ING experimentiert mit dem kassiererlosen Supermarkt

Von Ralf Keuper

Die ING testet derzeit zusammen mit der Supermarktkette Albert Heijn und dem Startup AiFi im niederländischen Zaandam den Supermarkt ohne Kassenterminals bzw. ohne Kassiererinnen. Darüber wird u.a. in ING partners Dutch supermarket to trial cashierless store berichtet.

Das Konzept hat große Ähnlichkeit mit Amazon Go, jedoch mit dem Unterschied, dass die Kunden sich nicht extra registrieren oder eine App installieren müssen. Es reicht, sich beim Betreten des Supermarktes mit seiner kontaktlosen Bankkarte auszuweisen. Kameras und Sensoren stellen fest, welche Waren man in den Korb gelegt hat. Wenn der Kauf abgeschlossen, checkt man seine Einkaufsliste und begibt sich zum Ausgang. Dort wird die Liste nochmals auf einem Display angezeigt und der Betrag bis zur Höhe von 25 € und automatisch abgebucht.

Damit bewegen wir uns in Richtung Uberization of Payments mit einer Verschiebung vom Check Out (Payments) zum Check In (Identity).

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KI als Denkmodell für das Banking: Größe und Grenzen

Von Ralf Keuper

Die Verfahren der Künstlichen Intelligenz sollen uns auch im Banking eine neue, bessere Welt bescheren. Das gilt in besonderer Weise für das Kundenerlebnis. Endlich, so die Hoffnung, wird der Kunde mit seinen Bedürfnissen wahr- und ernstgenommen. Was ihm selbst vielleicht nicht immer bewusst war, bringt nun die Künstliche Intelligenz, sei es in Form des Machine Learning oder des Deep Learning, zum Vorschein. In den Banken selber werden auf einmal Chancen- und Gefahrenpotenziale sichtbar, die bislang unter den zerklüfteten IT-Landschaften begraben waren.

Diese Haltung ist Ausdruck eines, wie der Philosoph Markus Gabriel es nennt, statistischen oder korrelativen Denkmodells bzw. Weltbildes.

Dahinter verbirgt sich die Überzeugung, dass bei den riesigen Datenmengen, die heute für Analysezwecke zur Verfügung stehen, die Korrelation – und nicht die Kausalität – das Maß der Dinge ist, bzw. die Korrelation ist so gut, dass man das Kausalitätsprinzip vernachlässigen kann. Prominenter Vertreter dieser Richtung ist Chris Anderson, der vor einigen Jahren von dem Ende der Theorie sprach (Vgl. dazu: Im Datenrausch). Hypothesen zu formulieren, die es dann in Tests und Experimenten zu beweisen oder falsifizieren gilt, ist unnötig. Daten lügen nicht.

Gabriel warnt davor, die Repräsentation mit dem Original zu verwechseln, d.h. eine Karte des Schwarzwaldes, so genau sie auch sein mag, ist nicht der Schwarzwald – sie ist und bleibt ein Abbild, das verschiedene Interpretationen zulässt.

KI, so Gabriel weiter, idealisiert ein Denkmodell aus Datenmengen. Es werden Denkmodelle auf Datensätze angewandt – aber keine Denkvollzüge. Die Menschen aber wollen und können nicht unter idealisierten Bedingungen funktionieren. Die Menschen benutzen das Denken i.d.R. dafür, ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Das Vermögen des Menschen im Gegensatz zum maschinellen Denken, besteht darin, ein Leben im Licht einer Vorstellung davon zu führen, wer oder was für ein Mensch man ist oder sein will. Die Geisteswissenschaften beschäftigen sich mit der geschichtlichen Entfaltung des menschlichen Selbstverständnisses. Als weitere Dimension bringen sie die geistige Selbstbestimmung des Menschen mit ins Bild. Das, so Gabriel, sei etwas, womit Deutschland und Europa sich gegenüber den USA und China im Bereich KI abheben können: Eine mit der menschlichen Lebensform vereinbare Form der KI, um so die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern.

