. Ebenso erhalten alle Banken regelmäßige Updates. Weitere Banken planen, dem Konsortium beizutreten.

Gemeinsam von Banken betriebene KYC-Lösungen bzw. Open Banking -Plattformen stossen bislang an ihre Grenzen (Vgl. dazu: Open Banking Plattform Germany – Wunsch und Wirklichkeit). Eine Lösung für die eindeutige Identifizierung von Unternehmen und Rechtsträgern ist die Verwendung eines einheitlichen Standards und Identifiers – wie des Legal Entity Identifier (LEI). Blockchain-basierte Lösungen oder selbstverwaltete Digitale Identitäten von Unternehmen, Rechtsträgern und vertretungsberechtigter Personen könnten ebenfalls ein Weg sein.

Zuerst erschienen auf Identity Economy

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Die Banknote der Zukunft muss Eigenintelligenz aufweisen

Von Ralf Keuper

Die Banknote erweist sich als zählebiger als vielen lieb und geheuer ist. Zwar setzen sich bargeldlose Bezahlverfahren weiter durch – für einen Abgesang auf die Banknote sei es jedoch zu früh; so zumindest die Überzeugung von Prof. Volker Lohweg vom Centrum Industrial IT (CIIT) der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Dort wird seit zehn Jahren intensiv zu den Möglichkeiten geforscht, um die Banknote intelligenter zu machen (Vgl. dazu: Die Abschaffung von Bargeld ist eine Illusion). Bereits 2018 stellten die Forscher auf der Optical Document Security Conference in San Francisco die intelligente Banknote vor (Vgl. dazu: inIT stellt erstmals intelligente Banknote in San Francisco vor).

Intelligente Banknoten sind in der Lage, Daten zu speichern, ohne die Anonymität der Nutzerinnen und Nutzer zu verletzten, weil sie mit chemischen Speichern ausgerüstet sind. Es handelt sich dabei um einen ganzheitlichen Ansatz für moderne Banknoten der Zukunft, die mit ihrer Umwelt agieren, indem sie als Produkt Informationen an verschiedenen Stellen selbst bekannt geben, sei es am Bankautomat oder Verkaufspunkt. Die Banknote wird quasi mit einem Gedächtnis ausgestattet, in dem gespeichert ist, wo sie das erste Mal ausgegeben wurde oder in welcher Kasse sie sich zuletzt aufgehalten hat. Die Banknoten werden fälschungssicherer, ohne die Privatsphäre der Nutzer zu verletzen.

Ob das ausreicht, um die Banknote vor dem Aussterben zu retten, wird die Zeit zeigen.

Weitere Informationen:

SmartBN

Einmalig: Lemgoer wollen Geldscheine mit Speicherfunktion entwickeln

Intelligent Banknotes in the context of Industry 4.0

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Verbreitung des Legal Entity Identifier (LEI) könnte den Banken zu Kosteneinsparungen in Milliardenhöhe verhelfen

Von Ralf Keuper

Die sichere Identifizierung von Firmenkunden in den Banken ist derzeit noch von einem Wildwuchs an Verfahren geprägt. Nicht selten müssen die Banken beim Onboarding eines Unternehmenskunden 4 verschiedene Identifier verwenden, um die Identität zweifelsfrei feststellen zu können. Manche Banken benutzen sogar noch mehr (Vgl. dazu: Auf der Suche nach dem Standard-Identifier für Unternehmen: Der Global LEI Index). Es liegt auf der Hand, dass der Einsatz eines anerkannten globalen Standards für die Identifizierung von Unternehmen bzw. juristischer Personen, wie des Legal Entity Identifier (LEI), zu einer deutlichen Kostensenkung bei den Banken führen würde. Eine Schätzung von McKinsey beziffert die Einsparungen auf 2-4 Mrd. Dollar pro Jahr (Vgl. dazu: Broad Adoption of Legal Entity Identifiers Could Save the Banking Industry $2-4 Billion).

Die Vorteile des LEI für Banken:

  • three to seven fewer days to revenue,
  • improved client retention,
  • delivery of better customer experience,
  • and mitigated compliance and credit risk.

