“Crypto Assets sind eine gute Beimischung für jedes Portfolio” – Interview mit Marco Bodewein (Bitcoin Group SE)

Die Bitcoin Group SE betreibt über ihre Tochter, die Bitcoin Deutschland AG, den bekanntesten Cryptomarktplatz in Deutschland Bitcoin.de. Mit der Übernahme der Tremmel Wertpapierhandelsbank vor wenigen Monaten hat die Bitcoin Group ein Zeichen gesetzt. Im Gespräch mit Bankstil erläutert Marco Bodewein, Geschäftsführender Direktor der Bitcoin Group, welche Ziele die Bitcoin Group mit der Übernahme verfolgt, welches zusätzliche Geschäftspotenzial Kryptowährungen bieten und die Rolle, die die Banken dabei spielen können.

  • Herr Bodewein, was genau macht die Bitcoin Group, was ist Ihre Rolle dort und welche Erfahrungen bringen Sie mit?

Die Bitcoin Group ist eine börsennotierte Beteiligungsgesellschaft, mit Beteiligungen in den Bereichen Crypto, dem Marktplatz bitcoin.de, und im Bereich Finanzbeteiligungen. Ich selbst bin im Juni 2018 hinzugekommen und konzentriere mich im Schwerpunkt auf die Themen Strategie und Finanzdienstleistungen. Zuvor war ich Vorstand einer mittelständischen Wertpapierhandelsbank. Ich komme also klassisch aus dem Investmentbanking.

  • Vor einigen Monaten übernahm die Bitcoin Group die Tremmel Wertpapierhandelsbank (jetzt futurum Bank) – was hat die Bitcoin Group dazu veranlasst?

Einer der Gründe war die Sicherung unseres originären Geschäfts, bitcoin.de. Hierfür benötigen wir ein Haftungsdach, welches wir aktuell durch unseren Partner, die Fidor Bank gestellt bekommen. Auch wenn wir an der erfolgreichen Partnerschaft mit der Fidor Bank langfristig festhalten möchten, versprechen wir uns mit dem Aufbau eines eigenen Finazdienstleisters Synergien für die Zukunft.

  • Welche Produkte wollen Sie über die futurum bank demnächst anbieten und welche Zielgruppen wollen sie ansprechen?

Grundsätzlich bietet die futurum bank GmbH das klassische Equity und Fixed Income Geschäft sowie Capital Market Advisory an. Zukünftig will ich nicht ausschließen, auch Crypto related Products als Eigenemissionen und andere Produkte mit Krypto-Bezug anzubieten.

  • Derzeit ist viel von der sog. Tokenization zu lesen – wie steht die Bitcoin Group dazu? 

Bitcoin.de ist ein reiner Marktplatz für Cryptowährungen. Wir beteiligen uns nicht an ICOs, bzw. Tokenofferings.

  • Bislang halten sich die meisten Banken beim Thema Cryptowährungen zurück – passen Cryptowährungen und digitale Vermögenswerte überhaupt zum Geschäftsmodell der Banken?

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt konzentrieren sich die klassischen Banken ausschließlich auf den regulierten Bereich. Kryptowährungen fallen hier noch nicht darunter. Das wird sich aber sicherlich ändern, sollten die Crypto Assets den Weg ins Kreditwesengesetz „KWG“ finden.

  • Welche Vorteile hat die Bitcoin Group gegenüber den Banken bzw. wo bietet sich eine Kooperation zwischen der Bitcoin Group und den Banken an?  

Die Bitcoin Group ist über ihre Beteiligung der Marktführer in Deutschland, wenn es um das Thema Handel von Crypto Assets in Deutschland geht, ebenso in der Verwaltung von Crypto Assets. Dadurch bieten sich zukünftig sicherlich diverse Anknüpfungspunkte.

  • Sind Kryptowährungen nicht zu volatil, um sie als Anlageform in Betracht zu ziehen?

Diese Einschätzung teile ich nicht. Der Aktienmarkt ist in den letzten Jahren auch recht volatil gewesen. Wir haben zwar in den letzten 18 Monaten einen großen Ausschlag in den Crypto Währungen gesehen, im Langfristtrend geht es dennoch nach oben. Somit sind Crypto Assets sicherlich eine gute Beimischung für jedes Portfolio.

  • Schon jetzt repräsentiert der Handel mit digitalen Gütern einen Großteil der Wirtschaftsleistung der modernen Volkswirtschaften – was bedeutet das für die Zukunft der Bitcoin Group im Besonderen und für das Banking im Allgemeinen?

Als Beteiligungsgesellschaft sind wir natürlich immer auf der Suche nach einem guten Investment, so dass wir auch zukünftig die Augen aufhalten. Im Banking wird es sicherlich auf Grund der Blockchain Technologie noch die eine, oder andere spannende Entwicklung geben. Hier kann man beispielhaft die Verbriefung von Assets aller Art über die Blockchain anführen, ebenso die vertragliche Gestaltung von Schuldverhältnissen über Smart Contracts. Ich denke, dass nach wie vor spannende Zeiten auf uns zu kommen.

  • Herr Bodewein, besten Dank für das Gespräch
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