Die endlose Suche der Landesbanken nach einem tragfähigen Geschäftsmodell

Von Ralf Keuper

Seit Ausbruch der Finanzkrise hat sich der Druck auf die Landesbanken, was ihre Rolle im Wirtschaftskreislauf betrifft, erhöht. Besonders spürbar war das in den Jahren 2009 und 2010.

Hier eine Auswahl von Beiträgen:

Danach ebbte die Diskussion langsam ab und konzentrierte sich auf einzelne Landesbanken, wie die HSH Nordbank. Die WestLB wurde abgewickelt und ist nur noch ein trauriges Kapitel der jüngeren Bankgeschichte. Verstummt ist die Kritik jedoch bis heute nicht. Ein wirklich überzeugendes, tragfähiges, wetterfestes Geschäftsmodell haben die Landesbanken bis dato nicht vorzuweisen. Im Jahr 2014 kam eine Studie des Max Planck-Instituts für die Erforschung von Gemeinschaftsgütern zu dem Ergebnis, dass nicht die Deutsche Bank, sondern die Landesbanken bzw. Banken, die unter maßgeblichem Einfluss des Staates standen, hierzulande der eigentliche Herd für die Finanzkrise waren.

Nicht gut kommt dabei, wie zuvor schon bei einer Studie der Otto-Brenner-Stiftung, die Zunft der Wirtschaftsjournalisten weg.

Auf diesem Blog wurde das Thema Landesbanken zuletzt im Jahr 2015 aufgegriffen (Vgl. dazu: Brauchen wir noch Landesbanken?). Auslöser für den Beitrag war u.a. der Kommentar Acht Landesbanken sind sieben zu viel von Andreas Buschmeier.

Vor einer Woche nun berichtete die FAZ unter Berufung auf Analysten, dass künftig noch vier Landesbanken – NordLB, LBBW, BayernLB und Helaba – übrig bleiben werden (Nur vier Banken werden wohl übrig bleiben, 21.02.18). Den genannten Instituten sei es gelungen, ein tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln – allerdings mit deutlichen Abstrichen für die NordLB. Die BayernLB und LBBW würden wieder ausreichend Geld im regionalen Firmenkundengeschäft verdienen. Die Helaba konzentriere sich dagegen auf das Verbundgeschäft mit den Sparkassen.

Im Firmenkundengeschäft konkurrieren die Landesbanken auch mit den Sparkassen, die zu den größten Anteilseignern zählen. Ganz zu schweigen von den Volksbanken und der Commerzbank.

In Die Zukunft der Landesbanken – Zwischen Konsolidierung und neuem Geschäftsmodell war noch zu lesen:

Die Landesbanken müssen daher zwingend ihr Auslandsbetreuungssystem abstimmen. Zudem ist eine Kooperation mit anderen Sparkassenorganisationen mehr als naheliegend. Durch den Abbau von Mehrfachpräsenzen und eine Zusammenarbeit mit ausländischen Sparkasseninstituten kann die weltweite Präsenz deutlich intensiviert und gleich zeitig kostengünstiger gestaltet werden. Aus meiner Perspektive ist eine Intensivierung der Verbundzusammenarbeit zur langfristigen Zukunftssicherung von Sparkassen und Landesbanken unerlässlich. Dabei müssen die Verbundzusammenarbeit intensiviert und gleichzeitig Redundanzen sowie Doppelarbeiten beseitigt werden. Die Landesbanken müssen erkennen, dass die Sparkassen-Finanzgruppe die Kompetenz der Landesbanken braucht, jedoch mit reduzierten Kapazitäten, angepassten organisatorischen Strukturen und einer strategisch definierten Verbundzusammenarbeit.

Johann Rudolf Flesch sah in Landesbanken ohne neues Geschäftsmodell – das letzte Kapitel keine Chance mehr für traditionelle Landesbanken. Einzig als Portfoliobank hätten sich noch eine Existenzberechtigung:

Es gibt für Landesbanken keine strategische Option, die einen Übergang aus dem tra ­ dierten in ein neues Geschäftsmodell er ­ möglicht. Die Häuser, die aus historischen Gründen oder als Fusionsergebnis Privatkundengeschäft quasi als Sparkasse betreiben, haben eine Lösung auf Zeit gefunden, die aber auf Dauer nicht den großen Betrieb einer Landesbank tragen kann. Die Optionen einer Portfolio – und/oder Spezialbank wären nur eine Lösung für ein, zwei radikal umgebaute Institute, für die Mehrzahl der übrigen würde es die Verschmelzung auf diese oder den schnellen Rückbau bedeuten. Solche Banken könnten aber kaum noch als Landesbanken bezeichnet werden und hät ­ ten auch mit dem traditionellen Geschäftsmodell nichts mehr gemein. Die noch bis vor Kurzem für unmöglich gehaltenen Ent wicklungen sind durch die Abwicklungsanstalten Realität geworden und auch hoheitlich erlassene Verkaufsauflagen werden keine anderen Resultate bringen, denn nicht tragfähige Geschäftsmodelle lassen sich auch nicht verkaufen. Das Kapitel der „traditionellen Landesbanken“ ist abgeschlossen.

In den letzten Jahren ist das Geschäftsmodell der Banken und Sparkassen durch die fortschreitende Digitalisierung zusätzlich unter Druck geraten. Die Sparkassen sind damit beschäftigt, die Zahl ihrer Filialen deutlich zu reduzieren und die Kosten zu senken und nach Möglichkeiten zu suchen, die Einnahmen zu erhöhen. Ob sie künftig noch bereit sein werden, den Kuchen mit den Landesbanken zu teilen, bleibt abzuwarten. Überdies stossen die klassischen dezentralen Verbünde in der Plattformökonomie zunehmend an ihre Grenzen. Die Informationsasymmetrie betrifft nicht nur das Binnenverhältnis Landesbank-Sparkasse, sondern im weitaus größeren Umfang das der dezentralen Verbünde, wie der Sparkassenorganisation, vs. Digitale Plattformen (Google, Amazon, facebook, Alibaba). Die Landesbanken sind häufig zu weit weg vom Tagesgeschäft und nicht nah genug an den Global Playern des Finanzmarktes. Welche Lücke wollen und können sie überhaupt noch füllen? In der Finanzindustrie haben wir auch so schon deutliche Überkapazitäten.  Die Politik ist derweil bemüht, den Verdacht zu großer Nähe nicht aufkommen zu lassen. Die entscheidende Frage wird sein, wie die Landesbanken ihre Profitabilität dauerhaft sichern können, ohne erneut unkalkulierbare Risiken einzugehen. Der Kuchen wird für alle kleiner. Die Bäume wachsen nicht in den Himmel – weder im Firmenkundengeschäft noch sonst wo.

Die Suche geht weiter.

Weitere Informationen / Update:

Steigen Landesbanken bei der Nord/LB ein?

Kann die Digitalisierung den Landesbanken aus der Krise helfen?

Exklusiv: Deutsche Banken erleben Ertrags-GAU im Firmenkundengeschäft

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