Wäh­rend Post-Quan­ten-Kryp­to­gra­fie seit 2024 offi­zi­ell stan­dar­di­siert ist, klafft in der betrieb­li­chen Pra­xis noch eine erheb­li­che Lücke: Nur sie­ben Pro­zent der Unter­neh­men haben quan­ten­si­che­re Ver­schlüs­se­lung bereits flä­chen­de­ckend aus­ge­rollt, obwohl 87 Pro­zent sie pla­nen. Im fol­gen­den Inter­view erläu­tert Dani­el Ströh­mann (Foto), Vice Pre­si­dent of Solu­ti­on Engi­nee­ring bei Digi­Cert, war­um sich Zer­ti­fi­zie­rungs­stel­len dabei vom rei­nen Aus­stel­ler lang­le­bi­ger Doku­men­te zum per­ma­nen­ten Betrei­ber kurz­le­bi­ger Ver­trau­ens­an­ker wan­deln – befeu­ert durch kür­ze­re Zer­ti­fi­kats­lauf­zei­ten, wach­sen­den Auto­ma­ti­sie­rungs­druck und neue Bedro­hun­gen durch auto­no­me KI-Agen­ten im Netz­werk. Dabei wird deut­lich: Kryp­to­agi­li­tät ist längst kei­ne rein tech­ni­sche Fra­ge mehr, son­dern ent­schei­det sich im orga­ni­sa­to­ri­schen Design – lan­ge bevor der eigent­li­che „Q‑Day” eintritt.

  • Herr Ströh­mann, wie wür­den Sie die Rol­le von Digi­Cert im Markt für Cyber­se­cu­ri­ty sowie Ihre eige­ne als Vice Pre­si­dent of Solu­ti­on Engi­nee­ring beschreiben?

Die Mis­si­on lau­tet „Secu­ring peo­p­le, data, devices, and agents in a quan­tum world“. Unser Anspruch geht dabei weit über die Bereit­stel­lung ein­zel­ner Sicher­heits­pro­duk­te hin­aus. Wir ver­ste­hen unse­re Auf­ga­be dar­in, Unter­neh­men auf dem Weg zu einer nach­hal­tig siche­ren digi­ta­len Kom­mu­ni­ka­ti­on zu beglei­ten und sie dabei zu unter­stüt­zen, Best Prac­ti­ces im Bereich Digi­tal Trust dau­er­haft zu eta­blie­ren. Dafür betrach­ten wir Cyber­se­cu­ri­ty ganz­heit­lich – mit einem 360°-Blick auf Tech­no­lo­gien, Pro­zes­se, Men­schen und regu­la­to­ri­sche Anfor­de­run­gen. Wir wol­len nicht nur die Her­aus­for­de­run­gen von heu­te lösen, son­dern auch die­je­ni­gen anti­zi­pie­ren, die durch künst­li­che Intel­li­genz, auto­no­me Sys­te­me, neue Angriffs­for­men und sich wan­deln­de gesetz­li­che Anfor­de­run­gen ent­ste­hen wer­den. Unser Ziel ist es, die­se zuneh­men­de Kom­ple­xi­tät für unse­re Kun­den so weit wie mög­lich zu reduzieren

Dani­el Ströh­mann, Vice Pre­si­dent of Solu­ti­on Engi­nee­ring bei DigiCert

Des­halb stel­len wir ihnen einen modu­la­ren Bau­kas­ten an Tech­no­lo­gien, Ser­vices und Exper­ti­se zur Ver­fü­gung, aus dem sie die für ihre Anfor­de­run­gen pas­sen­de Sicher­heits­ar­chi­tek­tur auf­bau­en kön­nen. Unser Anspruch an uns selbst ist es, den Gold­stan­dard für siche­re digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­on zu set­zen – nicht nur tech­no­lo­gisch, son­dern auch hin­sicht­lich Zuver­läs­sig­keit, Auto­ma­ti­sie­rung und Zukunfts­si­cher­heit. Davon pro­fi­tie­ren unse­re Kun­den jeden Tag: Sie gewin­nen Ver­trau­en, redu­zie­ren Risi­ken und kön­nen sich auf ihr Kern­ge­schäft kon­zen­trie­ren, wäh­rend wir dafür sor­gen, dass ihre digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­on auch mor­gen noch sicher ist.

