Als Mannesmann und Deutsche Bank eine Internet-Bank gründen wollten

Von Ralf Keuper

Im Jahr 2000 schickten sich der Technologie- und Mobilfunkkonzern Mannesmann und die Deutsche Bank an, eine Internet-Bank zu gründen (Vgl. dazu: Mannesmann und Deutsche Bank gründen Web-Bank). Die “Tele-Commerce Bank” wollte im vierten Quartal 2000 zunächst in Deutschland starten. Weitere europäische Länder waren im Visier. Als Kontonummer sollte die Telefonnummer fungieren. Zu einem späteren Zeitpunkt war die Einführung eines Online-Wertpapierhandels geplant.

Das Projekt war überaus ambitioniert.

Mit der Integration von Telekommunikation und Informationstechnologie wollten Mannesmann und Deutsche Bank die „Bankdienstleistung in der Internet-Welt neu definieren“, wie in Mannesmann plant Internet-Banking zu lesen war. Durch die Verknüpfung von Telefon- und Kontonummer würden

das Festnetz- und Mobiltelefon sowie der Internetzugang „zur persönlichen, individuellen Bankfiliale“. Durch die Integration des Bankgeschäfts mit der monatlichen Telekommunikationsrechnung werde ein konkurrenzloses „Zahlungsverkehrssystem“ angeboten.

Auch sonst war man optimistisch:

Mit diesem Verfahren sei die neue Bank exzellent auf die „New Economics“ im Internet vorbereitet. Dies gelte für den bargeldlosen Zahlungsverkehr über Handy, den Zahlungsvorgang im Internet sowie die etablierten Formen des Bankgeschäfts

Mit dem Angebot werde man die Direktbanken abhängen.

Die neue Tele-Commerce-Bank werde sich gegenüber den bisher am Markt aktiven Filial- und Direktbanken durch Verfügbarkeit, Schnelligkeit, globalen Zugang, Komfortabilität und Benutzerfreundlichkeit auszeichnen.

Mit der gemeinsamen Aktion wollte man die Übernahme von Mannesmann durch Vodaphone verhindern. Dieses Vorhaben schlug, wie wir wissen, fehl. Damit war auch die “Tele-Commerce Bank” Geschichte. Bis heute versucht die Deutsche Bank, im Internet mit einer Digitalen Bank Fuss zu fassen. Bislang mit überschaubarem Erfolg. Die Idee der Tele-Commerce-Bank zeigt indes, dass man sich vor bald 20 Jahren durchaus im Klaren darüber war, wohin die Reise im Banking gehen würde. Den Gedanken konsequent zu Ende geführt und in die Realität umgesetzt haben Paypal, Alipay, WeChat, Wirecard und einige Fintech-Startups, wie N26, wohingegen das gemeinsam von den Banken initiierte Online-Bezahlverfaren Paydirekt bislang ein Ladenhüter ist – und wohl auch bleibt.

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