Das Versprechen
Im Februar 2000, auf dem Höhepunkt der Neuen-Markt-Euphorie, trat die Falke Bank AG mit einem Versprechen an, das symptomatisch für eine ganze Generation deutscher Finanzgründungen war: Eine neue Privatbank für den Mittelstand, gegründet von Persönlichkeiten mit klingenden Namen – Dieter Falke aus der bekannten Strumpf-Dynastie, Ernst Fahling als Finanzfachmann, Roland Oetker als prominenter Geburtshelfer und Beiratsvorsitzender. Das Startkapital von 55 Millionen DM, die avisierten Renditen von 30 Prozent jährlich, der Fokus auf Unternehmen ab 100 Millionen DM Umsatz – alles schien auf eine Erfolgsgeschichte hinauszulaufen.
Weniger als drei Jahre später war das Projekt gescheitert, die Übernahme der Westfalenbank 2002 erwies sich als Flucht nach vorn, und die Bank versank in einem Geflecht aus Aktionärsklagen, Managementvorwürfen und dem, was ein Beobachter als “passive Sterbehilfe” bezeichnete.
Die Geschichte der Falke Bank ist kein Einzelfall. Sie ist vielmehr ein Lehrstück über ein Muster, das deutsche Privatbanken-Neugründungen seit Jahrzehnten prägt.
Die Anatomie des Scheiterns
Strukturelle Überforderung
Das deutsche Bankensystem ist keine Tabula rasa, auf der sich neue Akteure frei entfalten können. Es ist ein historisch gewachsenes, durch Regulierung, Verbundstrukturen und etablierte Kundenbeziehungen geprägtes Feld. Die drei Säulen – Privatbanken, Genossenschaftsbanken, Sparkassen – haben über Jahrzehnte Strukturen verfestigt, die für Neueinsteiger erhebliche Markteintrittsbarrieren darstellen.
Die Falke Bank betrat dieses Feld mit der für Neugründungen typischen Unterschätzung dieser strukturellen Gegebenheiten. Die Nische “Mittelstandsfinanzierung” war keine unbesetzte Marktlücke, sondern ein hart umkämpftes Terrain, auf dem Sparkassen, Volksbanken und etablierte Privatbanken über gewachsene Beziehungsnetzwerke verfügten, die sich nicht durch Kapital und Prominenz substituieren ließen.
Die Prominenz-Falle
Roland Oetker, Neffe von Ru…
