Der Ver­gleich zwi­schen Aare­al Bank und pbb gilt schnell als Beleg für über­le­ge­nes Risi­ko­ma­nage­ment. Doch wer genau­er hin­schaut, erkennt: Was als stra­te­gi­sche Über­le­gen­heit erscheint, ist oft nur die Fol­ge unter­schied­li­cher Port­fo­lio­struk­tu­ren – und ein klas­si­scher Attributionsfehler.


Wenn zwei Insti­tu­te mit ver­gleich­ba­rem Geschäfts­pro­fil unter­schied­lich durch eine Kri­se kom­men, liegt die Deu­tung nahe: Das eine hat es bes­ser gema­nagt. Im Fall von Aare­al Bank und pbb ist die­se Inter­pre­ta­ti­on weit ver­brei­tet – und sie ist zu einfach.

Die Zah­len sind ein­deu­tig genug. Aare­al hält ihr berei­nig­tes ope­ra­ti­ves Ergeb­nis 2025 mit 326 Mio. € nahe­zu sta­bil, wäh­rend pbb einen Vor­steu­er­ver­lust von 250 Mio. € aus­weist, belas­tet durch Risi­ko­vor­sor­gen von 410 Mio. €, davon 235 Mio. € allein für US-Büro­im­mo­bi­li­en. Aare­al zielt für 2026 auf „Rich­tung 400 Mio. €”, pbb erwar­tet 30 bis 40 Mio. € Vor­steu­er­ge­winn – de fac­to eine Null­mar­ke. Das Nar­ra­tiv schreibt sich fast von selbst: Aare­al als resi­li­en­ter Sie­ger, pbb als Ver­lie­rer einer selbst­ver­schul­de­ten Krise.

Doch die­ses Nar­ra­tiv ver­wech­selt Ursa­che und Wirkung.

Der Attri­bu­ti­ons­feh­ler 

Der ent­schei­den­de Unter­schied zwi­schen bei­den Insti­tu­ten liegt nicht in der Qua­li­tät des Risi­ko­ma­nage­ments im Kri­sen­jahr, son­dern in der stra­te­gi­schen Posi­tio­nie­rung Jah­re davor. Die pbb hat­te sich sys­te­ma­tisch im US-Gewer­be­im­mo­bi­li­en­markt kon­zen­triert – eine Ent­schei­dung, die nicht erst seit dem Zins­schock 2022 als Klum­pen­ri­si­ko erkenn­bar war. Wer ein Port­fo­lio mit hoher sek­to­ra­ler und regio­na­ler Kon­zen­tra­ti­on auf­baut, trägt das Risi­ko einer asym­me­tri­schen Belas­tung, wenn eben die­ser Sek­tor kippt. Das ist kei­ne Manage­ment­schwä­che im Kri­sen­mo­ment – es ist die ver­zö­ger­te Rech­nung für eine stra­te­gi­sche Weichenstellung.

Aare­al hat­te eine weni­ger kon­zen­trier­te US-Expo­si­ti­on. Das ist zunächst ein struk­tu­rel­les Merk­mal, kein Kom­pe­tenz­aus­weis. Die Fra­ge, ob Aare­al die­ses Pro­fil aus stra­te­gi­scher Vor­aus­sicht oder aus ande­ren Grün­den hält, lässt sich aus den Bilanz­zah­len allein nicht beantworten.

Der Oakt­ree-Deal

Die pbb hat Aus­fall­ri­si­ken an Oakt­ree abge­tre­ten. Das klingt nach einem geord­ne­ten Rück­zug – ist es aber nur bedingt. Oakt­ree ist ein Distres­sed-Inves­tor, der sol­che Deals zu sei­nen eige­nen Kon­di­tio­nen schließt. Die rele­van­te Fra­ge – zu wel­chem Abschlag das Port­fo­lio über­ge­gan­gen ist – fin­det sich in den meis­ten Berich­ten nicht.

