Digitaler Kundenzugang: Neue (Finanz-)Intermediäre

Von Ralf Keuper

Wie bereits gestern an dieser Stelle angemerkt, können wir uns derzeit vor Studien zur Digitalen Transformation kaum noch retten. Es fällt zunehmend schwerer aus der Vielzahl diejenigen herauszufiltern, die mehr als nur Allgemeinplätze enthalten und nicht auf veralteten Annahmen basieren. Einer dieser wenigen Fälle ist m.E. die Analyse zur Studie Die Digitale Transformation der Industrie von Roland Berger im Auftrag des BDI. Diese Einschätzung wird auch dadurch nicht getrübt, dass darin Banken nicht vorkommen, was m.E. wiederum einiges über die ansonsten kursierenden Studien zur Digitalen Transformation in den Banken aussagt. Vielleicht aber lässt sich das als weiteres Indiz dafür werten, dass die Digitale Transformation in einem größeren Zusammenhang betrachtet werden muss. 

Wie auch immer. Banken werden in der Fachliteratur häufig als Finanzintermediäre bezeichnet. Seit einiger Zeit können wir eine wachsende Disintermediation im Banking, u.a. durch die zahllosen FinTech-Startups, beobachten. Dieser Prozess scheint noch lange nicht an sein Ende gekommen; eine Folgerung, die sich aufdrängt, liest man allein nur den Abschnitt Digitaler Kundenzugang: Neue Intermediäre durch:

Bislang hatten in vielen Märkten nur wenige Anbieter oder Anbietergruppen unmittelbaren Zugang zum Konsumenten oder Abnehmer. Durch digitale Schnittstellen im Internet (E-Commerce) erhalten jetzt neue Akteure einen direkten und skalierbaren Zugang zum Kunden. Intermediäre stellen Plattformen zur Verfügung, die Anbieter und Nachfrager rasch und bequem zusammenbringen. Diese Intermediäre oder Agenten können nach und nach die Kontrolle über die Kundenschnittstelle gewinnen, so wie dies zum Beispiel Google mit Android für mobile Endgeräte gelungen ist.

Ein derartiges Agentenmodell gewinnt an Bedeutung, da empirisches Wissen über den Kunden und seine Bedürfnisse von enormem Wert ist. E-Commerce-Marktplätze wie Alibaba, Amazon oder eBay haben inzwischen dank ihrer Größenvorteile eine solche Marktmacht aufgebaut, dass viele Anbieter auf ihre Dienste kaum noch verzichten können. Doch nicht nur im Handel kann ein digitaler Kundenzugang enorm wertvoll sein. Auch beispielsweise in der Logistik sind 4PL-Provider (Fourth-Party Logistics) ohne eigene Transportinfrastruktur in der Lage, durch Aggregation verschiedener Angebote den optimalen Frachtführer für den Kunden auszuwählen und dafür eine Provision zu erhalten.

Das Agentenmodell gilt auch für das Banking. Die digitalen Ökosysteme haben nicht nur die Banken im Visier. Mindestens ebenso große Begehrlichkeiten wecken bei ihnen die Automobilindustrie (Connected Cars) ebenso wie der Anlagen- und Maschinenbau (Internet of Things/Industrie 4.0). 
Es wäre mehr als verwunderlich, wenn die Banken als einzige Branche, von dieser Entwicklung unberührt blieben, bzw. ihr Geschäft wie gewohnt weiter betreiben könnten, nur eben digitaler.

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