Die Deut­sche Bank redu­ziert ihr Fili­al­netz wei­ter und setzt auf KI-gestütz­te Kun­den­be­treu­ung. Die ange­kün­dig­ten Maß­nah­men fol­gen der bran­chen­wei­ten Logik der Pro­zess­au­to­ma­ti­sie­rung – mit bekann­ten Kon­se­quen­zen für Per­so­nal und Kundenbeziehung.


Die Fort­set­zung eines struk­tu­rel­len Anpassungsprozesses

Die Deut­sche Bank hat ange­kün­digt, ihr Fili­al­netz in Deutsch­land bis Ende 2026 um wei­te­re 100 Stand­or­te zu redu­zie­ren. Damit setzt sich ein Pro­zess fort, der die deut­sche Ban­ken­land­schaft seit Jah­ren prägt: die sys­te­ma­ti­sche Ver­la­ge­rung von Kun­den­in­ter­ak­tio­nen aus dem phy­si­schen in den digi­ta­len Raum. Ende 2025 betrug die Gesamt­zahl der Zweig­stel­len noch etwa 750 – ein Bruch­teil des­sen, was vor zwei Jahr­zehn­ten üblich war.

Die stra­te­gi­sche Begrün­dung folgt einer ver­trau­ten Argu­men­ta­ti­ons­li­nie: Filia­len sol­len für kom­ple­xe Bera­tungs­leis­tun­gen wie Haus­fi­nan­zie­run­gen oder Ver­mö­gens­an­la­gen erhal­ten blei­ben, wäh­rend Rou­ti­ne­trans­ak­tio­nen digi­ta­li­siert wer­den. Pri­vat­kun­den­vor­stand Clau­dio de Sanc­tis for­mu­liert dies als Ent­las­tung der Mit­ar­bei­ter von Ver­wal­tungs­auf­ga­ben zuguns­ten qua­li­fi­zier­ter Bera­tung. Was als Opti­mie­rung prä­sen­tiert wird, lässt sich prä­zi­ser als selek­ti­ve Ratio­na­li­sie­rung beschrei­ben: Die Bank trennt wert­schöp­fen­de von nicht-wert­schöp­fen­den Inter­ak­tio­nen und auto­ma­ti­siert Letztere.

KI-Agen­ten als neue Schnittstelle

Ab der zwei­ten Jah­res­hälf­te 2026 plant die Bank den Ein­satz eines KI-basier­ten “digi­ta­len Assis­ten­ten” in ihrer App. Die­ser soge­nann­te “But­ler” soll Kun­den bei All­tags­fra­gen zu Zah­lungs­ver­kehr, Kre­dit­kar­ten und App-Navi­ga­ti­on unter­stüt­zen. Die Funk­ti­on fügt sich in den Trend ein, den wir gegen­wär­tig über ver­schie­de­ne Bran­chen hin­weg beob­ach­ten: die Imple­men­ta­ti­on agen­ten­ba­sier­ter Sys­te­me als ers­te Kon­tak­tebe­ne zwi­schen Unter­neh­men und Kunden.

Die Deut­sche Bank betont, dass die­ser Agent mensch­li­che Bera­ter nicht erset­zen, son­dern Rou­ti­ne­an­fra­gen über­neh­men soll. Die­se For­mu­lie­rung wie­der­holt ein bekann­tes Mus­ter der Digi­ta­li­sie­rungs­kom­mu­ni­ka­ti­on – die Behaup­tung der Kom­ple­men­ta­ri­tät, wo fak­tisch Sub­sti­tu­ti­on statt­fin­det. Denn die Defi­ni­ti­on des­sen, was als “Rou­ti­ne­an­fra­ge” klas­si­fi­ziert wird, ist kei­ne tech­ni­sche, son­dern eine orga­ni­sa­to­ri­sche Ent­schei­dung. Sie bestimmt, wel­che Kun­den­in­ter­ak­tio­nen auto­ma­ti­siert wer­den kön­nen und wel­che mensch­li­che Inter­ven­ti­on erfordern.

