Neobanken traten an, das Bankgeschäft neu zu erfinden. Gut ein Jahrzehnt später sind die meisten verschwunden, und die wenigen profitablen verdanken ihre Gewinne der ältesten Ertragsquelle des Bankwesens: dem Zins. Ihre hartnäckigsten Probleme liegen ebenfalls dort, wo Banken sie immer hatten, bei Kontrolle und Aufsicht. Der Begriff Neobank beschrieb von Anfang an eher einen Vertriebsweg als ein Geschäftsmodell, und dieser Unterschied tritt nun offen zutage.
Ein Versprechen ohne eigenes Ertragsmodell
Das Versprechen der Neobanken war einfach und wirkungsvoll: Bankgeschäft als reibungslose digitale Erfahrung, ohne Filialen, ohne veraltete Kernbankensysteme, ohne die Kostenlast der etablierten Häuser. N26, Revolut, Monzo, bunq und Starling verstanden sich als Technologieunternehmen, die zufällig eine Banklizenz besaßen oder eine solche anstrebten. Die Kunden kamen in großer Zahl. Woran die Institute verdienen sollten, blieb dagegen lange unklar. Interchange-Gebühren aus Kartenzahlungen, Premium-Abonnements und Wechselkursaufschläge trugen die Kosten nicht. Die Lücke schloss das Risikokapital.
Auf diesem Blog wurde im Sommer 2020 die Auffassung vertreten, die Pandemie verursache die Schwierigkeiten der Neobanken nicht, sondern lege deren strukturelle Schwächen offen. Die Einnahmen stiegen, die Verluste aber ebenso. Die eigentlichen Probleme lägen nicht auf der technischen Ebene, sondern bei Regulatorik, Unternehmensführung, Mitarbeiterführung und dem Interessenausgleich mit Kunden, Aufsicht und Öffentlichkeit. Im Frühjahr 2023 schien die Entwicklung diese Skepsis noch zu übertreffen. Die Fidor Bank wurde abgewickelt, Goldman Sachs schloss seine Digitalbank Marcus, die britische Bank North gab auf, nachdem keine neue Finanzierungsrunde zustande kam, und in Australien verschwanden gleich mehrere Neobanken vom Markt. Eine Studie der Beratung Simon-Kucher fand unter 400 untersuchten Neobanken weniger als fünf Prozent, die den Break-even erreicht hatten. Die Episode der Neobanken, so die Schlussfolgerung damals, neige sich dem Ende zu.
Die Zinswende als Retter
Für die meisten Neobanken traf diese Prognose zu. Für die wenigen an der Spitze nicht, und der Grund dafür ist aufschlussreich. Der Zinsanstieg ab 2022 wirkte in zwei Richtungen zugleich. Er ließ das Risikokapital versiegen und traf damit alle, die auf neue Finanzierungsrunden angewiesen waren. Zugleich verwandelte er die Einlagen auf kostenlosen Girokonten, die in der Nullzinsphase kaum etwas einbrachten, in eine ergiebige Ertragsquelle. Wer eine Banklizenz und große Einlagenbestände besaß, verdiente plötzlich am Zins.
Die niederländische bunq zeigt das in seltener Deutlichkeit. 2023 meldete sie nach elf Jahren erstmals ein volles Gewinnjahr mit 53 Mio. Euro. Der Nettozinsertrag stieg von 41,4 Mio. auf 127,1 Mio. Euro, die Gebühreneinnahmen um 30 Prozent auf 59,45 Mio. Euro. Der Gewinn war damit nahezu vollständig ein Zinsgewinn. Bei der britischen Starling, seit fünf Geschäftsjahren in Folge profitabel, sieht man inzwischen die Gegenbewegung. Im Geschäftsjahr bis März 2026 fiel der Umsatz von 940,0 Mio. £ auf 887,4 Mio. £, was die Bank selbst auf das nachlassende Zinsniveau zurückführt, und im Juli folgte die Ankündigung, rund 130 Stellen abzubauen.
Die Ironie liegt auf der Hand. Die Institute, die das Bankgeschäft neu erfinden wollten, wurden profitabel durch das älteste Bankgeschäft überhaupt: die Differenz zwischen dem, was Einlagen kosten, und dem, was sie einbringen. Die Gewinne der Neobanken sind damit weniger ein Beleg für ein neues Geschäftsmodell als für eine günstige Zinsphase, die jede B…