Wie könnte nun das Banking Gebrauch von der KI in der von Gabriel geforderten Ausprägung machen? Wie lassen sich die Verfahren der KI im Banking zum Wohle der Kunden einsetzen, d.h. welchen Beitrag kann die KI zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen leisten? Ist es das Ziel, die Menschen als Konsumenten mit immer neuen Angeboten und Finanzierungsmodellen zu beglücken, die ihn in eine Abhängigkeit treiben, oder aber liegt die Aufgabe des Banking auch darin, Sinn zu stiften und die Umwelt zu schonen? Sind Spekulationen in Rohstoffe mittels KI oder Rüstungsfinanzierungen dazu geeignet, die Lebensbedingungen der Kunden zu verbessern? Aufgabe der KI – nicht nur im Banking – sollte es sein, den Kunden souveräner zu machen – das gilt in Zukunft vor allem im Umgang mit den eigenen Daten und digitalen Identitäten. Algorithmen sind nicht vom Himmel gefallen, sie können Diskriminierungen und Ungleichheiten noch verstärken. Wie steht es also um die Digitale Ethik? Die Gefahr besteht weiterhin darin, dass die datenbasierten Geldströme in bestehende und nicht in neue Geschäftsmodelle fließen, schon allein deshalb, da für die neuen zu wenig “belastbare” Daten vorliegen.

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Der rote Riese zockt ab | Doku

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Stripe bietet jetzt auch Kredite an

Von Ralf Keuper

Es gibt nur wenige Fintech-Startups, denen ich zutraue, langfristig eine echte Alternative zu den Banken zu sein – wie Stripe. Wie in Stripe, the world’s most valuable private fintech company, is getting into lending zu erfahren ist, will Stripe mit Stripe Capital kleinen und mittleren Unternehmen Kredite zur Verfügung stellen. Damit tritt Stripe in Konkurrenz zu Square und Adyen, aber auch zu Paypal , Amazon und Uber. Im asiatischen Raum wären hier Ant Financials, der Finanzarm von Alibaba, Tencent und Baidu zu nennen (Vgl. dazu: How Outsiders Are Changing the Business of Lending).

Opfer dieser Entwicklung könnten neben den Banken auch der in den USA weit verbreitete Fico-Score sein. Unternehmen wie Stripe, Amazon, Paypal und Ayden haben Zugriff auf einen Datenbestand, der ein Scoring, wie es von Fico und den Banken angeboten wird, weitgehend überflüssig macht.

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U.S. Banks Are Terrified of Chinese Payment Apps

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Nutzerzentrierung und Agilität bei der HUK24 durch flexibles Design

Von Ralf Keuper

Banken und Versicherer müssen, so das Mantra, agiler und nutzerorientierter werden, wenn sie in Zukunft gegen die Fintech-und Insurtechs, aber vor allem gegen Amazon & Co. bestehen wollen. Bei der HUK hat man mit HUK24 den Versuch gestartet, den Spagat zwischen Einfachheit und Sicherheit hin zu bekommen. In einen Interview geben der Marketing-Vorstand Dr. Stuhldreier von der HUK und der Director Strategy bei Edenspiekermann, Wiesemann, einen Einblick in ihre gemeinsame Arbeit.

Die HUK, so Dr. Stuhldreier in dem Interview, begreift sich als digitalen Versicherungsassistenten. Ziel sei die datenbasierte Customer Journey, d.h. die Eingabefelder werden so intelligent wie möglich vorbelegt, die Website passt sich automatisch den Bedürfnissen der Nutzer an. Das nutzerzentrierte Design kommt durch ein neues visuelles Konzept zum Ausdruck, wie über die Typografie, Icons und Bildsprache. Die HUK selber musste vom Denken und Handeln in fest definierte Projektpläne mit fixen Meilensteinen Abschied nehmen und sich stattdessen daran gewöhnen, dass MVPs mit Perfektion nur relativ wenig zu tun haben und zahlreiche Iterationen nötig sind, um zu einem befriedigenden Ergebnis, sowohl für die Nutzer als auch für das Unternehmen zu kommen. Diese Aussage dürfte sich fast nahtlos auf die Bankenbranche übertragen lassen.

Wer sich noch mehr für die Besonderheiten des (deutschen) Designs im Zeitalter der Digitalisierung interessiert, sei auf das Interview A Different Way of Thinking verwiesen.

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Vortrag: Digitale Identitäten und Payments (Glory Innovation Forum 2019)

Von Ralf Keuper

Gestern hatte ich Gelegenheit, auf dem Glory Innovation Forum 2019 in Bonn zum Thema Digitale Identitäten und Payments zu sprechen.

Digitale-Idenitäten-und-Payments-komprimiert

Aus dem Publikum, konkret von Rudolf Linsenbarth, kam die Frage, ob es nicht sinnvoll wäre, die ID des Kühlschranks an die ID seines Besitzer zu koppeln, quasi als Derivat. Damit hätte der Nutzer die Kontrolle über die ihm zugeordneten Geräte. Möglicherweise könnte das mit selbstverwalteten Identitäten gehen. Bislang ist das gängige Vorgehen so, dass die Geräte von den Herstellern mit einem Zertifikat versehen werden, das als sichere digitale Identitäten fungiert.