Hier schließt sich der Bogen zu mei­ner Auf­ga­be. Gemein­sam mit den Exper­ten in mei­nem Team bin ich täg­lich bei Kun­den. Wir ana­ly­sie­ren die aktu­el­len Her­aus­for­de­run­gen, ent­wi­ckeln einen Soll-Zustand und einen kon­kre­ten Umset­zungs­plan auf Basis unse­rer Lösun­gen. Dabei neh­men wir auch neue Anfor­de­run­gen an unse­re Pro­duk­te auf und dis­ku­tie­ren die­se mit der Pro­dukt­ent­wick­lung, um auch mor­gen die rich­ti­gen Pro­duk­te zu haben.

  • Was sind aus Ihrer Sicht die wesent­li­chen Ände­run­gen, die sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auf dem Gebiet der Cyber­se­cu­ri­ty ereig­net haben?

Die digi­ta­le und die rea­le Welt sind untrenn­bar gewor­den. Je nach Bran­che hängt von der digi­ta­len Ver­füg­bar­keit ab, ob eine medi­zi­ni­sche Behand­lung durch­ge­führt oder ein Kino­ti­cket bezahlt wer­den kann. Gleich­zei­tig gibt es immer mehr Inno­va­tio­nen, die auch eine moder­ne Cyber­se­cu­ri­ty vor neue Fra­gen stel­len – PQC und KI gehö­ren dazu. Ich wür­de sogar sagen, dass KI PQC ein­deu­tig über­holt hat.

Dar­auf reagie­ren Indus­trien und Län­der mit wei­te­ren Nor­men, Geset­zen und Stan­dards, die im Ernst­fall kri­ti­sche Infra­struk­tu­ren schüt­zen sollen.

Tech­nisch sehen wir eben­falls viel Ver­än­de­rung: Ver­kürz­te Zer­ti­fi­kats­lauf­zei­ten im öffent­li­chen Umfeld sol­len zu Auto­ma­ti­sie­rung und Kryp­to­agi­li­tät moti­vie­ren. Gera­de in den letz­ten zwei Jah­ren wur­de die teils noch sehr nebu­lö­se PQC-Dis­kus­si­on durch die sehr rea­le Fra­ge abge­löst: „Wie schüt­ze ich mich eigent­lich vor einem bös­ar­ti­gen KI-Agen­ten im Netzwerk?“

  • Wie soll­te der Umgang mit beson­ders kri­ti­schen Gerä­te­zer­ti­fi­ka­ten – etwa im Gesund­heits­we­sen – aus­se­hen, wenn Aus­fall­si­cher­heit über den übli­chen IT-Stan­dard hinausgeht?

Kryp­to­gra­fisch, also auf Ebe­ne der zugrun­de lie­gen­den Mathe­ma­tik, gibt es oft wenig Unter­schied zwi­schen der Absi­che­rung einer Steu­er­erklä­rung, des Online­ban­kings oder eines EKGs im Kran­ken­haus. Daher liegt die Bri­sanz meist „links und rechts“ neben dem digi­ta­len Zer­ti­fi­kat. Ein EKG-Gerät zum Bei­spiel wird oft über Jahr­zehn­te ein­ge­setzt. In die­ser Zeit wird es Inno­va­tio­nen geben, die den Her­stel­ler zu einer stär­ke­ren Cyber­se­cu­ri­ty bewe­gen: ande­re Schlüs­sel­ty­pen, kür­ze­re Zer­ti­fi­kats­lauf­zei­ten, Soft­ware­up­dates oder die Umset­zung von Zero-Trust-Konzepten.

