Kaum ein Feld der deutschen Finanzberichterstattung ist in den letzten Jahren so konsequent mit einer binären Erzählung belegt worden wie das Verhältnis von Neobrokern und etablierten Banken. Auf der einen Seite die „schwerfälligen Institute alter Schule”, auf der anderen die „kundenzentrierten Demokratisierer” des Aktienhandels – eine Gegenüberstellung, die weniger analytisch ist als strategisch. Sie wird von beiden Seiten bedient: Trade Republic und Scalable Capital brauchen das Bild des trägen Gegners, um ihre eigene Existenzberechtigung als Disruptoren zu plausibilisieren; die etablierten Banken brauchen das Bild des unseriösen Newcomers, um ihre eigene regulatorische Solidität als Qualitätsmerkmal zu verkaufen. Dazwischen hat sich eine mediale Schicht etabliert, die die Frontlinie bewirtschaftet, ohne sie zu prüfen.
Ein nüchterner Blick auf die Marktsituation 2026 zeigt jedoch, dass die Geschäftsmodelle der beiden Lager näher beieinanderliegen, als die Erzählung suggeriert – und dass beide unter denselben strukturellen Zwängen operieren.
Die regulatorische Konvergenz
Der erste Punkt, an dem die Lagerlogik bröckelt, ist die rechtliche Basis. Die Trade Republic Bank GmbH hat Ende 2023 von der EZB die Vollbanklizenz erhalten und unterliegt seither derselben Aufsicht durch BaFin, Bundesbank und EZB wie jede andere deutsche Bank. Die Migration auf eigene IBANs und eine eigenständige Banken-Infrastruktur ist 2026 abgeschlossen. Die Kooperation mit Deutsche Bank, J.P. Morgan und HSBC für die Abwicklung bleibt bestehen. Mit anderen Worten: Der prominenteste Neobroker ist formal und operativ eine Bank – mit denselben Eigenkapitalanforderungen, denselben MaRisk-Vorgaben, derselben Einlagensicherung bis 100.000 Euro, derselben Kapitalertragsteuerlogik.
Das ist keine juristische Petitesse, sondern entzieht dem Narrativ vo…
