Die NordLB mel­det Rekord­zah­len, und Nie­der­sach­sen will sei­nen Anteil auf fast 82 Pro­zent auf­sto­cken. Ein Blick auf WestLB, LBBW, Hela­ba, Bay­ern­LB und HSH Nord­bank zeigt: Kei­ne ein­zi­ge gro­ße Lan­des­bank hat sich als ver­läss­li­ches Vor­bild poli­ti­scher Trä­ger­schaft erwie­sen – im Gegen­teil, das Mus­ter wie­der­holt sich mit bemer­kens­wer­ter Regel­mä­ßig­keit.


Die NordLB hat ihr Vor­steu­er­ergeb­nis im ers­ten Halb­jahr 2026 um 40 Pro­zent auf 370 Mil­lio­nen Euro gestei­gert, die Eigen­ka­pi­tal­ren­di­te klet­ter­te auf 9,0 Pro­zent. Der nie­der­säch­si­sche Finanz­mi­nis­ter und Auf­sichts­rats­chef Gerald Hee­re sprach von einem “umsich­tig geführ­ten und ver­läss­li­chen Insti­tut”, das defi­ni­tiv kein Sanie­rungs­fall mehr sei. Zeit­gleich ver­han­delt Nie­der­sach­sen mit der Spar­kas­sen-Finanz­grup­pe über deren Aus­stieg aus der NordLB und will die frei­wer­den­den knapp 24 Pro­zent selbst über­neh­men. Damit käme das Land auf fast 82 Pro­zent – und damit über die 80-Pro­zent-Schwel­le, ab der es zen­tra­le Beschlüs­se ohne die ver­blei­ben­den Mit­ei­gen­tü­mer durch­set­zen kann.

Die­se Kon­stel­la­ti­on ver­dient mehr Skep­sis, als die aktu­el­le Bericht­erstat­tung nahe­legt. Ein Bun­des­land mit begrenz­tem fis­ka­li­schem Spiel­raum, das sei­ne Betei­li­gung an einer Lan­des­bank aus­ge­rech­net in dem Moment aus­baut, in dem die Bank ope­ra­tiv gut dasteht, wie­der­holt ein Mus­ter, das sich in der deut­schen Lan­des­ban­ken-Land­schaft der ver­gan­ge­nen zwei Jahr­zehn­te fast durch­gän­gig schlecht aus­ge­zahlt hat. Die Bank droht dabei zum Erfül­lungs­ge­hil­fen einer Lan­des­re­gie­rung zu wer­den, deren fis­ka­li­sche Moti­ve – etwa ein schwä­cheln­der Lan­des­haus­halt oder rück­läu­fi­ge Ein­nah­men aus ande­ren Betei­li­gun­gen – mit dem eigen­stän­di­gen Inter­es­se eines Kre­dit­in­sti­tuts nicht not­wen­dig übereinstimmen.

Ein Sün­den­re­gis­ter, kein Einzelfall

Wer nach einem Gegen­bei­spiel sucht – einer Lan­des­bank, die unter domi­nie­ren­der staat­li­cher Trä­ger­schaft dau­er­haft unauf­fäl­lig blieb – wird bei den gro­ßen Insti­tu­ten kaum fündig.

Die WestLB wur­de 2012 nach jah­re­lan­gen Fehl­spe­ku­la­tio­nen und meh­re­ren geschei­ter­ten Sanie­rungs­ver­su­chen voll­stän­dig abge­wi­ckelt – das bis heu­te pro­mi­nen­tes­te Bei­spiel eines Total­schei­terns. Bemer­kens­wert ist dabei die Vor­ge­schich­te: WestLB-Vor­stands­chef Frie­del Neu­ber, von 1981 bis 2001 im Amt, unter­hielt zum nord­rhein-west­fä­li­schen Minis­ter­prä­si­den­ten Johan­nes Rau eine enge, bis in des­sen Land­tags­zeit zurück­rei­chen­de Freund­schaft. Die­se Nähe trug Neu­ber in Tei­len der Öffent­lich­keit den Bei­na­men “roter Pate” ein und stand sinn­bild­lich für eine Bank, die über Jahr­zehn­te auch als ver­län­ger­ter Arm der nord­rhein-west­fä­li­schen Struk­tur- und Indus­trie­po­li­tik fun­gier­te – ein Nahe­ver­hält­nis, das lan­ge vor der eigent­li­chen Kri­se ange­legt war und die spä­te­re Fehl­ent­wick­lung eher begüns­tigt als ver­hin­dert haben dürfte.

Die LBBW muss­te 2009 mit einer mil­li­ar­den­schwe­ren Kapi­tal­sprit­ze von Land Baden-Würt­tem­berg und Spar­kas­sen­ver­band gestützt wer­den, nach­dem sich not­lei­den­de Kre­dit­ver­brie­fun­gen in der Finanz­kri­se als Bilanz­ri­si­ko erwie­sen hatten.

