Open Data Banking

Von Ralf Keuper
Dass Open Data, d.h. die Verfügbar- und Nutzbarkeit zumeist öffentlicher Daten, von großer Bedeutung für die Wirtschaft und Gesellschaft ist, darüber herrschen kaum noch Zweifel, wie einige Beiträge der letzten Zeit verdeutlichen:
Im Banking ist dieser Trend, jedenfalls so weit ich sehen kann, noch nicht angekommen. Das liegt sicherlich auch daran, dass das Angebot an Open Data nur langsam voran kommt. Über die Möglichkeiten, die sich für Unternehmen durch die Nutzung von Open Data auftun, berichtete vor wenigen Monaten Joe McKendrick in Open data and the API economy: when it makes sense to give away data.
Für die Banken ist das Thema eigentlich nicht neu. Die Deutsche Bank etwa bot seit 1985 den mittelständischen Firmenkunden “db-data” an. Hans E. Büschgen schreibt dazu:

Ausgangspunkt der Konzipierung von db-data war die Beobachtung, dass sich das weltweit vorhandene Angebot an Informationen über Märkte und Technologien und andere unternehmensrelevante Daten mit konventionellen Mitteln kaum mehr überblicken, geschweige denn zuverlässig auswerten lässt. Das über db-data durch die Bank verfügbar gemachte Informationsangebot umfasst computergestützte Datenbankrecherchen für die Bereich Technik, Wirtschaft und Wissenschaft. Dabei können weltweit in über 500 verschiedenen, themenspezifisch angelegten und gewarteten Datenbanken Informationen gesammelt und zu einem übersichtlichen Bericht zusammengefasst werden. Aktuelle Informationen – von Alternativen zur Katalysatortechnik über Marktchancen von elektronisch gesteuerten Holzverarbeitungsmachinen in den USA bis zum Export rezeptfreier Arzneien in bestimmte Länder – lassen sich jederzeit und problemlos zusammenstellen (in: Bankmarketing)

In ihrem Buch Bankspezifische Aspekte umweltorientierter Unternehmensführung nannte Karin Bergmann einige Beispiele von Umweltdatenbanken einiger Banken, darunter GENO-STAR (WGZ), DREFIN (Dresdner Bank), db-data (Deutsche Bank) und Dasti (WestLB).  Das Zusammenwirken von Finanzprodukten mit Beratung könne als “Consulting Banking” beschrieben werden, ein lohnendes Geschäftsfeld für die Zukunft. Das klassische Banking alleine werde künftig nicht mehr ausreichen, um als Bank noch profitabel arbeiten zu können, so Bergmann im Jahr 1995:

Unter Beachtung der expansiven Ausrichtung des “consulting banking” bemerkt Geiger (gemeint der damalige Präsident des Deutschen Sparkassen-und Giroverbandes, Helmut Geiger), dass es in Zukunft weniger die Konditionen, sondern hauptsächlich die Fähigkeit der Institute, ihre hilfesuchenden Kunden umfassend und individuell zu beraten, an Bedeutung gewinnt. “Die Zeiten, in denen bilanzwirksame Kredit- und Einlagengeschäfte die Aktivitäten des Kreditgewerbes umfassend beschreiben, sind vorbei”.

Sicher: heute stehen uns mit dem Internet und “Big Data” andere Möglichkeiten zur Verfügung. Allerdings bekommt man den Eindruck, als hätten die Banken seit den 1990er Jahren ihre Bemühungen auf dem Gebiet Open Data/Umweltinformationen nahezu eingestellt. 
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