Eine frü­he­re Ein­schät­zung der Bra­wo Group benann­te Kom­ple­xi­tät, Klum­pen­ri­si­ko und feh­len­de Kohä­renz als Schwach­stel­len eines unge­wöhn­li­chen Genos­sen­schafts­kon­zerns. Die aktu­el­len Zah­len bestä­ti­gen die­se Dia­gno­se fast punktgenau.


Vor eini­ger Zeit stand die Bra­wo Group in dem Bei­trag “Bra­wo Group: Zwi­schen genos­sen­schaft­li­chen Wur­zeln und Kon­zern­lo­gik” (August 2025) als Son­der­fall im Genos­sen­schafts­we­sen zur Debat­te: 380 Gesell­schaf­ten, 2.400 Mit­ar­bei­ter, ein Fünf-Säu­len-Modell aus Finan­ce, Green Ener­gy, Real Estate, Cor­po­ra­te Invest­ments und CSR, dazu bun­des­wei­te Immo­bi­li­en­ak­ti­vi­tä­ten, ein Ede­ka-Groß­han­del, Hotels, Restau­rants und eine Betei­li­gung an einer Braue­rei. Die Ein­schät­zung war vor­sich­tig zwei­ge­teilt: Auf der einen Sei­te die Mög­lich­keit eines neu­en “Eco­sys­tem Ban­king”, das Mit­glie­dern alle Lebens­be­rei­che inte­griert anbie­tet. Auf der ande­ren Sei­te die War­nung, dass 380 Toch­ter­ge­sell­schaf­ten sich kaum demo­kra­tisch kon­trol­lie­ren las­sen, dass die Diver­si­fi­ka­ti­on sich von den Mit­glie­der­in­ter­es­sen ent­fernt und dass ein erheb­li­ches Klum­pen­ri­si­ko in der Immo­bi­li­en­kon­junk­tur liegt.

Eine frü­he­re, bereits im Juli 2024 ver­öf­fent­lich­te Ana­ly­se war dage­gen von deut­li­che­rer Skep­sis geprägt: Mit Ver­weis auf ande­re Volks­ban­ken, die außer­halb ihres ange­stamm­ten Geschäfts wenig Erfolg gehabt hat­ten, wur­de offen bezwei­felt, ob ein Enga­ge­ment auf dem Duis­bur­ger Immo­bi­li­en­markt oder in der Gas­tro­no­mie einer Regio­nal­bank aus Braun­schweig über­haupt nüt­zen könne.

Die Zah­len, die die Bank für das Geschäfts­jahr 2025 vor­ge­legt hat, beant­wor­ten die­se offe­ne Fra­ge inzwi­schen recht eindeutig.

Das Klum­pen­ri­si­ko: von der Ver­mu­tung zur Kennzahl

Die frü­he­re Ana­ly­se for­mu­lier­te das Immo­bi­li­en­ri­si­ko noch als Inter­pre­ta­ti­on: Eine der­art diver­si­fi­zier­te Genos­sen­schafts­bank mache sich abhän­gig von einer ein­zi­gen Kon­junk­tur­li­nie. Die aktu­el­le Bilanz lie­fert dazu die Kenn­zahl. Von den Wert­be­rich­ti­gun­gen, die zu einem vor­läu­fi­gen Jah­res­ver­lust von 608,1 Mil­lio­nen Euro geführt haben, ent­fällt der weit über­wie­gen­de Anteil – rund 80 Pro­zent – auf das Immo­bi­li­en­ge­schäft. Nicht das Kre­dit­buch im enge­ren Sinn, nicht das Kern­ge­schäft mit Pri­vat- und Fir­men­kun­den, son­dern genau jenes Seg­ment, das die Bank über den genos­sen­schaft­li­chen Kern­auf­trag hin­aus auf­ge­baut hat­te, trägt die Haupt­last des Einbruchs.

Um das dar­aus ent­stan­de­ne Loch zu schlie­ßen und die auf­sichts­recht­li­chen Eigen­ka­pi­tal­an­for­de­run­gen zu erfül­len, sind nach Anga­ben der Bank bis zu 720 Mil­lio­nen Euro nötig – 473 Mil­lio­nen Euro an Garan­tien und bis zu 250 Mil­lio­nen Euro an Anteilszeichnu…