Die Deut­sche Bank hat im Jah­res­be­richt 2025 ein Pri­va­te-Cre­dit-Enga­ge­ment von 26 Mil­li­ar­den Euro offen­ge­legt – und kün­digt trotz wach­sen­der Risi­ken den wei­te­ren Aus­bau an. Das Mus­ter ist nicht neu. Von den Trump-Kre­di­ten über die Epstein-Geschäfts­be­zie­hung bis zum Ein­stieg in struk­tu­rier­te Pro­duk­te am Vor­abend der Finanz­kri­se zieht sich eine Kon­stan­te durch die Geschich­te des größ­ten deut­schen Geld­hau­ses: Wo ande­re sich zurück­zie­hen, greift die Deut­sche Bank zu. Was nach unter­neh­me­ri­schem Mut aus­sieht, ist die Signa­tur einer insti­tu­tio­nel­len Pfad­ab­hän­gig­keit, die Warn­si­gna­le sys­te­ma­tisch in Markt­chan­cen umdeutet. 


I.
Es gibt Sät­ze in Geschäfts­be­rich­ten, die mehr ver­ra­ten, als ihre Ver­fas­ser beab­sich­ti­gen. Im Jah­res­be­richt der Deut­schen Bank für 2025 fin­det sich ein sol­cher Satz. Das Insti­tut räumt ein, dass Finan­zie­run­gen für Pri­va­te-Cre­dit-Fonds „auf­grund jüngs­ter Zah­lungs­aus­fäl­le einer ver­stärk­ten Wach­sam­keit unter­lie­gen”. Gleich­zei­tig betont es, dass ihm kei­ne „signi­fi­kan­ten Risi­ken” dro­hen. Und im sel­ben Doku­ment wird ange­kün­digt, das Geschäft gemein­sam mit der Unter­neh­mens­spar­te und dem Invest­ment­ban­king wei­ter aus­zu­bau­en[1]Das Pri­va­te-Cre­dit-Port­fo­lio der Bank umfasst Dar­le­hen zu fort­ge­führ­ten Anschaf­fungs­kos­ten in Höhe von 25,9 Mrd. € (2024: 24,5 Mrd. €). Rund 73 % die­ses Enga­ge­ments ent­fal­len auf … Con­ti­nue rea­ding.

Wer die­se drei Aus­sa­gen neben­ein­an­der liest, erkennt nicht Wider­sprü­che – er erkennt ein Sys­tem. Die Wach­sam­keit ist kei­ne Vor­stu­fe zur Kurs­kor­rek­tur. Sie ist die Kurs­kor­rek­tur. In der Gram­ma­tik insti­tu­tio­nel­ler Kom­mu­ni­ka­ti­on bedeu­tet „ver­stärk­te Wach­sam­keit”: Wir haben das Risi­ko gese­hen, wir haben es benannt, und damit ist unse­re Pflicht erfüllt. Was ope­ra­tiv folgt, steht auf einem ande­ren Blatt – und auf die­sem Blatt steht: Weitermachen.

II.

Die Deut­sche Bank hat ihr Pri­va­te-Cre­dit-Enga­ge­ment auf rund 26 Mil­li­ar­den Euro aus­ge­baut, sechs Pro­zent mehr als im Vor­jahr. Das Port­fo­lio soll die­se Mar­ke künf­tig nicht über­schrei­ten. Das klingt nach Dis­zi­plin. In Wahr­heit ist es die Fest­schrei­bung eines Klum­pen­ri­si­kos, das bereits ent­stan­den ist. Die Ober­gren­ze ist kei­ne Brem­se – sie ist die nach­träg­li­che Legi­ti­ma­ti­on des erreich­ten Tempos.

Der Kon­text macht die Dimen­si­on sicht­bar. J.P. Mor­gan hat die Kre­dit­ver­ga­be an Pri­va­te-Cre­dit-Fonds ein­ge­schränkt, nach­dem soft­ware­be­zo­ge­ne Dar­le­hen abge­schrie­ben wer­den muss­ten. Mor­gan Stan­ley und Cliff­wa­ter haben Rück­nah­men aus ihren mil­li­ar­den­schwe­ren Fonds begrenzt, weil die Anträ­ge die zuläs­si­gen Quo­ten über­stie­gen. Black­Rock und HPS taten es ihnen gleich. Der Markt befin­det sich in einem Stress­test, des­sen Aus­gang offen ist – und die Deut­sche Bank erklärt, sie wol­le genau jetzt das Geschäft wei­ter ausbauen.