Daher set­zen Unter­neh­men am bes­ten auf fle­xi­ble Lösun­gen, die auf neue Anfor­de­run­gen reagie­ren kön­nen. Eine glo­bal ver­teil­te Flot­te von EKG-Gerä­ten muss also per Soft­ware­up­date eine Schwach­stel­le schlie­ßen und ein neu­es Zer­ti­fi­kat aus­rol­len kön­nen – sol­che Kon­zep­te gehö­ren heu­te ab Tag 1 der Ent­wick­lung berück­sich­tigt. Gera­de im Bereich von IoT-Gerä­ten, also ver­netz­ten intel­li­gen­ten Gerä­ten wie dem EKG, bie­ten wir hier­für maß­ge­schnei­der­te Lösun­gen für die gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen in die­sem Feld.

  • Stel­len neue, dezen­tral gepräg­te Ansät­ze wie Block­chain- oder Merk­le-Baum-Struk­tu­ren die klas­si­schen Zer­ti­fi­zie­rungs­stel­len grund­sätz­lich infra­ge, oder ergän­zen sie deren Rol­le eher?

Hier müs­sen wir die Begrif­fe tren­nen und auf die Geschäfts­fel­der über­tra­gen. Im Bereich der Post-Quan­ten-Kryp­to­gra­fie gibt es vie­le Her­aus­for­de­run­gen, eine davon ist die Signa­tur­grö­ße: Sie fällt im Ver­gleich zu heu­ti­gen Ver­fah­ren über­pro­por­tio­nal groß aus. Das beein­flusst bei jedem Besuch einer Web­sei­te und bei jeder Bank­trans­ak­ti­on die Men­ge der über­tra­ge­nen Daten. In eini­gen Sys­te­men wird das zu einer ech­ten tech­ni­schen Her­aus­for­de­rung. Merk­le Trees hel­fen genau bei die­sem spe­zia­li­sier­ten Pro­blem. Damit ver­än­dern sie auf tech­ni­scher Ebe­ne unser Arbeits­mo­dell, sofern sie sich in der heu­te dis­ku­tier­ten Form durch­set­zen. Das Web of Trust hat sich – ähn­lich wie Bit­co­in – in der Geschäfts­welt nicht als Stan­dard eta­bliert, auch wenn ihre tech­ni­schen Bau­stei­ne – Merk­le-Struk­tu­ren etwa in der Cer­ti­fi­ca­te Trans­pa­ren­cy – längst Teil der klas­si­schen Welt sind.

  • Wel­che Bedeu­tung hat es, dass zen­tra­le Bau­stei­ne des Inter­nets – wie Open­S­SL – bereits heu­te Post-Quan­ten-Ver­fah­ren unter­stüt­zen, wäh­rend vie­le Unter­neh­men davon noch weit ent­fernt sind?

Open­S­SL ist ein fun­da­men­ta­les Werk­zeug in der ange­wand­ten, tag­täg­li­chen Kryp­to­gra­fie. Wie fun­da­men­tal Open­S­SL ist, zeig­te sich 2014, als die Heart­bleed-Schwach­stel­le die digi­ta­le Welt über Nacht kom­plett auf den Kopf stell­te. Kurz gesagt: Ist Open­S­SL kaputt, ist die Welt kaputt.

Posi­tiv for­mu­liert: Wenn Open­S­SL PQC beherrscht, dann beherrscht es die Welt – und es ist eine Fra­ge der Zeit, bis PQC in den nächs­ten Ver­sio­nen der Sys­te­me Berück­sich­ti­gung fin­det. Eben­so wer­den die neu­en Algo­rith­men und Schlüs­sel­ty­pen zum Stan­dard, denn sie bie­ten mehr Vor­tei­le als nur den Schutz vor den Fähig­kei­ten zukünf­ti­ger Quantencomputer.

Dass vie­le Unter­neh­men davon heu­te noch ein Stück ent­fernt sind, ist der nor­ma­le Weg: Erst kann es die Basis-Tech­no­lo­gie, dann die Pro­duk­te, dann der Betrieb. Ent­schei­dend ist des­halb nicht, wann PQC in Open­S­SL ankommt, son­dern ob ich weiß, wo mei­ne Zer­ti­fi­ka­te und Schlüs­sel lie­gen – und ob ich sie tau­schen kann, ohne dass der Betrieb stillsteht.