Etwas genauer:

  1. Manual linking of entity data from disparate internal and external sources – right now, banks expend large amounts of resources on manually matching data or double checking matches in third-party data provider records to ensure that the data is accurate. This is currently a significant pain point.
  2. Difficulty in assessing entities’ legal ownership structure – banks spend a significant amount of time trying to understand a company’s legal and hierarchical structure. The question of ‘who owns whom’ helps to mitigate risk.
  3. Limited transparency into entities’ key officers – such as authorised signatories, who are also needed for transparency and risk mitigation.
  4. Poor customer experience – due to having to make multiple round trips to gather client data and documents required for onboarding and KYC, reporting and other verification processes

Die Organisation für die Verbreitung des LEI, GLEIF, arbeitet zusammen mit den Banken an einem vereinfachten Verfahren für die Anwendung des LEI. Daneben gibt es Überlegungen, Unternehmen und juristische Personen/Rechtsträger mit selbstverwalteten Digitalen Identitäten auszustatten (Vgl. dazu: Digitale Identifizierung von Unternehmen und in Supply Chains. Aktuelle Marktentwicklung und Ausblick).

Zuerst erschienen auf Identity Economy

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Jedes Unternehmen wird zu einem Fintech …

Von Ralf Keuper

Ein auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftiger Gedanke: Jedes Unternemen wird in Zukunft, so zumindest Angela Strange in Every Company Will Be a Fintech Company, zu einem Fintech.

Das weniger aus Liebe zum Gegenstand, sondern eher, um die Kunden durch die Bereitstellung von Finanzservices weiter an sich zu binden. Beispielhaft dafür sind Uber, Lyft und Mindbody. Mit dem Beginn der “Amazon Web Services” – Ära sei es kein Problem mehr, Finanzdienstleistungen anzubieten oder aber in das eigene Unternehmen als weiteren Service einzubinden – Banking infrastructure as a Service.

So neu ist der Ansatz nicht: Die Autohersteller sind mit ihren Autobanken schon längst auch als Finanzierer tätig; ebenso wie viele Maschinenbauer und Versandhäuser. Interessant wird es, wenn das Internet der Dinge bzw. das Industrielle Internet der Dinge sich durchsetzen und damit IoT- und M2M-Payments im großen Stil möglich werden. Sofern jedes Geräte seine eigene Wallet bekommt und für Services zahlt und bezahlt wird, schlüpfen die Hersteller und Betreiber automatisch in die Fintech-Rolle. Dann stellt sich die Frage nach Kooperationen mit Fintech-Startups oder mit IoT und IIoT-Startups (Vgl. dazu: IoT-Startups werden Fintech-Startups im Banking den Rang ablaufen). Andererseits können die Unternehmen die Services zukaufen und an ihre Systeme anbinden. Daraus jedoch zu folgern, dass jedes Unternehmen nun zu einem Fintech wird, ist übereilt. Finanzdienstleistungen können für produzierende Unternehmen und für Dienstleistungsunternehmen nur eine unterstützende Funktion ausüben. Sie sind ein Teil, aber nicht das Ganze.

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Der Blockchain-Faktor. Wie die Blockchain unsere Gesellschaft verändern wird

Von Ralf Keuper

Das Potenzial der Blockchain-Technologie in all ihren Facetten darzustellen, ohne dabei den Boden der Realität zu verlassen, ist ein gewagtes Unterfangen, das, wie die Vergangenheit allzu oft gezeigt hat, selten gelingt. Wenn die Thematik allerdings von mehreren fachlich versierten Betrachtern unabhängig voneinander beleuchtet wird, dann steigt die Erfolgsaussicht. So auch in dem Buch Der Blockchain-Faktor. Wie die Blockchain unsere Gesellschaft verändern wird, herausgegeben von Philipp Sandner, Andranik Tumasjan und Isabell Welpe.

