Banking als branchenübergreifende Datenkommunikation

Von Ralf Keuper

Das Banking hat sich in letzten Jahren zunehmend von den Banken emanzipiert. Die Funktion (Banking) ist heute wichtiger als die Form (Bank). Das bekommen die Banken derzeit vor allem im Zahlungsverkehr zu spüren. Es ist kaum noch übersehen, dass die Datenkommunikation die wichtigste Aufgabe im Banking ist.

Seit den 1960er Jahren tauchen Beiträge auf, in welchen die Schlüsselfunktion der Datenkommunikation für die Wirtschaft hervorgehoben wurde, wie von Felix Kaufman in seinem Buch Electronic data processing and auditing. Darin forderte er die Manager auf, über die Grenzen der eigenen Organisation die Möglichkeiten firmenübergreifender Informationssysteme auszuloten. Etwas mehr als 20 Jahre danach, Mitte der 1980er Jahre, führten James J. Cash und Benn R. Konsynski die Gedanken Kaufmans in Die Datenkommunikation verändert den Wettbewerb weiter. Als Beispiel für Computernetzwerke, die zu dem Zeitpunkt bereits eine Datenkommunikation über die Unternehmensgrenzen ermöglichten, nannten die Autoren u.a. das Platzreservierungssystem Apollo. Im Bereich Banking wurden das Cirrus  ATM-Netzwerk und das Home Banking von CompuServe erwähnt.

In dem Kapitel Firmenübergreifende Computernetze kontra interne Datenkommunikation hoben die Autoren die Vorteile offener Netzwerke gegenüber betriebsinternen hervor:

Ganz allgemein erklärt, besteht ein firmenübergreifendes Informationssystem aus einer Computer- und Kommunikationsinfrastruktur, mit dem man zum Beispiel Platzreservierungen oder Kaufabschlüsse abwickeln kann. Angeschlossen daran sind die eigentlichen Teilnehmer und ein Dienstleistungsunternehmen. Teilnehmer sind Organisationen, die zum Zwecke des geschäftlichen Datenaustauschs ein Informationssystem entwickeln, betreiben und nutzen. Das Dienstleistungsunternehmen unterstützt die angeschlossenen Firmen bei der Entwicklung, dem Betrieb und der Anwendung. Die dazu notwendigen Produkte und Serviceleistungen zählen zum Hauptgeschäft des Dienstleisters. (in: Harvardmanager. Informations- und Datentechnik, Band 1)

Aus heutiger Sicht betrachtet, haben die Autoren die Blockchain-Technologie vorweg genommen, die im Idealfall die genannten Anforderungen erfüllen kann. Als Organisationsmodell käme dafür das Konsortium oder eine Genossenschaft in Frage. Das Konsortium/die Genossenschaft wäre der Dienstleister. Denkbar auch eine Kombination mit einer öffentlichen Blockchain, einem öffentlichen Distributed Ledger wie Hedera/Hashgraph. Der Dienstleister geniesst das Vertrauen der Unternehmen und Finanzdienstleister. Er kann als neutrale Instanz, als Vertrauensdienst auftreten.

Seine Hauptfunktion bestünde darin, wie es der Deutsche Bank Vorstand Eckhart van Hooven vor über dreißig Jahren beschrieb,

zuverlässige Daten zu kommunizieren und damit Auskunft zu geben über alles, was den Umgang mit Geld betrifft.

Hinzufügen wäre heute

über alles, was den Umgang mit Geld, Daten, Identitäten und digitalen Vermögenswerten betrifft.

Hierfür greift der Banking-Dienstleister u.a. auf die Leistungen von Identity as Service , Data Streaming- oder Finanzinformations- Anbietern zurück.

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