  • Wo steht die Post-Quan­ten-Kryp­to­gra­fie heu­te wirk­lich – zwi­schen abge­schlos­se­ner Stan­dar­di­sie­rung und tat­säch­li­cher Praxistauglichkeit?

Den aktu­el­len Stand abschlie­ßend zu defi­nie­ren, über­las­se ich ande­ren. Ich beob­ach­te die Ent­wick­lun­gen und fol­ge auf diver­sen Platt­for­men klu­gen Köp­fen, die dazu deut­lich mehr sagen kön­nen als ich. Was ich tei­len kann, sind mei­ne Beob­ach­tun­gen: Die Spann­wei­te reicht von Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­kern, die glau­ben, es gebe längst Quan­ten­com­pu­ter, die heu­ti­ge Ver­schlüs­se­lung bre­chen, bis hin zu Wis­sen­schaft­lern, die bezwei­feln, dass sich sol­che Sys­te­me jemals wirt­schaft­lich betrei­ben las­sen. In abge­schwäch­ter Form sehe ich das auch in Unter­neh­men: Medi­zin, Finan­zen, Staat und Rüs­tung neh­men die Mög­lich­keit zumin­dest ernst und berei­ten sich mit den genann­ten Maß­nah­men rund um Kryp­to­agi­li­tät dar­auf vor; ande­re Unter­neh­men stel­len das The­ma bis­lang zurück. Nüch­tern betrach­tet ist die Stan­dar­di­sie­rung seit 2024 abge­schlos­sen – die Pra­xis ist gespal­ten: Beim Schlüs­sel­aus­tausch im Web ist rund die Hälf­te der Domains bereits hybrid quan­ten­si­cher unter­wegs, bei den Zer­ti­fi­ka­ten selbst ste­hen wir dage­gen noch am Anfang. Unse­re eige­ne Befra­gung von rund 1.000 Secu­ri­ty-Ver­ant­wort­li­chen zeigt das­sel­be Bild: 87 Pro­zent pla­nen quan­ten­si­che­re Ver­schlüs­se­lung, breit aus­ge­rollt haben sie erst 7 Prozent.

Sich heu­te die Fle­xi­bi­li­tät zu schaf­fen, um mor­gen auf Ver­än­de­run­gen reagie­ren zu kön­nen, ist der Schlüs­sel zum Erfolg – sobald die Glas­ku­gel kla­rer wird.

  • Wel­che tech­ni­schen und orga­ni­sa­to­ri­schen Hür­den bestehen noch, bevor quan­ten­si­che­re Ver­fah­ren flä­chen­de­ckend ein­setz­bar sind?

„Auf­tra­gen und Polie­ren“ hieß es bei Kara­te Kid. Pra­xis und Rou­ti­ne müs­sen tech­nisch und orga­ni­sa­to­risch eta­bliert wer­den, um dem The­ma mit Selbst­ver­ständ­lich­keit zu begeg­nen, es zu ent­mys­ti­fi­zie­ren und auf rea­le Bei­ne zu stel­len. Die Hür­den selbst sind dabei gut benenn­bar: Auf der tech­ni­schen Sei­te Hard­ware aus einer Zeit, in der nie­mand an PQC gedacht hat, dazu Zer­ti­fi­ka­te, HSMs und Lie­fe­ran­ten­pro­duk­te, die die neu­en Ver­fah­ren erst nach und nach unter­stüt­zen. Auf der orga­ni­sa­to­ri­schen Sei­te steht an ers­ter Stel­le das feh­len­de Kryp­to-Inven­tar – wer nicht weiß, was er im Ein­satz hat, kann es auch nicht migrie­ren. Heart­bleed zeigt aber auch, dass in eta­blier­ten, von vie­len Augen beob­ach­te­ten Sys­te­men Feh­ler auch nach lan­ger Zeit noch gefun­den wer­den. Daher war­ten Cyber­se­cu­ri­ty-Exper­ten ger­ne erst ein­mal ab, wie sich etwas am Markt durch­setzt – ein klas­si­sches Hen­ne-Ei-Pro­blem. Auf­lö­sen lässt es sich nur, wenn jemand vor­an­geht – und das ist unser Job als Anbie­ter: die Ver­fah­ren bereit­stel­len, bevor der Markt danach ruft.