Zuallererst stellt sich die grundsätzliche Frage, ob eine Technologie alleine ausreicht, um die Gesellschaft zu verändern. Die Geschichte liefert zahlreiche Beispiele für Erfindungen, die ihrer Zeit zu weit voraus waren. Am besten stehen die Chancen dann, wenn eine Technologie eine Antwort auf gesellschaftliche Umbrüche ist. Was das betrifft, so Horst Treiblmaier in seinem Beitrag Die Auswirkungen der Blockchain auf Wirtschaft, Gesellschaft und Arbeitswelt, bringt die Blockchain-Technologie alle wesentliche Erfolgsmerkmale mit sich, da sie das Internet um einen wesentlichen Faktor ergänzt – vom Transfer von Daten (Internet of Information) hin zum Transfer von Werten (Internet of Value). Anders als Informationen dürfen Werte nicht kopierbar und beliebig reproduzierbar sein. Ein Weg, die Nicht-Reproduzierbarkeit der Werte auf der Blockchain zu sichern, besteht in sog. Tokens. Nur wenn die Rechtssicherheit bei der Übertragung von Werten auf der Blockchain gegeben ist, ergibt das Internet der Werte einen Sinn. Die Übertragung der analogen in die digitale Welt kann nach Ansicht von Thomas Dünser in Das liechtensteinische Blockchain-Gesetz: Rechtliche Grundlagen für die Token-Ökonomie nur über die Rechte gelingen. Folglich muss es möglich sein, das Eigentum an einem Auto unter Verwendung eines Tokens übergehen zu lassen, der dieses Recht repräsentiert.

Maschinenökonomie

Wenn Tokens dafür sorgen, dass Rechte an materiellen und immateriellen Vermögenswerten verifiziert werden können, dann lässt sich dieses Prinzip auf nahezu alle Bereiche der Wirtschaft anwenden. Am vielversprechendsten ist die sog. Maschinenökonomie. Maschinen, deren Rechte und Identitäten eindeutig belegbar sind, sind in der Lage, selbständig Aufträge auszuführen und zu initiieren. So kann eine Maschine ein andere für deren Leistung bezahlen (M2M-Payments). Sebastian Gajek und Kerstin Eichmann bringen in Daten sind das neue Gold – Wenn IoT auf Blockchain trifft dazu einige Beispiele. Die derzeitigen Zahlungssysteme sind für die Ausführung von Mircopayments im Cent-Bereich nicht geeignet. Die nötige offene Payment-Infrastruktur könnte aus einer Zusammenarbeit von Großunternehmen und Fintech-Startups entstehen. Maschinen könnten ein eigenes Bankkonto bzw. eine eigene Wallet bekommen. Die Kreditwürdigkeit der Maschine würde u.a. anhand der Bilanz bewertet. Jedes Gerät erhält eine eindeutige Identität. Smart Contracts übernehmen die Transaktionsabwicklung.

Dezentralisierung des Finanzsektors

Die Banken setzen bei der Zahlungsabwicklung Standards ein, die, wie SWIFT und SEPA, den Anforderungen an Überweisungen in Echtzeit nicht gerecht werden. Überdies handelt es sich um proprietäre Standards, die von Banken für andere Banken entwickelt wurden, so Peter Grosskopf in Wie Blockchain und Zentralisierung den Finanzsektor verändern werden. Durch den Einsatz von Blockchain-Wallets könnten Echtzeitzahlungen über Ländergrenzen und Kontinente hinweg Realität werden. Schon heute können Protokolle wie Ripple bis zu 1.500 Transaktionen pro Sekunde verarbeiten. Auch in einer dezentralen Welt bleibt der Bedarf an Verwahrungsstellen digitaler Werte bestehen. Dezentralsierung bedeutet nicht P2P; sie ist durchaus mit der Entstehung von Hubs vereinbar. Banken könnten solche Hubs sein, z.B. für die Bereitstellung von Hardware Wallets und Security Devices.

