J.P. Morgan – Bankier und Industrieförderer (Filmdokumentation)

Von Ralf Keuper
John Pierpont Morgan war der einflussreichste Bankier seiner Zeit. Sein „Erbe“ lebt in der Großbank J.P. Morgan weiter, die laut eines Berichts des amerikanischen Finanzministeriums die gefährlichste Bank des Landes ist, was ihre Bedeutung für die Stabilität der Finanzmärkte betrifft. 

J.P. Morgan war die perfekte Verkörperung eines Investmentbankers alter Schule. Nur mit Spekulationen Geld zu verdienen, war ihm nicht genug. Daneben wollte er auch aktiv an der Gestaltung der (Real-) Wirtschaft mitwirken. Dabei bewies er ein sicheres Gespür für grundlegende Veränderungen und Trends. Neuen Technologien gegenüber war er – für einen Banker – sehr aufgeschlossen. Die wohl wichtigste Begegnung in diesem Bereich war die mit Thomas Alva Edison. Morgan erkannte als einer der wenigen Außenstehenden das Potenzial der Elektrizität und unterstützte Edison finanziell. Um der Elektrizität zum Durchbruch zu verhelfen, ließ Morgan seine Villa von Edison vollständig mit elektrischem Licht ausstatten. Die Vorführung vor der besseren New Yorker Gesellschaft verfehlte ihre Wirkung nicht. 
Edison war ein (im wahrsten Sinne des Wortes) glühender Verfechter des Gleichstroms, während sein kongenialer Mitarbeiter Nikola Tesla den Wechselstrom bevorzugte, den Edison wiederum für zu gefährlich hielt. Nachdem Tesla sich selbständig gemacht und mit George Westinghouse einen mächtigen Fürsprecher und Finanzier gefunden hatte, sahen Morgan und Edison ihre Felle davon schwimmen. Von wirtschaftshistorischer Bedeutung war dabei der Zuschlag Teslas, für die Ausstattung des Kraftwerks an den Niagara Fällen mit Wechselstrom. Damit war der „Stromkrieg“ zwischen Tesla/Westinghouse und Edison/Morgan entschieden – fast. Denn Morgan, für seine rücksichtslosen Geschäftspraktiken bekannt und gefürchtet, setzte Westinghouse juristisch und auch sonst unter Druck. Während der Finanzkrise im Jahr 1907 geriet Westinghouse ins Straucheln und musste die Leitung seiner Firma abgeben. 
Seine Methode, sich an Unternehmen zu beteiligen, um sie zu einem größeren Unternehmen zusammenzuführen, ging als „Morganisieren“ ist die Finanzgeschichte ein. In der FAZ hieß es dazu vor einiger Zeit: 

Seine Art, in Schwierigkeiten geratene Unternehmen zu übernehmen und neu auszurichten, wurde damals als „Morganisierung“ bezeichnet. Morgan war für einige der größten Fusionen verantwortlich, die damals die amerikanische Wirtschaft prägten. So arrangierte er 1892 den Zusammenschluss zweier Unternehmen zum Glühbirnenhersteller General Electric, der als Mischkonzern bis heute besteht. Diese Beziehungen nutzte Morgan auch privat. Sein Haus an der Madison Avenue war das erste elektrisch beleuchtete Privathaus in New York.

Sein Einfluss reichte sogar so weit, dass seine Bank de facto den Status einer Zentralbank für die USA inne hatte. Damals musste eine Bank noch den Staat stützen … 
Mit Blick auf heute zeigt sich am Beispiel J.P. Morgans, wie sehr sich das Bankgeschäft seither gewandelt hat. Das betrifft weniger die Berufsauffassung, als vielmehr die Fähigkeit, gesellschaftliche und technologische Entwicklungen zu antizipieren. Die Elektrizität jener Zeit kann durchaus mit dem Internet verglichen werden. Kaum vorstellbar, dass J.P. Morgan den Stilwandel im Banking, wie er u.a. durch die FinTech-Startups zum Ausdruck kommt, verschlafen hätte. 
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