Ein weiterer Hinweis aus dem Publikum betraf rechtliche Fragen, vor allem mit Blick auf das viel zitierte Sozialkreditsystem in China. Besteht nicht die Gefahr, dass wir mit Digitalen Identitäten zu viel Informationen offenlegen, die für die jeweilige Transaktion überhaupt benötigt wird – es also quasi zu einer Hyper-Identifikation kommt. Müssen wir uns überhaupt immer in irgendeiner Form ausweisen? Was heute mit Bargeld noch möglich ist, sollte künftig auch digital möglich sein, nämlich Transaktionen anonym abzuwickeln. Also quasi die Geldkarte – nur noch digitaler. Der letzte Gedanke stammt übrigens ebenfalls von Rudolf Linsenbarth.

Fest steht für mich, dass Digitale Identitäten im Bereich Payments an Einfluss gewinnen und das Bargeld weiter zurückdrängen werden. Mit der Verbreitung von IoT- und M2M-Payments wird sich dieser Trend noch deutlich verstärken.

Wichtig ist jedoch, dass wir nicht vergessen, dass es keinen Technikdeterminismus gibt. Nicht alles, was digitalisiert werden kann, muss auch digitalisiert werden. Jedenfalls solange nicht, bis heute erreichte Standards, wie eben das Recht auf Privatheit, nicht unterminiert werden. Dass dieser Punkt in anderen Teilen der Welt anders gehandhabt wird, heisst nicht, dass dem in jedem Fall Folge zu leisten ist. In Europa brauchen wird dringend Standards und Verfahren, wie Bluecode, die ein Gegengewicht zu den anderen Bezahlverfahren bilden können. Gleiches gilt für den Bereich Digitale Identitäten, sowohl für Personen wie auch für Maschinen und Unternehmen. Sollte sich im B2B-Sektor wiederholen, was im B2C-Bereich eingetreten ist, dann haben die deutsche und europäische Wirtschaft ein echtes Problem.

Das Bargeld wird nicht völlig verschwinden; jedenfalls nicht so bald.

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Der klassische Bankkaufmann: Ein Auslaufmodell #2

Von Ralf Keuper

Die Anzeichen verdichten sich, dass der Beruf des Bankkaufmanns, der Bankkauffrau ein Auslaufmodell ist. Aktueller Beleg dafür ist die Überprüfung des bayerischen Kultusministeriums, wieviele Berufsschulstandorte überhaupt noch benötigt werden (Vgl. dazu: Banken sind mit ihren Azubis in der Bringschuld). Die z.T. drastisch gesunkene Zahl an Auszubildenden im Bankgewerbe, in Bayern ist die Zahl innerhalb der letzten vier Jahre um ein Drittel zurückgegangen, legt es nahe, die Zahl der Berufsschulstandorte, wie in Bayerisch Schwaben, deutlich zu reduzieren.

Eine Entwicklung, wie sie im Bergbau bereits vor Jahrzehnten eingesetzt hat.

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How a 180-year-old bank keeps innovating | Jacques Celliers | TEDxJohannesburg

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Bau dir deine Bank – mit dem Ethereum Digital Finance Stack

Von Ralf Keuper

Mit dem Digital Financial Stack von Ethereum soll es möglich sein, eine Art übergeordneter Struktur für die Finanzmärkte zu schaffen, wie in Ethereum: The Digital Finance Stack zu erfahren ist. Vier Schichten verleihen dem Stack die nötige Stabilität und Responsivität, um die Schwankungen an den Märkten und des Verhaltens der Marktteilnehmer aufzufangen und zu kanalisieren.

Quelle: Ethereum: The Digital Finance Stack

Die ersten Apps sind bereits entwickelt:

  • MakerDAO: Digitally-native stablecoin, Dai
  • Compound: Digitally-native autonomous asset lending and borrowing
  • Kyber Network: On-chain liquidity protocolthat aggregates liquidity from various parts of Ethereum
  • Uniswap: Digitally-native autonomous asset exchange
  • Augur: Digitally-native prediction market
  • DYDX: Algorithmically-managed derivative market
  • UMA (Universal Market Access) Protocol: Synthetic asset platform
  • 0x (‘Zero-X’): A platform for providing orders to order-book based exchanges

Wir werden sehen.

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