Kryptowährungen

Der Hype um Bitcoin hat sich zwar nicht ganz erledigt, jedoch nähern sich die Erwartungen zunehmend den Erfahrungen der Finanzwelt an, so der Tenor des Beitrags Quo Vadis, Bitcoin? – Kryptowährungen auf Sinnsuche von Felix Holtermann. Das derzeit wahrscheinlichste Szenario sei, dass Bitcoin die Rolle einer Reservefunktion, eines sicheren Hafens für das Finanzsystem übernimmt. Denkbar sei, dass Bitcoin eine ähnliche Funktion ausübt wie seinerzeit das Kaurigeld, das aus den Gehäusen der Kaurischnecken hergestellt wurde. Kaurigeld war leicht zu transportieren und zu horten, die Zahl der Schneckenhäuser war begrenzt; sie konnten auch nicht nachgemacht bzw. gefälscht werden. Zwar wird der Run auf Bitcoin mit der Zeit nachlassen; verschwinden werde Bitcoin jedoch nicht; zumindest nicht so schnell.

Staatliche Digitale Währungen

Momentan wird in Finanzkreisen intensiv darüber diskutiert und spekuliert, ob ein Digitaler Euro schon bald das Licht der Welt erblicken könnte. In Euro on distributed ledgers – Gibt es bald staatliche Währungen auf der Blockchain? spielt Manuel Klein dieses Szenario durch. Eine Central Bank Digital Currency (CDBC) wäre eine Alternative zum Giralgeld der Banken. Liquiditäts- und Gläubigerrisiken wären damit ausgeschlossen. Dennoch bleiben einige Herausforderungen bzw. offene Fragen: Sollen CDBCs zinstragend sein oder einer Art zinslosem Bargeld entsprechen? Soll es Token-/Value-based und von Person zu Person übertragbar sein oder von Bankkonto zu Bankkonto transferiert werden können? Soll es sich dabei um eine 100%ige Deckung handeln, wie beim Vollgeld?

Rechtssystem

Unser derzeitiges Rechtssystem ist noch nicht auf das Internet der Werte vorbereitet. Allerdings, so Richard Brunner in Wie Blockchain unser Rechtssystem verändern wird, bedeutet das nicht, dass es unmöglich ist, die beiden Seiten sinnvoll aufeinander abzustimmen. Zwar erfüllt die Erzeugung privater Schlüssel für Blockchain-Transaktionen nicht die Voraussetzungen für die Bereitstellung digitaler Signaturen, da für ihre Erstellung keine zertifizierte Software verwendet werden muss; jedoch sei es sehr wahrscheinlich, dass die Blockchain die strengen Anforderungen erfüllen wird. Als erste dürften die Gerichte und Patentämter die Blockchain in mehreren Schritten als geeignete Methode zur Sicherung von Beweismitteln und digitalen Signaturen einsetzen. Im nächsten Schritt können dann die Geschäftsabläufe in der Wirtschaft darüber abgewickelt werden. Bis es so weit ist, wird noch einige Zeit vergehen.

Schlussbetrachtung

Das Buch wird der komplexen Thematik – nach heutigem Stand – auf ganzer Strecke gerecht. Weder wird das Potenzial der Blockchain in Superlative gekleidet, noch wird sie als vorübergehender Hype abgetan. Es zeigt sich, dass noch an vielen Stellen gearbeitet werden muss, damit die Blockchain das Internet der Werte erschaffen und dann Gesellschaft und Wirtschaft verändern kann. Sofern in Zukunft die Wirtschaft und Gesellschaft dezentraler organisiert werden, da die Komplexität ansonsten nicht mehr zu bewältigen ist, wird fast schon zwangsläufig der Bedarf für eine entsprechende unterstützende Technologie entstehen. Bis dahin müssen die verschiedenen gesellschaftliche Teilsysteme einen Anpasssungsprozess durchlaufen, bei dem die wichtigsten Tauschmittel – Geld und Vertrauen – eine Schlüselfunktion und Vorreiterrolle übernehmen werden.

Kurzum, das Buch ist all jenen zu empfehlen, die sich einen möglichst unverstellten Blick auf die Thematik verschaffen und eigene Überlegungen daran anschließen wollen.

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Sammlung Traimer Plakate von Heinz Traimer Übersicht Sparkassenwerbung 1950er 1960er Jahre

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