Die Volks­bank eG – Die Gestal­ter­bank betreibt eine eige­ne Pay­ment-Wert­schöp­fungs­ket­te mit acht Toch­ter- und Betei­li­gungs­ge­sell­schaf­ten, eige­ner Acqui­ring-Lizenz und über 500 Mil­lio­nen Trans­ak­tio­nen jähr­lich. Das ist im deut­schen Genos­sen­schafts­sek­tor ohne Par­al­le­le. Doch wie kohä­rent ist die­ses Port­fo­lio tat­säch­lich? Folgt es einer stra­te­gi­schen Logik – oder ist es ein Gele­gen­heits­ge­bil­de, das nach­träg­lich zur „Pay­ment Group” geadelt wur­de? Und: Wenn selbst World­li­ne an der ver­ti­ka­len Pay­ment-Kon­so­li­die­rung schei­tert, was lässt eine Genos­sen­schafts­bank mit einem Bruch­teil der Res­sour­cen glau­ben, dass sie es bes­ser hinbekommt?


Die Bank

Die Gestal­ter­bank (Sit­ze Offen­burg und Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen) ent­stand durch eine Serie von Fusio­nen, zuletzt 2024 mit der Volks­bank Rhein-Wehra. Mit einer Bilanz­sum­me von 13,25 Mil­li­ar­den Euro, rund 131.000 Mit­glie­dern und 265.000 Kun­den gehört sie zu den größ­ten Genos­sen­schafts­ban­ken Baden-Würt­tem­bergs. Das Geschäfts­ge­biet erstreckt sich von der Orten­au über den Schwarz­wald und die Baar bis zum Hegau und Hoch­rhein. Vor­stands­vor­sit­zen­der ist Alex­an­der Müller.

Die Pay­ment Group

2008 grün­de­te die dama­li­ge Volks­bank Offen­burg die First Cash Solu­ti­on GmbH (1cs) als 100%-Tochter. Es war der Ein­stieg in einen Markt, den die meis­ten Genos­sen­schafts­ban­ken dem Ver­bund über­las­sen – kon­kret: der VR Pay­ment GmbH, einer Toch­ter der DZ Bank, die als zen­tra­ler Pay­ment-Spe­zia­list der genos­sen­schaft­li­chen Finanz­Grup­pe fun­giert. Die Gestal­ter­bank ging einen ande­ren Weg.

Seit 2008 wur­de die Pay­ment Group schritt­wei­se erwei­tert. Stand März 2026 umfasst sie acht Gesellschaften:

First Cash Solu­ti­on GmbH (seit 2008, Offen­burg) ist die Keim­zel­le und das Flagg­schiff: ein eigen­stän­di­ger Acqui­rer und Pay­ment Ser­vice Pro­vi­der mit eige­ner Acqui­ring-Lizenz, PCI-zer­ti­fi­ziert. Die 1cs wickelt nach eige­nen Anga­ben jähr­lich über 500 Mil­lio­nen Trans­ak­tio­nen ab und betreut mehr als 22.000 Händ­ler­kun­den – bun­des­weit. Das Pro­dukt­port­fo­lio „solution360” umfasst Kre­dit­kar­ten­ak­zep­tanz (Visa, Mas­ter­card, JCB, Uni­onPay, Diners), Giro­card-Netz­be­trieb, E‑Com­mer­ce-Pay­ment, Soft­POS-Lösun­gen, Gut­schein­kar­ten und Ver­bu­chungs­lö­sun­gen. Im März 2025 wur­de eine stra­te­gi­sche Part­ner­schaft mit JCB zur Expan­si­on der Kar­ten­ak­zep­tanz in Deutsch­land bekannt gegeben.

POS-cash­ser­vice GmbH (seit 2014, Dres­den): 20 Mit­ar­bei­ter, meh­re­re tau­send Händ­ler­kun­den, rein digi­ta­ler Ver­trieb mit eige­nem E‑Com­mer­ce-Shop für POS-Bezahl­lö­sun­gen und Terminal-Vermittlung.

SIT Solu­ti­on for IT-Pay­ment GmbH: Die Ent­wick­lungs­schmie­de der Pay­ment Group. Spe­zia­list für IT-Lösun­gen und Full-Ser­vice-Dienst­leis­tun­gen im bar­geld­lo­sen Zah­lungs­ver­kehr, mit natio­na­len und inter­na­tio­na­len Kun­den im Bereich Kun­den­bin­dung, E‑Commerce und Rechenzentrumsservices.

