Sparkassen-Direktbank als Ultima Ratio?

Von Ralf Keuper

In der Sparkassenorganisation kursieren derzeit Überlegungen, eine Direktbank für alle Sparkassen an den Markt zu bringen. Ein Vorschlag, der bei einigen Kommentatoren auf Zustimmung stösst (Vgl. dazu: Die Sparkassen müssen digitalen Wettbewerbern mit einer Onlinebank Konkurrenz machen).

Angedacht ist, die DKB, die Direktbank der Bayerischen Landesbank, zur Direktbank aller Sparkassen auszubauen. Indes, der Plan hat seine Tücken (Vgl. dazu: Sparkassen erwägen Gründung eigener Onlinebank – doch der Plan hat Tücken).

Da wäre zunächst einmal das Regionalprinzip, das durch eine bundesweit einheitlich auftretende Direktbank ausgehebelt würde. Zum anderen die politischen und persönlichen Befindlichkeiten der regionalen Sparkassenfürsten, Kommunalpolitiker, Verwaltungsräte usw., die auf Posten, Einnahmen und Sponsoring verzichten müssten. Eine Sparkassen-Direktbank, die mit Aussicht auf Erfolg am Markt agieren will, muss zwangsläufig Kunden im großen Umfang von den Sparkassen abziehen, was sich gewiss nicht vorteilhaft auf die Bilanzsummen und die Gewinne der Sparkassen auswirken wird. Wir hätten es also mit einer Kannibalisierungsstrategie zu tun, der womöglich auch die 1822 direkt in irgendeiner Form zum Opfer fallen würde. Die Zahl der Sparkassen-Filialen und damit auch die der Mitarbeiter würde drastisch schrumpfen. Und ob die Bayerische Landesbank auf ihre Cash-Cow verzichten will, ist ebenfalls alles andere als sicher. Da wird die ohnehin schon vielschichtige Gemengelage schnell noch unübersichtlicher.

Rein betriebswirtschaftlich gesehen und mit Blick auf die aktuellen und künftig sich abzeichnenden Herausforderungen wäre die Gründung einer gemeinsamen Direktbank logisch und sinnvoll – sie wäre jedoch nur ein Zwischenschritt.

Reine Online-Banken, das ist und bleibt bis auf weiteres Überzeugung auf diesem Blog, haben auf Dauer keine bzw. nur eine geringe Überlebenschance. Das Banking verlagert sich auf digitale Plattformen und Ökosysteme, die, so paradox das auf den ersten Blick klingen mag, fest in der sog. Realwirtschaft verwurzelt sind. Hier kommt es auf die Verzahnung von Hardware, Software, direktem Kundenkontakt und Logistik an – wie bei Amazon und Alibaba. Das Spielfeld hat sich erweitert – es umfasst mehrere Branchen und Länder gleichzeitig. Sichtbar u.a. an dem Vergleich zwischen dem Eigenhandel und den Handel über die Marktplätze von Amazon, Alibaba & Co. (Vgl. dazu: Wie löst Amazon das Marktplatz-Dilemma für sich und andere?). Der Umsatz, der über die Alibaba-Marktpläzte im Jahr 2018 abgewickelt wurde betrug 768 Mrd. Dollar, Amazon kam auf 277 Mrd. Dollar. Hier spielt die Musik. Überdies strebt Amazon in den stationären Handel.

Die besten Aussichten, zentraler Akteur der Wertschöpfungsnetzwerke, zumindest in Deutschland, zu werden, haben m.E. die Genossenschaftsbanken. Sollte der Schulterschluss mit den Warengenossenschaften und dem örtlichen Handel und Gewerbe gelingen, u.a. durch YES/CAS, dann würde sich auch hier das Thema Direktbank von selbst stellen und gelöst werden – allerdings im Verbund mit den anderen Teilbereichen der (regionalen) Wirtschaft.

Direktbanken, wie derzeit von den Sparkassen favorisiert, lassen sich – zumindest aus Sicht von regional agierenden Universalbanken mit hoher Filialdichte – nicht isoliert betrachten, d.h. sie müssen eingebunden sein in ein funktionierendes und eingespieltes Ökosystem aus Services für Unternehmen und Endkunden, wovon Banking nur ein Teil ist. Direktbanken waren und sind daher nur ein (notwendiges) Durchgangsstadium – nicht mehr und nicht weniger.

Mit Blick auf die Sparkassen würde das eine Kulturrevolution bedeuten, die für viele Beteiligte sehr schmerzhaft sein wird – bei unsicheren Erfolgsaussichten. Ob es dazu – angesichts der aktuellen und künftigen Entwicklung – aber noch eine Alternative gibt? Könnte die Blockchain-Technologie zu einer Renaissance des Regionalprinzips führen? Verfügen die Sparkassen überhaupt noch über die nötige Zeit und Handlungsfreiheit? Sind sie angesichts der Vielzahl unterschiedlicher Interessen und des organisatorischen Aufbaus aus eigener Kraft und eigenem Antrieb dazu überhaupt in der Lage?

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