Tokenization: Entstehung neuer Märkte für Vermögenswerte aller Art – Interview mit Radoslav Albrecht (Bitbond)

Radoslav Albrecht (Gründer und CEO von Bitbond)

Es ist eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis sich fast alles, was einen wirtschaftlichen Wert hat, digitalisieren lässt. In der Fachsprache wird dieser Vorgang als Tokenization bezeichnet. Das führt, so Radoslav Albrecht (Foto), Gründer und CEO von Bitbond, im Interview zur Entstehung neuer Märkte, von denen sowohl Anleger wie auch Kapitalsuchende profitieren. Erst vor wenigen Wochen erhielt Bitbond als erstes Blockchain-Startup die Genehmigung der BaFin für die Ausgabe virtueller Wertpapiere. 

  • Herr Albrecht, was genau macht Bitbond?

Bitbond vermittelt Darlehen an Gewerbetreibende die eine Betriebsmittelfinanzierung brauchen. Wir sind eine internationale Plattform und haben Kunden aus über 80 Ländern.

  • Vor wenigen Wochen erhielt Bitbond als erstes Startup hierzulande die Genehmigung der BaFin für den Handel virtueller Wertpapiere – Was kann man sich darunter vorstellen – ist das für den “Normalanleger” ein relevantes Thema?

Wir haben im Oktober 2018 bei der BaFin einen Wertpapierprospekt für eine sogenannte tokenisierte Schuldverschreibung eingereicht. Dieser Prospekt ist nun gebilligt worden. Das ist insofern ein großer Schritt nach vorne, als das bisher kein anderes Unternehmen ein tokenisiertes Wertpapier herausgebracht hat, das in Deutschland gebilligt wurde. Laut Handelsblatt hat die BaFin bereits 130 ähnlicher Konzepte auf dem Tisch gehabt und hat diese entweder abgelehnt oder war nicht zuständig. Für “Normalanleger” ist das durchaus relevant, da sie Zugang zu neuen Assetklassen bekommen, die bis dato entweder gar nicht existiert haben oder aufgrund der Eintrittsbarrieren für Emittenten nur professionellen Anlegern vorenthalten war. Beim Bitbond BB1 Token zahlen wir einen aus unserer Sicht attraktiven Kupon von 4% p.a. plus einem variablen erfolgsabhängigen Kupon. Wir könnten das zwar auch als klassische Anleihe herausbringen, allerdings nur zu höheren Kosten und zu einem Mindestanlagevolumen je Investor das sicher deutlich höher als die von uns gewählt Mindestzeichnung von 1 EUR läge.

  • Was haben die Kreditnehmer davon?

Mit dem Kapital das wir mit der Wertpapieremission einsammeln werden wir Gewerbetreibende finanzieren. Das bedeutet besseren Zugang zu Finanzierung für eine Zielgruppe die von Banken fast gar nicht bedient wird, sowohl in Europa als auch in anderen Teilen der Welt.

  • Angenommen, ein Kleinunternehmer möchte bei Ihnen sein Working Capital finanzieren – was muss er dabei beachten und wie ist der Ablauf?

Kunden melden sich online bei uns an und durchlaufen unsere Antragstrecke als Darlehensnehmer. Dabei fragen wir die Informationen ab, die wir brauchen um eine Bonitätseinstufung zu machen. Wir verwenden eine Vielzahl von Transaktionsdaten. In erster Linie ist das eine Historie der Bankkontotransaktionen der persönlichen und gewerblichen Bankkonten des Antragstellers. Anhand dieser Daten berechnen wir verschiedene Finanzkennzahlen aus denen wir eine Score ableiten.

  • Setzen sie für die Kreditentscheidung eigene Systeme ein oder greifen Sie auf Lösungen Dritter zurück?

Wir haben unsere Bonitätsprüfung selbst entwickelt, allerdings nutzen wir Datenschnittstellen Dritter. Die Auswertung der Daten kommt aber von uns.

  • Wie können weniger technikaffine Anleger von virtuellen Wertpapieren bzw. der sog. Tokenization profitieren – ist das von der Handhabung her nicht zu kompliziert?

Man hält den Token in einer Wallet, genau so, wie man das mit Kryptowährungen macht oder anderen Kryptotoken. Wenn man damit keine Erfahrung hat, ist das sehr einfach zu lernen. Ich würde sagen, es ist nicht komplizierter als herkömmliches Online Banking. Profitieren können Anleger von tokenisierten Wertpapieren also recht einfach, es ist kein besonderes technisches Wissen notwendig.

  • Was ist das Besondere an der Tokenization für den Anleger?

Man ist Eigentümer und Besitzer des Tokens und muss ihn nicht in einem Bankdepot halten sondern bewahrt Tokens in einer digitalen Wallet auf. Einerseits ist das vergleichbar zu Bargeld das ich in meiner Brieftasche halte. Keiner schreibt mir vor, wie in ich mein Bargeld aufbewahre und ich kann es jederzeit einer anderen Person übergeben / für Ware eintauschen. Andererseits wird jede Transaktion eines Tokens auf der jeweiligen Blockchain festgehalten und ist dadurch nachvollziehbar.

Dadurch, dass das Emittieren von Tokens technisch so einfach ist, gehen viele Experten davon aus, dass in Zukunft mehr oder weniger alles was einen wirtschaftlichen Wert hat durch einen Token repräsentiert wird und somit effiziente Märkte für alle Arten von Vermögenswerten entstehen.

  • Womit verdient Bitbond sein Geld?

Wir verdienen eine Vermittlungsprovision die der Darlehensnehmer bei Auszahlung des Darlehens zahlt, diese liegt bei 2-3% der Darlehenssumme. Vom Anleger nehmen wir eine Rückzahlgebühr die je nach Setup bei ca. 1% aller Rückflüsse liegt.

  • Bietet Bitbond nur Anlagen in Bitcoin an oder werden noch weitere digitale Währungen unterstützt – kann man auch mit Euros investieren?

Wir nutzen Kryptowährungen (Bitcoin und Stellar) als effiziente Methode des Zahlungstransfers. Wir haben über Partner wie zum Beispiel Tempo France aber in den meisten Ländern eine Schnittstelle zum herkömmlichen Zahlungsverkehr, so dass sich unsere Kunden ihr Darlehen auch auf ein Bankkonto auszahlen lassen können bzw. per Banküberweisung anlegen können.

  • Wie sehen die nächsten Schritte bei Bitbond im Handel mit Tokens aus?

Die Zeichnungsperiode des BB1 Tokens geht vom 11.3.-10.5.2019, die Zeichung erfolgt unter https://www.bitbondsto.com/de/

Nach Abschluss der Zeichnungsperiode werden die Tokens an die Anleger ausgeschüttet. Wir sind im Gespräch mit mehreren Börsen die die regulatorischen Anforderungen zum Handel mit Wertpapieren erfüllen. Wir planen hierzu in den nächsten Wochen eine Ankündigung zu machen.

  • Herr Albrecht, vielen Dank für das Gespräch!
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