Bitcoin, Ethereum & Co.: Die (Goldgräber-)Stimmung ist besser als die Lage

Von Ralf Keuper

Kryptowährungen und sog. Initial Coin Offerings beherrschen zwar in den Wirtschaftsmedien die Schlagzeilen; nur entspricht die Berichtsflut, wie so oft in der Geschichte, nur sehr bedingt der Realität, zumindest dann, wenn man darunter den Abgleich der Erwartungshalten mit den zu beobachtenden Ereignissen versteht.

In der Vergangenheit wurde Bitcoin bereits häufiger als Schneeballsystem bezeichnet. Der aktuellste Hinweis stammt von Howard Marks, Co-Chairman von Oaktree Capital, worüber in Wall-Street-Experte warnt: Bei Digitalwährungen handelt es sich womöglich um ein Schneeballsystem berichtet wird. Der Milliardär Mark Cuban hält Bitcoin für eine Blase. Auch für Morgan Stanley ist Bitcoin – derzeit jedenfalls – nichts anders als eine Spekulationswährung. Ähnlich warnende Hinweise kommen vom weltgrößten Vermögensverwalter Black Rock und von Aberdeen Asset Management.

Der Co-Gründer von Ethereum, Charles Hoskinson, hält den Kryptowährungsmarkt für eine tickende Zeitbombe, insbesondere mit Blick auf die Initial Coin Offerings. In Einer der Mitgründer des Bitcoin-Konkurrenten Ethereum zeichnet ein düsteres Bild für die Zukunft des Marktes für digitale Währungen wird Hoskinson zitiert:

„Die Leute sagen immer, ICOs seien großartig für Ethereum – schaut euch doch nur den Preis an -, aber das ist eine tickende Zeitbombe“, so der Experte im Interview. Die Leute seien von der Option, schnell und einfach Geld zu verdienen, geblendet, so Hoskinson weiter.

Hoskinson geht davon aus, dass, nachdem die Blase geplatzt ist, Kryptowährungen eine wichtige Rolle bei der Finanzierung übernehmen werden, jedoch in einem regulierten Umfeld. ICOs werden seiner Ansicht nach indes – unabhängig von der Regulierung – bleiben.

Die amerikanische Börsenaufsicht SEC jedenfalls, ist der Ansicht, dass ICO oder DAOs der Regulierung unterliegen. Dabei geht es der SEC vor allem darum, die ICOS oder auch DAOs zu entmystifizieren und sie als das zu behandeln, was sie sind. In der entsprechenden Pressemitteilung heisst es:

In light of the facts and circumstances, the agency has decided not to bring charges in this instance, or make findings of violations in the Report, but rather to caution the industry and market participants:  the federal securities laws apply to those who offer and sell securities in the United States, regardless whether the issuing entity is a traditional company or a decentralized autonomous organization, regardless whether those securities are purchased using U.S. dollars or virtual currencies, and regardless whether they are distributed in certificated form or through distributed ledger technology.

Eine aktuelle Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Kryptowährungen als Zahlungs- und Anlage- bzw. Spekulationsobjekt bei den Verbrauchern nach wie vor nur auf geringe Akzeptanz stossen.

Relativ ausgewogen kommentiert und beobachtet der Blog Zerohedge die Entwicklung auf dem Markt für Kryptowährungen, wie in

Einer der prominentesten Anhänger von Bitcoin ist Bill Gates, für den Bitcoin besser als andere Währungen ist. 

Für Warren Buffett dagegen ist Bitcoin keine Währung.

Große Hoffnungen richten sich neuerdings auf LedgerX. Auslöser war u.a. der Beitrag LedgerX Will Transform Cryptocurrencies auf Bloomberg. Ausgerechnet der Markt für Derivate soll den Kryptowährungen zum Durchbruch verhelfen:

The key features of derivatives clearing houses are centrally cleared, collateralized, asset-settled contracts with mark-to-market margin. Existing cryptocurrency futures and options have none of those characteristics,  they are merely side bets. LedgerX has the first three, which may be enough to transmute cryptocurrencies.

Auf Cointelegraph tritt William Suberg in Bitcoin Adoption ‘Virtuous Cycle’ Can Start Thanks to LedgerX: Bloomberg ein wenig auf die Bremse:

LedgerX’s story, and that of the market it may yet create are nonetheless still very much at square one.

Lösungen wie LedgerX kommen, so Suberg vielleicht noch gerade rechtzeitig, um den Schock durch die Spaltung von Bitcoin in Bitcoin und Bitcoin Cash schnell zu überwinden.

Jenseits der Goldgräber-Stimmung ist die Lage bei näherer Betrachtung relativ ernüchternd; jedenfalls ergibt sich ein deutlich differenziertes Bild. Wie man es auch dreht und wendet: Der Bitcoin – Hard Fork ist ein tiefer Einschnitt, der das Vertrauen in die Kryptowährungen erschüttert hat. Die Aussage, es handele sich um eine Währung, die nicht manipuliert werden könne und die keine Machtkonzentration zulasse, ist so nicht haltbar. Chinesische Miner kontrollierten vor dem Hard Fork mehr als 50 Prozent; andere Beobachter sprechen sogar von 60 Prozent, der Mining-Kapazitäten auf sich. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Der Fakt jedoch bleibt –  wie profane betriebswirtschaftliche Prinzipien wie die Economies of Scale – ein wesentliches Merkmal von Großkonzernen und Machtkonzentrationen.

Weitere Informationen liefert der Film Life Inside a Secret Chinese Bitcoin Mine. Der Betreiber in dem Film geht davon aus, dass die chinesische Regierung die Entwicklung unterstützen wird.

Auch in den USA sind riesige Mining-Fabriken entstanden:

In Europa ist Island der bevorzugte Standort für Mining-Framen.

Es handelt sich schlichtweg um eine Industrie. Statt Banken wären die Mining Farmen, ob in staatlicher oder privater Hand, die Machtinstanzen.

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