Bera­ter- und Bera­tungs­häu­ser sind sich einig: Das deut­sche Pri­va­te Ban­king wächst, von 6,5 auf pro­gnos­ti­zier­te 8,5 Bil­lio­nen Euro ver­wal­te­tes Ver­mö­gen bis 2030. Die­sel­ben Stu­di­en notie­ren zugleich eine “neue Dimen­si­on” der Kon­so­li­die­rung im sel­ben Seg­ment – und immer neue Anbie­ter, von inter­na­tio­na­len Groß­ban­ken bis zur Evan­ge­li­schen Bank aus Kas­sel, drän­gen in einen Markt, den sie selbst als “zuneh­mend umkämpft” beschrei­ben. Am Bei­spiel der BW-Bank-Expan­si­on nach Braun­schweig zeigt sich, wie die­ses Wachs­tum tat­säch­lich zustan­de kommt: nicht durch neue Nach­fra­ge, son­dern durch den Trans­fer bereits gebun­de­ner Kun­den­bü­cher zwi­schen Insti­tu­ten. Und die Prä­mis­se hin­ter der Wachs­tums­pro­gno­se selbst – dass Unter­neh­mens­ver­mö­gen in wach­sen­dem Umfang zu Pri­vat­ver­mö­gen wird – steht im Wider­spruch zu aktu­el­len Nach­fol­ge- und Insol­venz­zah­len, die in die ande­re Rich­tung weisen.


Wer alles einsteigt

Die Lis­te der Neu­ein­stei­ger ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren län­ger gewor­den, nicht kür­zer: inter­na­tio­na­le Groß­ban­ken, unab­hän­gi­ge Ver­mö­gens­ver­wal­ter, digi­ta­le Anbie­ter – und, als beson­ders auf­schluss­rei­ches Bei­spiel, im August 2026 auch die Evan­ge­li­sche Bank aus Kas­sel, eine genos­sen­schaft­li­che Kir­chen­bank mit einer Bilanz­sum­me von 8,83 Mil­li­ar­den Euro. Sie star­te­te ein eigen­stän­di­ges Pri­va­te-Ban­king-Ange­bot und beschrieb den Markt, den sie damit betritt, selbst als “zuneh­mend umkämpft”. Wenn ein the­ma­tisch eng pro­fi­lier­tes Nischen­in­sti­tut mit einer Kun­den­ba­sis aus Kir­che, Dia­ko­nie und Sozi­al­wirt­schaft die­sen Schritt für nötig hält, ist das ein Indiz dafür, dass Dif­fe­ren­zie­rung über Betreu­ungs­qua­li­tät allein längst nicht mehr reicht – jeder will an den­sel­ben, end­li­chen Pool ver­mö­gen­der Kun­den heran.

Ver­schär­fend kommt hin­zu, dass auch die tra­di­tio­nel­len Regio­nal­ban­ken selbst deut­lich auf­ge­holt haben: Ein bun­des­wei­ter Pri­va­te-Ban­king-Test 2026, der über 100 Insti­tu­te anhand rea­ler Bera­tungs­ge­sprä­che unter­such­te, attes­tiert Spar­kas­sen und Volks­ban­ken inzwi­schen “exzel­len­tes Niveau” in der Ver­mö­gens­be­ra­tung. Die neu­en Wett­be­wer­ber tref­fen also nicht auf einen unter­ent­wi­ckel­ten Markt, son­dern auf einen, in dem auch die eta­blier­ten Regio­nal­in­sti­tu­te selbst kein leich­tes Ziel mehr sind.

Das Fall­bei­spiel: die BW-Bank in Braunschweig

Wie sich die­ser über­füll­te Markt kon­kret bespie­len lässt, zeigt die Expan­si­on der BW-Bank – der Wealth-Manage­ment-Mar­ke der Lan­des­bank Baden-Würt­tem­berg – nach Braun­schweig und Köln zum Jah­res­be­ginn 2027. Braun­schweig ist dabei kein unter­ver­sorg­ter Stand­ort: Beren­berg unter­hält dort bereits seit 2010 eine eige­ne Wealth-Manage­ment-Prä­senz und hat ihr Fili­al­netz zuletzt sogar erwei­tert (Han­no­ver, Nürn­berg). Die tra­di­ti­ons­rei­che Braun­schwei­ger Löbb­ecke-Bank ist zwar nicht mehr eigen­stän­dig vor Ort – sie ging 2016 in M.M. War­burg & Co. auf, die Braun­schwei­ger Nie­der­las­sung wur­de 2019 geschlos­sen –, ihre Kun­den­ba­sis wird aber wei­ter­hin von Ham­burg aus bedient.

Der eigent­li­che Mecha­nis­mus, über den die BW-Bank in die­sem Markt Fuß fasst, ist denn auch nicht die Stand­orteröff­nung selbst, son­dern eine Per­so­na­lie: Sascha Köcke­ritz über­nimmt die neue Wealth-Manage­ment-Lei­tung – und wech­selt dafür von der Braun­schwei­ger Pri­vat­bank, einer 2013 gegrün­de­ten Toch­ter der Volks­bank BRAWO. Mi…