Die Hela­ba hat gleich zwei Kapi­tel vor­zu­wei­sen: In den 1970er-Jah­ren brach­ten spe­ku­la­ti­ve Immo­bi­li­en- und Betei­li­gungs­ge­schäf­te die Bank in eine exis­ten­zi­el­le Schief­la­ge, die Affä­re kos­te­te den dama­li­gen hes­si­schen Minis­ter­prä­si­den­ten sein Amt. Fünf Jahr­zehn­te spä­ter ver­lor die Hela­ba vor dem Bun­des­ge­richts­hof einen Rechts­streit um Cum-Ex-Geschäf­te und muss­te für einen zwei­stel­li­gen Mil­lio­nen­scha­den selbst geradestehen.

Die Bay­ern­LB kauf­te 2007 die Mehr­heit an der öster­rei­chi­schen Hypo Alpe-Adria-Bank zu einem Preis, dem ein Auf­sichts­gre­mi­um zustimm­te, ohne die wesent­li­chen Ver­trags­de­tails zu ken­nen. Bereits zwei Jah­re spä­ter muss­te Öster­reich die Bank ver­staat­li­chen, die Bay­ern­LB blieb auf einem Ver­lust in Mil­li­ar­den­hö­he sitzen.

Die HSH Nord­bank schließ­lich – aus der Fusi­on der Lan­des­ban­ken Ham­burg und Schles­wig-Hol­stein her­vor­ge­gan­gen – geriet durch ihre Spe­zia­li­sie­rung auf Schiffs­fi­nan­zie­rung in eine Schief­la­ge, die mit einer Reka­pi­ta­li­sie­rung, einer zehn Mil­li­ar­den Euro schwe­ren Risi­ko­ab­schir­mung und einer wei­te­ren Liqui­di­täts­ga­ran­tie auf­ge­fan­gen wer­den muss­te – die teu­ers­te Lan­des­ban­ken-Ret­tung der Finanz­kri­se. Am Ende eines rund zehn­jäh­ri­gen Kri­sen­ver­laufs ver­kauf­ten die Trä­ger­län­der die Bank 2018 an ein Kon­sor­ti­um US-ame­ri­ka­ni­scher Finanz­in­ves­to­ren, nach­dem sie die fau­len Schiffs­kre­di­te zuvor in eine eige­ne staat­li­che Abwick­lungs­an­stalt aus­ge­la­gert hatten.

Und die NordLB selbst muss­te 2019 nach Mil­li­ar­den­ver­lus­ten aus genau die­sem Geschäfts­feld – fau­le Schiffs­kre­di­te – mit einer Kapi­tal­sprit­ze von 3,6 Mil­li­ar­den Euro geret­tet wer­den, wobei neben den Alt­ge­sell­schaf­tern auch die bun­des­wei­te Spar­kas­sen-Finanz­grup­pe mit über 750 Mil­lio­nen Euro ein­sprin­gen muss­te. Genau die­se Betei­li­gung soll nun auf­ge­löst wer­den – zuguns­ten einer noch stär­ke­ren Landesmehrheit.

Ein wie­der­keh­ren­des Mus­ter statt sechs Einzelfälle

Sechs Insti­tu­te, sechs unter­schied­li­che Bun­des­län­der, sechs ver­schie­de­ne Jahr­zehn­te und Manage­ment­ge­ne­ra­tio­nen – und doch ein auf­fäl­lig ähn­li­cher Ablauf: Auf­sichts­gre­mi­en, die stär­ker nach poli­ti­scher Zusam­men­set­zung als nach fach­li­cher Eig­nung besetzt sind, Expan­si­ons- oder Spe­zia­li­sie­rungs­ent­schei­dun­gen ohne hin­rei­chen­de Risi­ko­kom­pe­tenz, und am Ende eine Ret­tung durch den Steu­er­zah­ler, gefolgt nach eini­gen Jah­ren der Kon­so­li­die­rung von neu­em Wachs­tums­drang. Die­se Beob­ach­tung ist als struk­tu­rel­le The­se zu ver­ste­hen, die sich an den vor­lie­gen­den Fäl­len bis­lang bestä­tigt, nicht als bewie­se­nes Natur­ge­setz der Rechts­form “Lan­des­bank”.

Vor die­sem Hin­ter­grund wirkt die aktu­el­le NordLB-Erfolgs­mel­dung weni­ger wie der Abschluss einer Lern­kur­ve als wie ein Zwi­schen­stand in einem Zyklus, der sich bei prak­tisch jeder ande­ren Lan­des­bank wie­der­holt hat: gute Jah­re, wach­sen­des poli­ti­sches Inter­es­se an der Betei­li­gung, ein neu­es Geschäfts­feld mit höhe­rem Ertrags- und Risi­ko­pro­fil – und irgend­wann die nächs­te Kri­se. Dass Nie­der­sach­sen aus­ge­rech­net jetzt, in einer wirt­schaft­lich für das Land nicht unbe­dingt kom­for­ta­blen Pha­se, sei­nen Anteil auf eine stra­te­gi­sche Kon­troll­schwel­le auf­sto­cken will, soll­te die­se Par­al­le­le eher ver­stär­ken als zer­streu­en. Nach der Sanie­rung ist, das legt die Lan­des­ban­ken-Geschich­te nahe, nur all­zu oft vor der nächs­ten Sanierung.

Ralf Keu­per


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