Geld als Kulturleistung und als politisches Symbol. Theodor Mommsen und die antike Goldwährung

Das Geld darf, wie Mommsen zu Beginn ausführt, neben der Schrift als die bedeutendste menschliche Zivilisationsleistung gelten, geboren aus der Notwendigkeit des wirtschaftlichen Tauschgeschäftes und sich zunächst konkretisierend im Viehgeld, wobei das Rind die Rolle des Großgeldes, das Schaf die Rolle des Kleingeldes übernimmt. An die Stelle des Herdenviehs tritt im Zeichen gesteigerten Warenverkehrs das Metall, von größerer Dauerhaftigkeit und Beständigkeit als jedes Naturalgeld. „Endlich und hauptsächlich ist das Metall unter allen Waren diejenige, die dem idealen Begriff des Wertes mit der mindesten Unvollkommenheit ausdrückt. Denn das Wesen des Wertes ist die Fähigkeit, gleich dem Quecksilber, sich unendlich zu teilen und zu verbinden; und diese Operation verträgt keine andere Ware so grenzenlos wie das Metall.“

In dieser flexiblen Quantifizierung des Metalls, die dann später in Georg Simmels epochemachendem Werk Philosophie des Geldes eine zentrale Rolle spielt, dort freilich anthropologisch begründet wird, kommt gewissermaßen als Steigerung die Qualität des „edlen Metalles, des Goldes und des Silbers hinzu, weil sie müßig gehen, genau genommen in der Wirtschaft überflüssig sind.“. Sie können die Aufgabe, als Zwischenträger und als Vermittler von Waren umso besser übernehmen, als sie im industriellen Fertigungsprozess, anders als etwa Eisen, Kupfer und Zinn, wie Mommsen sagt, keine Rolle spielen, zudem ihr Verbrauch in einem festeren Verhältnis zu der „Gesamtzahl der zivilisierten Menschheit“ steht als die anderen Metalle . Diesem Mangel an ökonomischen Nutzen entspricht auf der anderen Seite ein Mehr an Funktionalität, die für Mommsen im Papier- bzw. Kreditgeld seiner Zeit gipfelt. Dieses Material wird, davon ist Mommsen überzeugt, der ideale und zukunftsträchtige Ausdruck der europäischen Nationalökonomien („die Zettel der großen Gemeinwesen Europas“) sein, der freien Gemeinwesen, die über Quantität und Qualität des Geldes selbständig bestimmen und sich von niemandem Vorschriften machen lassen. Die Koppelung an die Wirtschaftskraft und das Gemeinwohl werden die „Zettel“, wie er das Papiergeld nennt, fester machen, als dies Gold und Silber je erreichen können, die bei aller relativen Festigkeit doch Schwankungen unterworfen sind. Hinter dieser Vision Mommsens wird ein Begriff von Geld greifbar, der dies als Gegenwert zur Summe in einer Nationalökonomie erwirtschafteten Güter und Leistungen begreift, also durchaus modern ist, und sich von der Theorie des Metallismus und der Warentheorie deutlich unterscheidet, die für die antiken Verhältnisse im Allgemeinen als Erklärung herangezogen werden und die auch Mommsen an anderer Stelle zur Erklärung inflationärer Tendenzen in Anspruch nimmt.

Quelle: Geld als Kulturleistung und als politisches Symbol. Theodor Mommsen und die antike Goldwährung

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