Zum ers­ten Mal seit dem Zins­schock 2022 hat ein offe­ner Immo­bi­li­en­fonds die Anteils­rück­nah­me aus­ge­setzt. Was als Ein­zel­fall erscheint, offen­bart ein sys­te­mi­sches Pro­blem: Die Kon­struk­ti­on offe­ner Immo­bi­li­en­fonds war von Beginn an ein Ver­spre­chen, das nur unter güns­ti­gen Bedin­gun­gen zu hal­ten ist. Das KAGB 2013 hat die Kri­se nicht gelöst – nur aufgeschoben.


Die Rück­kehr der Realität

Am 15. Janu­ar 2026 hat der Wert­grund Wohn­Sel­ect D die Anteils­rück­nah­me vor­über­ge­hend aus­ge­setzt. Der Fonds umfasst rund 290 Mil­lio­nen Euro Net­to­vo­lu­men, eine Ver­mie­tungs­quo­te von 96 Pro­zent und inves­tiert in deut­sche Wohn­im­mo­bi­li­en in Metro­pol­re­gio­nen und wirt­schaft­lich star­ken Mit­tel­städ­ten – auf dem Papier ein soli­des Port­fo­lio. Doch in der Rea­li­tät rei­chen die liqui­den Mit­tel nicht mehr aus, um die Rück­ga­be­wün­sche der Anle­ger zu bedie­nen, da Ver­kaufs­pro­zes­se über sechs Mona­te dau­ern und Ban­ken auf Käu­fer­sei­te restrik­tiv finanzieren.

Es ist der ers­te der­ar­ti­ge Fall seit der Bran­chen­kri­se 2008 bis 2012. Aber wer die Geschich­te offe­ner Immo­bi­li­en­fonds kennt, weiß: Es wird nicht der letz­te sein.

Das kol­lek­ti­ve Vergessen

Die Bran­che lei­det unter selek­ti­ver Amne­sie, obwohl die letz­te gro­ße Kri­se erst vor knapp zwei Jahr­zehn­ten lag. Nach dem Leh­man-Zusam­men­bruch 2008 setz­ten 17 offe­ne Immo­bi­li­en­fonds die Rück­nah­me aus, dar­un­ter CS Euro­re­al (bis zu sechs Mil­li­ar­den Euro Volu­men), SEB Immo­In­vest, KanAm Grund­in­vest, Mor­gan Stan­ley P2 Value, Degi Euro­pa und AXA Immo­sel­ect. Anle­ger ver­lo­ren ins­ge­samt 8,3 Mil­li­ar­den Euro; der Mor­gan Stan­ley P2 Value büß­te 52,8 Pro­zent ein, der TMW Welt­fonds 46,4 Pro­zent, wäh­rend Schwer­ge­wich­te wie CS Euro­re­al liqui­diert wur­den – mit Abwick­lun­gen über ein Jahr­zehnt. Spä­ter folg­ten Uni­Im­mo Glo­bal (2011) und db Immo­Flex (2011); die Kri­se ver­schon­te kei­ne Anbieter.

Die regu­la­to­ri­sche Antwort

Das Kapi­tal­an­la­ge­ge­setz­buch von 2013 reagier­te mit Min­dest­hal­te­fris­ten von 24 Mona­ten, unwi­der­ruf­li­chen Rück­ga­be­er­klä­run­gen zwölf Mona­te im Vor­aus und stren­ge­ren Liqui­di­täts­re­geln – ein Ver­spre­chen, dass Aus­set­zun­gen nicht mehr vor­kä­men. Doch e…