Markteintritt von BigTechs in das Bankgeschäft (Sachverständigenrat)

Von Ralf Keuper

In seinem Jahresgutachten 19/20 Den Strukturwandel meistern geht der Sachverständigenrat auf die Herausforderungen im Finanzsektor ein. Ein Unterkapitel beschäftigt sich mit der Rolle von BigTech im Bankgeschäft.

Die Abwicklung des Zahlungsverkehrs spielte in der strategischen Unternehmensausrichtung vieler deutscher Banken lange eine untergeordnete Rolle. Seitdem große Datenmengen aus der Abwicklung von Transaktionen kommerziell besser nutzbar sind, gewinnt der Zahlungsverkehr an Bedeutung. Allerdings haben ausländische BigTechs inzwischen aufgrund erheblich höherer Kundenzahlen und leistungsfähigerer Algorithmen einen komparativen Vorteil in der Verknüpfung und Auswertung von Kundendaten, der mittelfristig den Eintritt der BigTechs in das Bankgeschäft ermöglichen könnte. Dies würde den Anpassungsdruck auf etablierte Finanzdienstleister weiter verstärken und könnte disruptive Veränderungen hervorrufen. Die Gründung eines europäischen mobilen Zahlungssystems (European Mobile Payment Systems Association, EMPSA) und die Planung einer gemeinschaftlichen Zahlungsplattform der deutschen Banken (X-Pay) spiegeln nicht zuletzt die Sorge wider, dass Unternehmen aus den USA oder China europäischen Finanzdienstleistern im Zahlungsverkehr den Rang ablaufen könnten.

Auf der einen Seite wird in hypothetischer Form über den Markteintritt von BigTech in das Bankgeschäft spekuliert, während an anderer Stelle, in einem Kasten bereits Beispiele benannt werden:

Die zunehmende Bedeutung bargeldloser Zahlungsmittel hat den Eintritt großer Technologiefirmen (BigTechs) in den Markt für Zahlungs- und Bankdienstleistungen begünstigt. Dies sind derzeit vor allem US-amerikanische und chinesische BigTechs (zum Beispiel Amazon, Apple, Google, Facebook beziehungsweise Ant Financial/Alipay, Tencent/WeChat Pay).

Einer der weltweit am schnellsten wachsenden Märkte für elektronischen Zahlungsverkehr ist China. Aufgrund starker Netzwerkeffekte und geringer Fragmentierung weist der Markt eine oligopolistische Struktur auf: Alipay und WeChat Pay dominieren mit einem Marktanteil von über 90 % die Abwicklung mobiler Zahlungsgeschäfte (Financial Times, 2018a; Frost et al., 2019). Im Jahr 2017 lag das Volumen der von BigTechs abgewickelten Zahlungsdienstleistungen bei 16 % des chinesischen BIP, während sich der entsprechende Wert in den USA auf lediglich 0,6 % des BIP belief (BIZ, 2019a). Neben dem Zahlungsverkehr bauen chinesische BigTechs ihre Präsenz in anderen Geschäftsfeldern stetig aus: Alipay unterhält über die Muttergesellschaft Ant Financial einen der weltweit größten Geldmarktfonds (FSB, 2019).

BigTech-Unternehmen verfolgen beim Markteintritt in das Bankgeschäft verschiedene Ansätze. Einige etablieren ein eigenes Bankgeschäft, indem sie zunächst den elektronischen Zahlungsverkehr über ihre Technologieplattform ermöglichen und schrittweise zusätzliche Finanzdienstleistungen anbieten. Eine weitere Möglichkeit des Markteintritts für BigTechs ist die Kooperation mit etablierten Finanzinstituten. Aufgrund der regulatorischen Komplexität ist ein schneller Markteintritt in hochentwickelten Finanzsystemen oft nur mithilfe von Unternehmen möglich, die bereits über eine funktionierende regulatorische Infrastruktur und eine entsprechende Lizenz verfügen.

Dieser Beitrag wurde unter Banking, Digitale Plattformen / Plattformökonomie, Wirtschaftsliteratur veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.