Ohne die­se Zahl bleibt die Bewer­tung des Deals unvoll­stän­dig. Ein Kapi­tal­ver­lust, der bilan­zi­ell sau­ber ver­bucht wur­de, ist des­halb noch kein Zei­chen stra­te­gi­scher Stärke.
Dass die pbb bis 2029 voll­stän­dig aus den USA aus­steigt, ist kon­se­quent – aber es ist die Kon­se­quenz aus einem Feh­ler, nicht die Demons­tra­ti­on von Handlungsfähigkeit.

Aare­als Rahmenbedingungen

Auf der ande­ren Sei­te lohnt es sich, Aare­als Wachs­tums­nar­ra­ti­ve im Kon­text zu lesen. Das Insti­tut gehört seit 2022 den Pri­va­te-Equi­ty-Häu­sern Advent Inter­na­tio­nal und Cen­ter­bridge – zwei Inves­to­ren mit klar defi­nier­tem Exit-Inter­es­se. Rekord­neu­ge­schäft von 12,4 Mrd. €, ein Port­fo­lio­wachs­tum auf 34,3 Mrd. € und ein Aus­blick auf 400 Mio. € ope­ra­ti­ves Ergeb­nis: Das sind Zah­len, die auch eine Inves­tor-Rela­ti­ons-Funk­ti­on erfül­len. Sie sind des­halb nicht falsch – aber sie soll­ten nicht unkri­tisch als Aus­druck orga­ni­scher Stär­ke gele­sen werden.

Auf­schluss­reich ist in die­sem Zusam­men­hang die kom­mu­ni­zier­te Neu­aus­rich­tung im US-Geschäft. Statt US-Büro­im­mo­bi­li­en – durch das ver­än­der­te Arbeits­ver­hal­ten struk­tu­rell unter Druck – will Aare­al künf­tig lie­ber Luxus­ho­tels in den USA finan­zie­ren. Das klingt nach einer ana­ly­tisch begrün­de­ten Sek­tor­ro­ta­ti­on. Es könn­te aber auch die nächs­te Kon­zen­tra­ti­ons­po­si­ti­on sein, die in drei bis fünf Jah­ren in den Risi­ko­vor­sor­gen auf­taucht. Luxus­ho­tels hän­gen an Tou­ris­mus­kon­junk­tur, Kon­fe­renz­vo­lu­men und der Kon­sum­stim­mung obe­rer Ein­kom­mens­schich­ten – alles ande­re als ein risi­ko­frei­er Hafen in einem geo­po­li­tisch insta­bi­len Umfeld. Die eigent­li­che Fra­ge ist des­halb nicht, ob Büros durch Hotels ersetzt wer­den, son­dern ob der Wech­sel der Asset­klas­se von einer ver­än­der­ten Risi­ko­steue­rungs­kul­tur beglei­tet wird – oder ob nur das Eti­kett neu ist.

Was bleibt

Die struk­tu­rel­le Schwä­che der pbb liegt tie­fer als die US-Kri­se. Das euro­päi­sche Kern­ge­schäft sta­gniert, das Kre­dit­vo­lu­men sinkt, das Neu­ge­schäft bleibt schwach. 30 bis 40 Mio. € Vor­steu­er­ge­winn bei einer Bank die­ser Grö­ße ist kein Erho­lungs­si­gnal – es ist ein Hin­weis dar­auf, dass das Geschäfts­mo­dell nach dem Abbau der Alt­las­ten nicht auto­ma­tisch trag­fä­hig wird.

Das eigent­lich inter­es­san­te The­ma ist des­halb nicht der Ver­gleich 2025, son­dern die Fra­ge, ob die deut­sche gewerb­li­che Immo­bi­li­en­fi­nan­zie­rung struk­tu­rell lern­fä­hig ist.

Die pbb ist nicht das ein­zi­ge Insti­tut, das sich in einem Zins­um­feld, das jah­re­lang fal­sche Anrei­ze setz­te, in Kon­zen­tra­tio­nen manö­vriert hat, die im Abschwung toxisch wur­den. Die nächs­te Zyklus­wen­de wird zei­gen, ob die Leh­ren dies­mal wirk­lich gezo­gen wur­den – oder ob nur die Port­fo­li­os neu ver­teilt sind.

