Eine kurze Geschichte der Absatzfinanzierung

Von Ralf Keuper

Die Finanzierung als Mittel der Absatzförderung hat ihren Ursprung in den USA. Dort führte im Jahr 1807 das zu dem Zeitpunkt älteste Möbelhaus der Landes, Cowperthwait & Sons, den Ratenkredit mit Zahlungsplan ein. Der entscheidende Schub erfolgte, als der Nähmaschinenproduzent Singer das Teilzahlungssystem einführte (Vgl. dazu: Teilzahlungsgeschäft). Im deutschen Einzelhandel hielt das Teilzahlungsgeschäft mit der Gründung des Hamburger Warenkredithauses Alex Friedländer im Jahr 1840 Einzug.

Für die Verbreitung der Teilzahlung sorgten die Kreditkaufhäuser wie das Kaufhaus Jonaß  und die Versandhäuser. Europas einstmals größtes Versandhaus, Quelle, gründete zu diesem Zweck die Noris Kaufhilfe, aus der später die Noris Kreditbank hervorging. Der eigentliche Pionier in Deutschland war die Kreditanstalt für Verkehrsmittel AG, die im Jahr 1924 das US-amerikanische Modell der Absatzfinanzierung in Deutschland einführte (Vgl. dazu: Teilzahlung im Wandel. Von der Kreditanstalt für Verkehrsmittel AG zur Diskont und Kredit AG). Das Nachfolgeinstitut, die Diskont und Kredit AG, konnte noch seinen 80. Geburtstag feiern, bevor es von der Finanzsparte von General Electric übernommen wurde, die einen Teil einige Jahre später an Crédit Mutuel verkaufte. Seitdem firmiert das Geschäft unter Targo Commercial Finance.

Zu den ersten Unternehmen, die hierzulande gezielt die Absatzfinanzierung eingesetzt haben, gehört der Vorwerk-Konzern, der 1968 die Akf Bank GmbH & Co KG (Allgemeine Kauf Finanz) mit Sitz in Wuppertal gründete. Ebenfalls in Wuppertal residiert die GEFA , die 1949 von der Deutschen Bank aus der Taufe gehoben wurde.

Die größten Profiteure der Absatzfinanzierung sind die Automobilhersteller, allen voran die US-amerikanischen. Im Jahr 1925 nahm die Allgemeine Finanzierungs AG, die Autobank von General Motors, in Rüsselsheim sowie die Autokreditanstalt A. Lehnart & Co. ihren Betrieb auf (Vgl. dazu: Funktion und Formen der Absatzfinanzierung in der Betriebswirtschaft und speziell in der Automobilindustrie). Heute hat fast jeder Automobilhersteller eine eigene Bank (Captive). Die erste Autobank eines Herstellers war die im 1926 gegründete Ford Credit Company. Bereits 1917 erhielt der US-amerikansiche Commercial Investment Trust die Zulassung für die Autofinanzierung. Die Automobilhersteller nutzen ihre Banken heute nicht nur für die Absatzförderung, sondern auch als Refinanzierungsquelle.

Die Autobanken müssen ihr Geschäftsmodell den veränderten Marktbedingungen, die als CASE („Connected“, „Autonom“, “Shared“, „Electric“) zusammen gefasst werden, anpassen (Vgl. dazu: „CASE“ verändert auch das Geschäftsmodell der Autobanken). Frank Stenner sieht die Autobanken unter Zugzwang. Sofern es ihnen nicht gelinge, ihre Alt-Systeme durch agile Lösungen zu ersetzen, müssten die Autobanken damit rechnen, von Fintech-Startups überholt zu werden.

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