Per­so­nal­ef­fek­te und orga­ni­sa­to­ri­sche Transformation

Die Kom­bi­na­ti­on aus Fili­al­schlie­ßun­gen und Digi­ta­li­sie­rung hat unmit­tel­ba­re Kon­se­quen­zen für die Beschäf­ti­gung im Pri­vat­kun­den­ge­schäft. Die Bank kom­mu­ni­ziert einen Stel­len­ab­bau pri­mär durch “natür­li­che Fluk­tua­ti­on” – Ruhe­stand und Abgän­ge ohne Neu­be­set­zung. Die­se Metho­de ver­mei­det zwar kon­flikt­träch­ti­ge Kün­di­gungs­wel­len, führt aber zur schlei­chen­den Aus­dün­nung per­so­nel­ler Kapazitäten.

Aus sys­tem­theo­re­ti­scher Per­spek­ti­ve han­delt es sich um einen klas­si­schen Fall orga­ni­sa­to­ri­scher Umwelt­an­pas­sung: Die Bank reagiert auf ver­än­der­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­wohn­hei­ten ihrer Kun­den (Prä­fe­renz digi­ta­ler Kanä­le) und öko­no­mi­schen Druck (Kos­ten­op­ti­mie­rung) durch Struk­tur­an­pas­sung. Die Reduk­ti­on phy­si­scher Prä­senz und der Auf­bau digi­ta­ler Schnitt­stel­len fol­gen einer Ratio­na­li­sie­rungs­lo­gik, die sich über die gesam­te Bran­che erstreckt.

Bran­chen­mus­ter und sys­te­mi­sche Einordnung

Was die Deut­sche Bank plant, ent­spricht dem Stan­dard der Bran­chen­trans­for­ma­ti­on. Spar­kas­sen, Volks­ban­ken und ande­re Pri­vat­ban­ken voll­zie­hen ver­gleich­ba­re Bewe­gun­gen. Die Fra­ge ist nicht, ob die­se Ent­wick­lung statt­fin­det, son­dern wie sie gestal­tet wird und wel­che Kol­la­te­ral­ef­fek­te sie produziert.

Kri­tisch bleibt zu beob­ach­ten, ob die Qua­li­tät der Kun­den­be­treu­ung tat­säch­lich steigt oder ob die Auto­ma­ti­sie­rung von Rou­ti­nen pri­mär Kos­ten­re­duk­ti­on dient, wäh­rend kom­ple­xe Bera­tung fak­tisch weni­ger ver­füg­bar wird. Die Erfah­rung mit frü­he­ren Digi­ta­li­sie­rungs­wel­len zeigt, dass die Defi­ni­ti­on von “Rou­ti­ne” expan­siv inter­pre­tiert wer­den kann – was heu­te als ein­fa­che Anfra­ge gilt, war ges­tern beratungsintensiv.

Die Deut­sche Bank posi­tio­niert sich mit ihrer KI-Stra­te­gie als Vor­rei­te­rin inner­halb der deut­schen Ban­ken­land­schaft. Ob der digi­ta­le Assis­tent die pro­gnos­ti­zier­ten Nut­zen­ge­win­ne erzielt oder ob er sich als wei­te­re Epi­so­de in der lan­gen Geschich­te halb­ge­lun­ge­ner Ban­ken­di­gi­ta­li­sie­rung erweist, wird sich erst in der prak­ti­schen Anwen­dung zei­gen. Die Ankün­di­gung selbst fügt sich jeden­falls naht­los in das ein, was man als struk­tu­rel­le Alter­na­tiv­lo­sig­keit moder­ner Finanz­dienst­leis­tung bezeich­nen könn­te: die schritt­wei­se Trans­for­ma­ti­on von Kun­den­be­zie­hun­gen in auto­ma­ti­sier­te Transaktionsprozesse.

