Eine neue Studie zeigt, dass ein neuronales Netz rund 71 Prozent der Handelsentscheidungen aktiver Fondsmanager korrekt vorhersagen kann. Das ist keine Aussage über Märkte – es ist eine Aussage über Routinen.
Wer bisher daran zweifelte, dass viele aktive Fondsmanager nach einem mehr oder weniger standardisierten Drehbuch handeln, bekommt nun ein quantitatives Argument geliefert. Ein neuronales Netz, trainiert auf Fondsdaten von 1990 bis 2023, kann mit etwa 71 Prozent Trefferquote vorhersagen, ob ein Manager eine Aktie kauft, hält oder verkauft. Die Eingabevariablen sind dabei nicht geheim: Fondsgröße, Mittelzuflüsse, Aktienmerkmale, das makroökonomische Umfeld.
Das Modell lernt keine Marktgeheimnisse. Es lernt die implizite Karrierelogik des Fondsmanagements.
Benchmarkdruck, Stilkonsistenz, die Reaktion auf Zuflüsse – das sind keine Entscheidungsfehler, sondern rationale Anpassungen an die institutionellen Spielregeln der Branche. Manager, die zu weit vom Erwartbaren abweichen, riskieren Kapitalabzug und Erklärungsbedarf gegenüber Investorenkomitees. Der eigentliche Gegner des Alpha ist also nicht Marktineffizienz, sondern die Anreizarchitektur der Branche selbst.
Besonders aufschlussreich ist der Befund an den Rändern: Die 29 Prozent der Entscheidungen, die sich der Vorhersage entziehen, erbringen im Schnitt rund 4,2 Prozentpunkte Mehrrendite pro Jahr. Je weniger schematisch das Verhalten, desto höher der tatsächliche Wertbeitrag. Echter Mehrwert ist strukturell selten – und, was für die Fondsbranche unangenehmer ist, kaum skalierbar. Auch das keine neue, revolutionäre Erkenntnis.
Daraus folgt eine einfache, aber unbequeme Konsequenz: Der routinemäßige Teil aktiven Managements – und der ist offenbar groß – lässt sich künftig günstiger reproduzieren. Für diesen Teil braucht es keinen teuren Starmanager, sondern ein trainiertes Modell und einen Indexfonds. Was bleibt, ist die Frage, wie ein Investor ex ante erkennt, ob er es mit dem seltenen, idiosynkratischen Typ zu tun hat oder mit einer gut vermarkteten Routine.
Die Studie löst diese Frage nicht. Aber sie liefert ein neues Selektionskriterium: Vorhersagbarkeit als Warnsignal. Je mehr ein Manager dem Muster folgt, desto mehr zahlt der Anleger für etwas, das eine Maschine günstiger erledigt.
Ralf Keuper
Quellen:
KI entlarvt Fondsmanager: 71 Prozent sind berechenbar https://www.msn.com/de-de/finanzen/top-stories/ki-entlarvt-fondsmanager-71-prozent-sind-berechenbar/ar-AA1X93em?ocid=BingHp01&cvid=485a2135bb1d4edda4498d536dda7278&ei=43
Studie: „Can Neural Networks Predict Fund Manager Trades?” – Daten 1990–2023, erschienen 2025.
