Die Mel­dung klingt wie eine Rand­no­tiz: US-Hypo­the­ken­zin­sen über­stei­gen wie­der die Sechs-Pro­zent-Mar­ke. Für die Mil­lio­nen ame­ri­ka­ni­scher Haus­hal­te, die seit 2022 auf einen güns­ti­gen Ein­stieg in den Immo­bi­li­en­markt war­ten, ist sie das Gegen­teil – ein wei­te­res Signal, dass das War­ten ver­geb­lich war.


Geo­po­li­tik als Beschleu­ni­ger, nicht als Ursache

Als unmit­tel­ba­rer Aus­lö­ser gel­ten die jüngs­ten Mili­tär­schlä­ge der USA und Isra­els gegen den Iran, die Ölprei­se und Infla­ti­ons­er­war­tun­gen in die Höhe trie­ben und die Tre­asu­ry-Yields auf 4,25 Pro­zent anho­ben. Die­se Kau­sal­lo­gik ist nicht falsch – aber sie ist unvoll­stän­dig. Geo­po­li­ti­sche Schocks wir­ken als Beschleu­ni­ger struk­tu­rel­ler Span­nun­gen, nicht als deren Ursache.

Die eigent­li­che Ursa­che liegt tie­fer: Die Fede­ral Reser­ve ope­riert in einem zins­po­li­ti­schen Dilem­ma, das durch fis­ka­li­sche Impul­se – Steu­er­sen­kun­gen, Straf­zöl­le, Staats­de­fi­zi­te – von innen her­aus sta­bi­li­siert wird. Solan­ge der Arbeits­markt robust bleibt und infla­tio­nä­re Impul­se aus der Fis­kal­po­li­tik kom­men, hat die Fed wenig Spiel­raum für Sen­kun­gen, unab­hän­gig davon, ob im Per­si­schen Golf Bom­ben fal­len oder nicht. Geo­po­li­tik lie­fert den Anlass; die Struk­tur lie­fert den Rahmen.

Der Lock-in-Effekt und das sta­gnie­ren­de Marktvolumen

Das Ergeb­nis ist ein Immo­bi­li­en­markt, der sich seit 2022 in einer eigen­tüm­li­chen Erstar­rung befin­det: rund vier Mil­lio­nen Trans­ak­tio­nen jähr­lich, gegen­über 5,2 Mil­lio­nen in der Vor­kri­sen­nor­ma­li­tät. Die Ursa­che ist sys­te­misch und selbst­ver­stär­kend. Wer sein Haus mit einem Fest­zins von zwei oder drei Pro­zent finan­ziert hat, ver­kauft nicht – denn ein Ver­kauf bedeu­tet, den güns­ti­gen Zins zu ver­lie­ren und die neue Immo­bi­lie zu deut­lich höhe­ren Kon­di­tio­nen zu finan­zie­ren. Ange­bot und Nach­fra­ge blo­ckie­ren sich gegen­sei­tig. Der Markt friert ein.

Für Erst­käu­fer bedeu­tet das eine dop­pel­te Belas­tung: sin­ken­de Kauf­kraft durch gestie­ge­ne Zin­sen und ein ver­knapp­tes Ange­bot, das die Prei­se oben hält. Der Ein­stieg in den Eigen­tums­markt ist für wei­te Tei­le des Mit­tel­stands struk­tu­rell erschwert – nicht als vor­über­ge­hen­de Kon­junk­tur­del­le, son­dern als dau­er­haf­ter Zustand.

Reich­tums­trans­fer durch Zinspolitik

Das ist der eigent­lich beun­ru­hi­gen­de Befund – und er ver­dient mehr ana­ly­ti­sche Auf­merk­sam­keit als er übli­cher­wei­se bekommt. Stei­gen­de Zin­sen trans­fe­rie­ren sys­te­ma­tisch Kauf­kraft von den­je­ni­gen, die noch kein Ver­mö­gen haben, zu den­je­ni­gen, die bereits Eigen­tum hal­ten. Bestands­im­mo­bi­li­en stei­gen im Wert oder hal­ten ihn; Neu­ein­trit­te wer­den pro­hi­bi­tiv teu­er. Das ist kein Markt­ver­sa­gen im tech­ni­schen Sin­ne – der Markt funk­tio­niert genau so, wie er es unter die­sen Rah­men­be­din­gun­gen soll. Es ist ein insti­tu­tio­nell erzeug­tes Verteilungsergebnis.

Die struk­tu­rel­le Ana­lo­gie zu dem, was Robert J. Shil­ler als „nar­ra­ti­ve eco­no­mics” beschreibt, oder zu Piket­tys Befund, dass Kapi­tal­ren­di­ten lang­fris­tig Wachs­tums­ra­ten über­stei­gen, liegt nahe – wird ab…