Der Apol­lo-Chef­öko­nom Tors­ten Slok fragt, ob ein „Agen­tic Bank Run“ droht: KI-Agen­ten wie Meta Muse könn­ten Haus­halts­gut­ha­ben auto­ma­tisch auf höher ver­zins­te Kon­ten schie­ben und den Ban­ken ihre bil­li­gen Ein­la­gen ent­zie­hen. Die Fra­ge ist berech­tigt, die Bele­ge tra­gen sie bis­her nicht. Muse kauft ein und bezahlt, die Steue­rung von Kon­ten ist in den Quel­len nicht belegt. Für den Schritt dort­hin feh­len weni­ger Tech­nik und Zins­vor­teil als Ant­wor­ten auf drei Fra­gen: Wer weist sich gegen­über der Bank aus, wer haf­tet, und wem ver­traut der Kun­de so weit, dass er die Kon­trol­le abgibt?


Am Sonn­tag, dem 27. Sep­tem­ber, ver­öf­fent­lich­te Tors­ten Slok, Part­ner und Chef­öko­nom bei Apol­lo Glo­bal Manage­ment, in sei­nem täg­li­chen Kurz­brief „Dai­ly Spark“ eine Notiz mit dem Titel „Is an Agen­tic Bank Run Coming?“. Sie besteht aus zwei Absät­zen und einer Gra­fik. Muse und ähn­li­che KI-Assis­ten­ten, schreibt Slok, könn­ten Haus­halts­gut­ha­ben bald auto­ma­tisch auf Kon­ten schie­ben, die 3,3 bis 5,0 Pro­zent zah­len, statt der im Schnitt 0,1 Pro­zent, die US-Ban­ken auf Giro­kon­ten bie­ten. Wür­den alle Haus­hal­te Agen­ten nut­zen, um die Ren­di­te ihrer Kas­sen­be­stän­de zu opti­mie­ren, könn­ten Ban­ken einen gro­ßen Teil der bil­li­gen Ein­la­gen ver­lie­ren, mit denen sie Kre­di­te finan­zie­ren. Das wäre ein Pro­blem für das gesam­te Finanzsystem.

Die Notiz hat Ein­druck gemacht, auch in Deutsch­land. Die Bör­sen-Zei­tung weist dar­auf hin, dass deut­sche Anle­ger das Mus­ter von Trade Repu­blic, Sca­lable Capi­tal oder Revo­lut ken­nen, die Zin­sen der EZB durch­rei­chen und das Geld an Part­ner­ban­ken oder Geld­markt­fonds wei­ter­lei­ten. Zugleich ist Sloks For­mu­lie­rung bewusst bedingt: „könn­ten“, „wenn jeder Haus­halt“. Die Fra­ge, die sich dar­aus für die Ban­ken ergibt, ist nüch­ter­ner und zugleich grund­sätz­li­cher: Ob und inwie­weit las­sen sich KI-Agen­ten wie Muse für das Bank­ge­schäft und die Ver­wal­tung von Ein­la­gen einsetzen?

Drei Stu­fen, die man aus­ein­an­der­hal­ten muss

Es hilft, drei Din­ge zu unter­schei­den, die in der Debat­te oft ver­schwim­men. Auf der ers­ten Stu­fe liest und berät der Agent: Er sieht Sal­den, Trans­ak­tio­nen und Ver­trä­ge und macht Vor­schlä­ge. Auf der zwei­ten Stu­fe zahlt er: Er kauft ein, bezahlt Rech­nun­gen, kün­digt Abon­ne­ments, jeweils mit Frei­ga­be des Nut­zers. Auf der drit­ten Stu­fe steu­ert er das Kon­to selbst: Er löst Über­wei­sun­gen aus, legt Geld an und ver­än­dert damit die Struk­tur der Einlagen.

Sloks Sze­na­rio setzt die drit­te Stu­fe vor­aus. Muse bewegt sich nach den ver­füg­ba­ren Quel­len auf den ers­ten bei­den. Die Anbin­dung an Bank­kon­ten läuft in den USA über den Daten­dienst Plaid und dient nach des­sen Dar­stel­lung dem Über­blick über Sal­den, Trans­ak­tio­nen, Depots und Hypo­the­ken; Berich­te beschrei­ben sie als lesend. Bezahlt wird über Stri­pe Link: Wo ein Händ­ler Link akzep­tiert, nutzt der Agent die dort hin­ter­leg­te Zah­lungs­me­tho­de des Kun­den, sonst stellt Link eine Ein­mal-Kar­te für den frei­ge­ge­be­nen Kauf aus. Die Kar­ten­da­ten sieht der Agent nach Stripes Anga­ben nicht, und vor einem Kauf ist die Frei­ga­be des Nut­zers vor­ge­se­hen. Einen auto­ma­ti­schen Cash Sweep, also das selbst­stän­di­ge Ver­schie­ben von Gut­ha­ben zwi­schen Kon­ten, habe ich in den geprüf­ten Quel­len nicht gefun­den. Auch Beob­ach­ter wie Yel­low wei­sen dar­auf hin, dass die Plaid-Anbin­dung Zugriff auf Kon­to­da­ten zeigt, nicht aber auto­ma­ti­sches Ver­schie­ben zwi­schen Ban­ken. Wer von einem Agen­ten spricht, der Ein­la­gen ver­wal­tet, redet der­zeit über die dritt…