Unab­hän­gig davon, wann der Quan­ten­com­pu­ter kommt, um eta­blier­te Schlüs­sel mit wirt­schaft­lich ver­tret­ba­rem Auf­wand zu bre­chen: Der Fahr­plan ist klar.

Neue, siche­re Algo­rith­men eta­blie­ren. Inven­ta­ri­sie­rung und Auto­ma­ti­sie­rung von Zer­ti­fi­ka­ten – dann lässt sich am „Q‑Day“ der Wech­sel ein­fach voll­zie­hen. Mit der Inven­ta­ri­sie­rung kommt die Prio­ri­sie­rung: Was soll­te nach Risi­ko­be­trach­tung in wel­cher Rei­hen­fol­ge „PQC-rea­dy“ wer­den? Gap-Ana­ly­se: Was ist heu­te schon mög­lich und was wird mor­gen zusätz­lich gebraucht? So ent­steht aus etwas zunächst schwer Greif­ba­rem eine kla­re Vor­ge­hens­wei­se. Das ist auch mein täg­li­ches Geschäft in Kundengesprächen.

  • Ver­schiebt sich durch die Gleich­zei­tig­keit von kür­ze­ren Lauf­zei­ten, neu­en Ver­trau­ens­ar­chi­tek­tu­ren und PQC-Migra­ti­on die gesam­te Rol­le klas­si­scher Zertifizierungsstellen?

Ja, und zwar in bei­de Rich­tun­gen: Die Rol­le als Ver­trau­ens­an­ker gewinnt an Bedeu­tung, sie ver­än­dert aber auch ihren Cha­rak­ter. Wir stel­len nicht mehr in ers­ter Linie lang­le­bi­ge Doku­men­te aus, wir betrei­ben Ver­trau­en als Dienst. Wenn wir heu­te mit Ana­lo­gien wie Aus­weis oder Rei­se­pass über Zer­ti­fi­ka­te spre­chen, geht die Ent­wick­lung in den kom­men­den Jah­ren hin zu einem ein­zel­nen, kurz­le­bi­gen Visum. Zum Bei­spiel: Wie lan­ge darf ein auto­no­mer Agent unter wel­chen Spiel­re­geln was in der IT-Infra­struk­tur eines Unter­neh­mens aus­le­sen oder verändern?

Die PQC-Migra­ti­on ver­stärkt die­se Ver­schie­bung noch: Neue Algo­rith­men bedeu­ten neue Hier­ar­chien, neue Roots und eine Über­gangs­zeit, in der klas­si­sche und quan­ten­si­che­re Ket­ten par­al­lel bestehen.

Per­sön­lich emp­feh­le ich Kun­den schon heu­te, auf 45 Tage Lauf­zeit zu auto­ma­ti­sie­ren. In unse­rem Kos­ten­mo­dell ist das kos­ten­neu­tral mög­lich und zugleich siche­rer. Dadurch erhal­ten wir im Ver­gleich zu aktu­ell 199 Tagen bereits vier­mal mehr Zer­ti­fi­kats­an­fra­gen. Genau dar­in liegt der Rol­len­wan­del: Eine Zer­ti­fi­zie­rungs­stel­le muss heu­te rund um die Uhr ver­läss­lich lie­fern – sie ist Betrei­ber, nicht mehr nur Aussteller.

Bei all den Ver­än­de­run­gen und Her­aus­for­de­run­gen bleibt eini­ges kon­stant – ver­trag­li­che Ser­vice Level Agree­ments, Com­pli­ance und der Wunsch nach kom­pe­ten­tem Support.