III.

Was hier sicht­bar wird, ist kein sin­gu­lä­rer Feh­ler. Es ist ein Mus­ter. Die Deut­sche Bank steigt in Geschäfts­fel­der ein, wenn die Mar­gen bereits sin­ken und die Risi­ken stei­gen. Sie kom­pen­siert den spä­ten Ein­tritt durch Volu­men statt durch Selek­ti­vi­tät. Und sie ver­wech­selt die Benen­nung von Risi­ken mit deren Bewältigung.

Die­ses Mus­ter hat eine Geschich­te. In den spä­ten 1990er Jah­ren war es das Invest­ment Ban­king nach ame­ri­ka­ni­schem Vor­bild, das unter Breu­er und Acker­mann for­ciert wur­de – zu einem Zeit­punkt, als die Kon­kur­renz aus New York bereits zwei Zyklen Vor­sprung hat­te. In den 2000er Jah­ren waren es die struk­tu­rier­ten Kre­dit­pro­duk­te, bei denen die Bank spät ein­stieg und dafür umso aggres­si­ver. Die Fol­gen sind doku­men­tiert. In den 2010er Jah­ren war es der Ver­such, gleich­zei­tig Uni­ver­sal­bank und Invest­ment­bank zu sein, der in einer Stra­te­gie­kri­se mün­de­te, die unter Cryan und Sewing müh­sam berei­nigt wer­den musste.

Doch das Mus­ter zeigt sich nicht nur auf der Pro­dukt­sei­te. Es hat eine Schat­tie­rung, die tie­fer reicht und die insti­tu­tio­nel­le Dis­po­si­ti­on der Deut­schen Bank viel­leicht am schärfs­ten offen­legt: die Bereit­schaft, genau dort zuzu­grei­fen, wo ande­re sich zurück­zie­hen – nicht trotz, son­dern wegen des Rück­zugs der Konkurrenz.

Das pro­mi­nen­tes­te Bei­spiel ist die lang­jäh­ri­ge Kre­dit­be­zie­hung zu Donald Trump. Nach­dem de…

Refe­ren­ces

Refe­ren­ces
1 Das Pri­va­te-Cre­dit-Port­fo­lio der Bank umfasst Dar­le­hen zu fort­ge­führ­ten Anschaf­fungs­kos­ten in Höhe von 25,9 Mrd. € (2024: 24,5 Mrd. €). Rund 73 % die­ses Enga­ge­ments ent­fal­len auf Mul­ti-Asset-Len­der-Fazi­li­tä­ten (ABS), die durch hoch­di­ver­si­fi­zier­te Mid-Mar­ket-Unter­neh­mens­kre­di­te in den USA und der EU über ver­schie­de­ne Bran­chen hin­weg besi­chert sind, mit kon­ser­va­ti­ven Belei­hungs­aus­läu­fen von etwa 65 % und nahe­zu aus­schließ­lich Invest­ment-Gra­de-Ratings. Der ver­blei­ben­de Anteil ist breit gestreut über Sin­gle- und Multi-Asset-Lender-Net-Asset-Value-(NAV)-Finanzierungen, Sin­gle-Asset-Finan­zie­run­gen, nicht­bank­li­che Gewer­be­im­mo­bi­li­en­kre­di­te (CRE Len­ding), Busi­ness Deve­lo­p­ment Com­pa­nies (BDC) und Sub­scrip­ti­on Finan­ce. Die Bank wen­det kon­ser­va­ti­ve Kri­te­ri­en bei der Kre­dit­ver­ga­be in ihrem Pri­va­te-Cre­dit-Port­fo­lio an, ein­schließ­lich der Bewer­tung von Spon­so­ren- und Inves­to­ren­qua­li­tät sowie wei­te­rer struk­tu­rel­ler Merk­ma­le. Die Belei­hungs­aus­läu­fe sind an das jewei­li­ge Risi­ko­pro­fil der zugrun­de lie­gen­den Enga­ge­ments gekop­pelt. Die Port­fo­li­os wer­den im Rah­men spe­zi­el­ler Risi­ko­ap­pe­tit-Model­le geführt, die regel­mä­ßi­ge Stress­tests sowie eine akti­ve Über­wa­chung der Kre­dit­per­for­mance, der Sicher­hei­ten­wer­te und der zugrun­de lie­gen­den Diver­si­fi­ka­ti­on umfas­sen. Quel­le: Annu­al Report 2025