Gewinn­blick GmbH (seit 2020, Wolfrats­hau­sen): Über 40 Jah­re Markt­er­fah­rung, mehr als 14.000 Kun­den vor­wie­gend aus Gas­tro­no­mie und Hotel­le­rie, Kas­sen­sys­te­me an acht Stand­or­ten, 365-Tage-Notfallbetreuung.

gis­sih GmbH: Seit über 30 Jah­ren im POS-Bereich aktiv. Bedeu­ten­der Ver­mitt­ler von Bezahl­ter­mi­nals mit eige­nem POS-Zube­hör-Online­shop (bezahlregal.de).

Card4Vend GmbH: Spe­zia­list für elek­tro­ni­sche Kar­ten­zah­lun­gen im deut­schen Auto­ma­ten­markt (Ven­ding) – eine Nische, die von den gro­ßen Pay­ment-Anbie­tern wenig beach­tet wird.

Lynck Solu­ti­on GmbH (seit 2023, 100%-Tochter): E‑Com­mer­ce-Pro­ces­sing-Platt­form, die Pay­ment-Lösun­gen mit Risi­ko- und For­de­rungs­ma­nage­ment-Pro­duk­ten der Cre­dit­re­form verzahnt.

cazen­do GmbH (Betei­li­gung seit Febru­ar 2026, Offen­burg): Digi­ta­le Kas­sen­sys­te­me der nächs­ten Gene­ra­ti­on. Die jüngs­te Erweiterung.

Ergän­zend exis­tiert die First Inno­va­ti­on Invest GmbH (seit 2017) als Com­pa­ny-Buil­ding-Arm für Früh­pha­sen­be­tei­li­gun­gen an digi­ta­len Unternehmen.

Die Kun­den

Die Pay­ment Group ope­riert erkenn­bar nicht nur regio­nal, son­dern bun­des­weit. Zu den Refe­renz­kun­den der First Cash Solu­ti­on gehö­ren die Sem­per­oper Dres­den, der Fahr­rad-Filia­list Fahr­rad XXL, die Rot­haus AG (Braue­rei­gas­tro­no­mie), der Ticke­ting-Anbie­ter Reser­vix und diver­se Ein­zel­händ­ler und Gas­tro­no­mie­un­ter­neh­men. Im Part­ner­port­fo­lio fin­den sich der Pay­ment Ser­vice Pro­vi­der Com­pu­top (33 Mrd. Dol­lar Trans­ak­ti­ons­vo­lu­men jähr­lich), die ADG Apo­the­ken-Dienst­leis­tungs­ge­sell­schaft (4.700 Kun­den, Teil der Phoe­nix Group), Blue­code (Mobi­le Pay­ment) und easyCredit-Ratenkauf.

Die Kun­den­struk­tur zeigt: Die Pay­ment Group bedient vor­wie­gend den sta­tio­nä­ren Mit­tel­stand – Ein­zel­han­del, Gas­tro­no­mie, Hotel­le­rie, Kul­tur­ein­rich­tun­gen, Frei­zeit­wirt­schaft – und zuneh­mend auch den E‑Commerce. Das Ver­triebs­mo­dell setzt auf per­sön­li­che Betreu­ung und indi­vi­du­el­le Lösun­gen, nicht auf Self-Ser­vice-Platt­for­men. Die First Cash Solu­ti­on betont aus­drück­lich den per­sön­li­chen Ansprech­part­ner und die direk­te Erreich­bar­keit – ein Dif­fe­ren­zie­rungs­merk­mal gegen­über den gro­ßen Pay­ment-Platt­for­men, aber auch ein Skalierungslimit.

Stra­te­gi­sche Kohä­renz oder Gelegenheitsportfolio?

Acht Gesell­schaf­ten unter einer Dach­mar­ke – aber pas­sen sie zusam­men? Bei nähe­rer Betrach­tung las­sen sich die Unter­neh­men der Pay­ment Group in vier Funk­ti­ons­schich­ten ordnen:

Schicht 1 – Acqui­ring & Pro­ces­sing (der regu­lier­te Kern): First Cash Solu­ti­on als Acqui­rer, PSP und Lizenz­trä­ger, Lynck Solu­ti­on als E‑Com­mer­ce-Pro­ces­sing-Platt­form mit Cre­dit­re­form-Anbin­dung. Das ist die Infra­struk­tur, auf der alles ande­re auf­setzt – lizen­ziert, PCI-zer­ti­fi­ziert, regu­la­to­risch verankert.

Schicht 2 – Ver­trieb & Ter­mi­nal­dis­tri­bu­ti­on: POS-cash­ser­vice (digi­ta­ler Ter­mi­nal-Ver­trieb aus Dres­den) und gis­sih (POS-Ver