Fazit: Die Deut­sche Bank voll­zieht eine bran­chen­ty­pi­sche Anpas­sung an digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­men. Die stra­te­gi­sche Erzäh­lung von Effi­zi­enz­ge­winn und Bera­tungs­qua­li­tät über­deckt die fak­ti­sche Ver­schie­bung: weni­ger Per­so­nal, weni­ger phy­si­sche Prä­senz, mehr Auto­ma­ti­sie­rung. Die Imple­men­tie­rung von KI-Agen­ten mar­kiert dabei kei­nen revo­lu­tio­nä­ren Bruch, son­dern die kon­se­quen­te Fort­set­zung eta­blier­ter Ratio­na­li­sie­rungs­mus­ter mit neu­en tech­no­lo­gi­schen Mitteln.


Quel­len:

Deut­sche Bank setzt auf KI und dünnt Fili­al­netz wei­ter aus (finanzen.ch, 25.01.2026): Die Deut­sche Bank plant bis Ende 2026 rund 100 Fili­al­schlie­ßun­gen, um auf Digi­ta­li­sie­rung zu set­zen; Ende 2025 gab es ca. 750 Zweig­stel­len. Ein KI-Assis­tent (“But­ler”) soll ab H2 2026 in der App Rou­ti­ne­fra­gen über­neh­men und App-Nut­zung erklä­ren. Link:
https://www.finanzen.ch/nachrichten/aktien/deutsche-bank-setzt-auf-ki-und-duennt-filialnetz-weiter-aus-1035743526

Deut­sche Bank dünnt Fili­al­netz wei­ter aus – KI soll in Zukunft Bera­ter erset­zen (Yahoo Finan­ce DE): Bericht zur Fili­al­re­duk­ti­on und KI-Ein­satz, basie­rend auf Aus­sa­gen von Vor­stand Clau­dio de Sanc­tis. Link:
https://de.finance.yahoo.com/nachrichten/deutsche-bank‑d%C3%BCnnt-filialnetz-ki-085758020.html

Deut­sche Bank setzt auf KI und dünnt Fili­al­netz wei­ter aus (Boersennews.de): Bestä­tigt 100 Fili­al­schlie­ßun­gen bis 2026, Fokus auf Digi­ta­li­sie­rung und KI für Kun­den­ser­vice. Link:
https://www.boersennews.de/nachrichten/artikel/dpa/deutsche-bank-setzt-auf-ki-und-duennt-filialnetz-weiter-aus/5018598/

Deut­sche Bank schließt 100 Filia­len – und will Bera­ter durch KI erset­zen (Busi­ness Insi­der DE, 25.01.2026): Details zu Stel­len­ab­bau durch Fluk­tua­ti­on, Filia­len blei­ben für kom­ple­xe Bera­tung; KI ent­las­tet Mit­ar­bei­ter. Link:
https://www.businessinsider.de/wirtschaft/deutsche-bank-schliesst-100-filialen-und-will-berater-durch-ki-ersetzen/

Deut­sche Bank setzt auf KI und dünnt Fili­al­netz wei­ter aus (Boersennews.de AFX): Ergän­zen­de Mel­dung zur Umstruk­tu­rie­rung im Pri­vat­kun­den­ge­schäft. Link:
https://www.boersennews.de/nachrichten/artikel/dpa-afx/deutsche-bank-setzt-auf-ki-und-duennt-filialnetz-weiter-aus/5018649/

Deut­sche Bank Aktie: KI-But­ler kommt – 100 Filia­len weg (trading-treff.de, 24.01.2026): Erwähnt KI-But­ler und Fili­al­kür­zun­gen als Akti­en­the­ma. Link:
https://trading-treff.de/trading/deutsche-bank-aktie-ki-butler-kommt-100-filialen-weg