Die Berliner Volksbank wächst: Kredite, Einlagen und Mitglieder legen 2025 deutlich zu. Der Geschäftsbericht zeigt aber, wie eng die Spielräume dahinter sind – eine Kernkapitalquote unter dem eigenen Ziel, sinkende Einlagenmargen, Kosten der Verbundlösung, eine steigende Risikovorsorge, Abschreibungen auf Beteiligungen und ein Kreditbuch, das stark am Berliner Wohnungsmarkt hängt, auf dem Linke, Grüne und SPD über die Vergesellschaftung großer Bestände verhandeln. Sechs Spannungen, die über diese eine Bank hinausweisen.
Der Geschäftsbericht 2025 der Berliner Volksbank eG liest sich auf den ersten Blick wie die Bilanz einer Bank, die alles richtig macht: Die Bilanzsumme wächst um 8,7 Prozent auf 20,1 Milliarden Euro, das Kundenkreditvolumen um 7,0 Prozent auf 14,0 Milliarden, die Kundeneinlagen um 7,6 Prozent auf 16,7 Milliarden. Die Zahl der Mitglieder steigt auf 231.379, die Dividende bleibt bei 3 Prozent plus 1 Prozent Bonus. Der Aufsichtsrat spricht von einem „sehr guten Wirtschaftsjahr”. Wer genauer liest, findet zwischen den Zeilen sechs Spannungen, die über diese eine Bank hinausweisen.
Erstens: Das Wachstum ist schneller als das Kapital
Die Kernkapitalquote, also das Verhältnis von hartem Eigenkapital zu den risikogewichteten Aktiva, fiel von 16,4 auf 15,2 Prozent (im Konzern auf 14,9 Prozent). Die Bank hatte sich eine Bandbreite von 16 bis 17 Prozent als Ziel gesetzt und für 2025 sogar 17,2 Prozent geplant. Sie liegt also nicht knapp, sondern deutlich unter ihrem eigenen Anspruch.
Der Bericht benennt die Ursachen selbst: die Eigenmittelanforderungen nach der neuen EU-Eigenkapitalverordnung CRR III und ein Kreditwachstum, das „über unseren Erwartungen” lag. Die aufsichtsrechtlichen Eigenmittelanforderungen stiegen von 828,1 auf 975,2 Millionen Euro, die anrechenbaren Eigenmittel von 1.828,6 auf 2.007,1 Millionen. Das Kapital wuchs also um rund 178 Millionen, der Bedarf um rund 147 Millionen, und trotzdem sank die Quote, weil die Basis, auf die sie sich bezieht, mitgewachsen ist.
Die Bank beschreibt das Muster selbst: Mit dem Zeitpunkt der Kreditauslegung ist die volle Eigenmittelunterlegung erforderlich, die Erträge aus dem Kredit fließen aber erst über die Laufzeit. Das Wachstum verlangt das Kapital sofort, der Ertrag kommt später. Um die Lücke zu schließen, führte die Bank 87,9 Millionen Euro dem Fonds für allgemeine Bankrisiken zu, einer Reserve nach § 340g HGB, die als hartes Kernkapital zählt. Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit betrug 203,1 Millionen Euro (Vorjahr 233,2 Millionen), der Jahresüberschuss nach dieser Zuführung 40,0 Millionen. Die Kapitalrendite liegt nach der Zuführung bei 0,21 Prozent, davor bei 0,68 Prozent.
Für 2026 rechnet die Bank wieder mit einer Kernkapitalquote von 16,1 Prozent. Der Weg dorthin führt über ein nahezu konstantes Kreditvolumen (minus 0,1 Milliarden Euro) und weitere Thesaurierung. Die Rückkehr in die Zielbandbreite ruht damit auf einer Annahme, nicht auf einer strukturellen Veränderung. Auf der Ebene der Risikogruppe, die seit der Übernahme der ABK Allgemeine Beamten Bank AG zum 3. Januar 2025 besteht, wird die Quote mit 15,7 Prozent sogar weiter unter dem Ziel erwartet.
Zweitens: Die Ertragsbasis verschiebt sich
Der Rohüberschuss, also Zins- plus Provisionsergebnis, sank leicht auf 516,6 Millionen Euro. Darunter verschob sich die Gewichtung deutlich. Der Ergebnisbeitrag aus dem Passivgeschäft, der Hereinnahme von Einlagen, fiel um 39,3 Millionen auf 174,4 Millionen, weil die Zinssenkungen der EZB die Konditionsbeiträge der Einlagen schneller schrumpfen ließen als erwartet. Der Beitrag aus dem Aktivgeschäft stieg dagegen auf 176,7 Millionen Euro, vor allem durch Immobilienfinanzierungen. Rund 58 Prozent des Kreditvolumens liegen im Grundstücks- und Wohnungswesen; von 14,4 Milliarden Euro Kundenkrediten und Bürgschaften entfallen 9,1 Milliarden auf das Geschäftsfeld Immobilien und Erneuerbare Energien.
Das ist kein Vorwurf, sondern eine Beschreibung: Die Bank gleicht den Wegfall von Einlagenmargen durch mehr Kredit aus, und mehr Kredit bindet mehr Kapital. Beide Beobachtungen hängen zusammen. Hinzu kommt der Zahlungsverkehr: Die Provisionen aus Zahlungsverkehr und Kontoführung gingen um 8,1 Prozent zurü…
