Die Bank als digitale Plattform – Versuch einer Begriffsklärung

Von Ralf Keuper

Der Begriff der Plattform zählt zu jenen, die für die Bezeichnung verschiedener Sachverhalte verwendet werden. In dem vorliegenden Beitrag orientiere ich mich an der Definition der Online-Plattform. Zwar existiert auch hier keine allgemein gültige Beschreibung, jedoch reichen die vorhandenen Erläuterungen für ein halbwegs sicheres Fundament aus.

Allgemein gesagt handelt es sich bei einer Online-Plattform um einen Ort im Internet, an dem verschiedene Menschen und Organisationen zusammenkommen, um ein gemeinsames Ziel zu verfolgen, Informationen auszutauschen  und aus der Interaktion einen Nutzen bzw. einen Gewinn zu ziehen. Der Nutzen muss dabei nicht zwangsläufig rein materieller Natur sein, wie die Crowdfunding- und die vielen anderen Plattformen zeigen, auf denen Dienstleistungen gegen Tausch angeboten werden.  Daneben bietet die Plattform für die Kunden und Unternehmen die Möglichkeit, an der Produktentwicklung mitzuwirken (Co-Creation). Für gewöhnlich verfolgen die Teilnehmer eine Gewinnabsicht in materieller d.h. finanzieller Form über Erlöse aus dem Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen, Gebühren für die Abwicklung von Transaktionen, für die Geschäftsvermittlung und für die Nutzung der technischen Infrastruktur und Services. Bedingung für die Teilnahme an bzw. den Zugang zu einer Online-Plattform ist die Registrierung und damit die Feststellung der persönlichen Legitimität oder der einer juristischen Person. Ein Mitgliedsbeitrag oder ein einmalig zu entrichtender Betrag für den Zutritt zur Plattform kann hinzu kommen.

Die Bank als Online-Plattform wäre nach der vorliegenden Definition ein Ort im Internet, an dem verschiedene Teilnehmer zusammenkommen, um Bank-und Finanzgeschäfte abzuwickeln, Rat einzuholen bzw. zu geben, Informationen auszutauschen oder an der Produktentwicklung mitzuwirken. Dazu zählen:

  • Banken
  • Versicherungen
  • Spezialanken und Finanzierer
  • Kunden (Privat, Geschäftskunden, Institutionelle Anleger)
  • Einzelhändler
  • Reisebüros
  • Berater (Finanzen, Recht, Unternehmensberatungen)
  • Telekommunikationsunternehmen
  • Lieferanten von Finanzinformationen
  • Anbieter von Banken- und CRM-Software im White-Labeling / Outsourcing
  • Rechenzentren
  • Plattformen für Open Innovation / Co-Creation
  • Anbieter mobiler Bezahldienste (Mobile Payments)
  • Anbieter von Mehrwertdiensten (Mobile Couponing, Mobile Loyalty)
  • Junge und aufstrebende IT- und Softwareunternehmen mit Angeboten für bestimmte Dienste (z.B. für das Personal Finance Management)
  • Auf bestimmte Bereiche des Bankgeschäfts spezialisierte Anbieter wie Kabbage, Ezbob und Kreditplattformen (Auxmoney, Smava, LendingClub)
  • Anbieter von Mobile Wallets
  • Der oder die verantwortlichen Betreiber

Hierbei handelt es sich um idealtypische Annahmen. In der Realität werden bestimmte Rollen einen größeren Raum einnehmen als andere. Im Idealfall wäre die Bank als digitale Plattform in der Lage, alle Wünsche eines Bankkunden zu erfüllen, d.h, Überweisungen, Gutschriften von Coupons, Finanzierungen (Konsumentenfinanzierung, Baufinanzierung, Autofinanzierung, Unternehmensfinanzierung), Wertpapierhandel bis hin zur Vermögensverwaltung/Private Banking. Ebenso zählt die Verrechnung der Gebühren und der Erlöse auf die Teilnehmer dazu. Vom Typ her eine Universalbank, ohne dass noch eine einzelne Bank dahinter steht. Die technische Anbindung erfolgt über offene Schnittstellen (Open API). Die Bank als digitale Plattform hat Ähnlichkeit mit einem App Store, wie den von Apple oder Google.

Geklärt werden muss noch die Frage des Risikomanagements, und zwar nicht nur im Sinne der Gesamtbanksteuerung, was schon umfangreich genug ist, sondern auch im Blick auf die Fragen der technologischen Risiken, wie der nicht-funktionalen Anforderungen (Sicherheit, Hochverfügbarkeit, Ausfallsicherheit, Cashing, Matching- und Scoring-Algorithmen). Zum Risikomanagement zählen auch die aufsichtsrechtlichen Bestimmungen (Meldewesen). Wer übernimmt diese Rolle ? – das kann Stand heute nur eine Bank sein.

Neben der Frage nach dem passenden Geschäftsmodell stellt sich im nächsten Schritt die der Steuerung/Koordination. Das ist die wohl größte Herausforderung.

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