Ralf Keu­per 


Quel­len: 

Reu­ters /​ Mar­ket­Scree­ner: „Aare­al Bank managt Büroimmobilien‑Krise in den USA bes­ser als pbb“
Über­blick über Ergeb­nis­se 2025 von Aare­al und pbb, Risi­ko­vor­sor­ge, US‑Exposure und Aus­blick 2026.
Link: https://de.marketscreener.com/boerse-nachrichten/aareal-bank-managt-bueroimmobilien-krise-in-den-usa-besser-als-pbb-ce7e5fdbd98b

Reu­ters /​ Onvis­ta: „Aare­al Bank managt Büroimmobilien‑Krise in den USA bes­ser als pbb“
Deut­sche Ver­si­on der Reuters‑Meldung mit Zah­len zu Rück­stel­lun­gen, Port­fo­lio­ab­bau in den USA und Stra­te­gie­ver­schie­bung EU/​Hotels.
Link: https://www.onvista.de/news/2026/03–05-aareal-bank-managt-bueroimmobilien-krise-in-den-usa-besser-als-pbb‑0–20-26486363

Reu­ters /​ Tra­ding­View: „Aare­al Bank managt Büroimmobilien‑Krise in den USA bes­ser als pbb“
Kurz­fas­sung der­sel­ben Reuters‑Story, Fokus auf Ver­gleich Aareal/​pbb und US‑Rückzug.
Link: https://de.tradingview.com/news/reuters.com,2026:newsml_L8N3ZT0TS:0/

Reu­ters /​ Mar­ket­Scree­ner: „U.S. com­mer­cial pro­per­ty turm­oil weighs on Ger­man banks“
Ein­bet­tung von Aare­al und pbb in den grö­ße­ren Kon­text der US‑Gewerbeimmobilienkrise und deren Aus­wir­kun­gen auf deut­sche Banken.
Link: https://www.marketscreener.com/news/u‑s-commercial-property-turmoil-weighs-on-german-banks-ce7e5fdade8af22c

Eco­no­mic Times Real­ty: „Com­mer­cial pro­per­ty turm­oil in USA weighs on Ger­man banks“
Ähn­li­che Reuters‑Meldung, stär­ker auf das glo­ba­le Umfeld und die Ver­schie­bung des Fokus Rich­tung Euro­pa gerichtet.
Link: https://realty.economictimes.indiatimes.com/news/international/commercial-property-turmoil-in-usa-weighs-on-german-banks/1291276

Reu­ters /​ Investing.com: „Germany’s Aare­al warns one quar­ter of U.S. office loans bad“
Hin­ter­grund zur Qua­li­tät des US‑Office‑Portfolios von Aare­al, Ein­schät­zung des CEO, Markt­ri­si­ken und Fitch‑Rating‑Hinweis.
Link: https://uk.investing.com/news/economy/german-lender-aareal-hikes-provisions-in-latest-sign-of-property-stress-3358999

Reu­ters /​ Yahoo Finan­ce: „Germany’s Aare­al warns one quar­ter of U.S. office loans bad“
Gleich­lau­ten­de Mel­dung mit Fokus auf Anteil not­lei­den­der US‑Bürokredite und Marktausblick.
Link: https://uk.finance.yahoo.com/news/german-lender-aareal-hikes-provisions-062409335.html

FAZ: „Aare­al gibt in USA Hotels Kre­di­te, aber kei­nen Büros“
Ver­tie­fung der stra­te­gi­schen Neu­aus­rich­tung: Rück­zug aus US‑Büros, Fokus auf Luxus­ho­tels und euro­päi­sche Märkte.
Link: https://www.faz.net/aktuell/finanzen/finanzmarkt/aareal-gibt-in-usa-hotels-kredite-aber-keinen-bueros-110848526.html