  • Wel­che kon­kre­ten betrieb­li­chen Fol­gen hat die stu­fen­wei­se Ver­kür­zung der Zer­ti­fi­kats­lauf­zei­ten für Orga­ni­sa­tio­nen, und ab wel­chem Punkt wird Auto­ma­ti­sie­rung von einer sinn­vol­len Opti­on zur zwin­gen­den Voraussetzung?

Zuerst das Offen­sicht­li­che: Markt­stu­di­en gehen bei manu­el­len Pro­zes­sen von ca. 45 Minu­ten Arbeits­zeit pro Zer­ti­fi­kats­er­neue­rung aus. Durch die ver­kürz­ten Lauf­zei­ten fal­len die­se Auf­wän­de nun deut­lich häu­fi­ger an. Im Ver­gleich zum letz­ten Jahr haben sie sich bereits ver­dop­pelt, kom­men­des Jahr lie­gen wir bei Fak­tor 4 und ab 2029 beim acht­fa­chen Auf­wand. Auto­ma­ti­sie­rung rech­net sich schon heu­te allein auf Basis der redu­zier­ten manu­el­len Auf­wän­de. Wer acht­mal so oft manu­ell ein­greift, hat schlicht acht­mal so vie­le Gele­gen­hei­ten für einen mensch­li­chen Feh­ler – und jeder davon kann einen Aus­fall bedeu­ten. Jede wirt­schaft­li­che Betrach­tung führt zur glei­chen Erkennt­nis. Wer früh­zei­tig auto­ma­ti­siert, bleibt zudem auf dem Per­so­nal­markt unab­hän­gig von der Suche nach zusätz­lich benö­tig­ten Experten.

Neben der rei­nen Kos­ten­er­spar­nis und Risi­ko­mi­ni­mie­rung bleibt auch die Com­pli­ance ein wich­ti­ger Fak­tor. Die vol­le Punkt­zahl in einem Audit erreicht, wer die­se Pro­zes­se auto­ma­ti­siert hat.

  • Was bedeu­tet Kryp­to­agi­li­tät für Orga­ni­sa­tio­nen in der Pra­xis – ein rein tech­ni­sches Upgrade der Infra­struk­tur oder ein grund­le­gen­der Wan­del in der Art, wie Sicher­heit orga­ni­siert wird?

Es erfor­dert vor allem ein grund­le­gen­des Umden­ken und die Erkennt­nis: Was heu­te sicher ist, kann mor­gen bereits angreif­bar sein. Zwi­schen­fäl­le wie Log4j zei­gen, wie bin­nen Stun­den die Cyber­se­cu­ri­ty glo­bal erschüt­tert wer­den kann. Als Unter­neh­men muss ich auf die­se Art von Stör­fäl­len schnell reagie­ren kön­nen. Orga­ni­sa­to­risch heißt das vor allem: Kryp­to­gra­fie braucht einen kla­ren Eigen­tü­mer im Unter­neh­men, und das Kryp­to-Inven­tar ist kei­ne ein­ma­li­ge Pro­jekt­auf­ga­be, son­dern Dau­er­be­trieb. Bezo­gen auf das Zer­ti­fi­kats­ma­nage­ment bedeu­tet das, Zer­ti­fi­ka­te und Schlüs­sel schnell aus­tau­schen zu kön­nen, um Scha­den zu mini­mie­ren oder gänz­lich abzu­wen­den. Im Kon­text PQC muss Kryp­to­agi­li­tät aller­dings noch wei­ter­ge­dacht wer­den: Was in Sili­zi­um gegos­sen ist, lässt sich nicht per Update ändern. Kryp­to­agi­li­tät ent­schei­det sich des­halb im Design, nicht im Betrieb. Wer sie heu­te mit­denkt, muss mor­gen nicht raten, wann der Quan­ten­com­pu­ter kommt – er ist dann ein­fach vorbereitet.

  • Herr Ströh­mann, vie­len Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führ­te Ralf Keuper