Interview mit Stephan Prinzkosky (Scheer E2E AG)

Die Systemlandschaften der Banken, und hier vor allem die Alt-Systeme, sind durch die Digitalisierung einem Anpassungsdruck ausgesetzt, der in dieser Form neu ist. Um dennoch mit der technologischen Entwicklung Schritt halten zu können, setzen viele Banken Integrationstechnologien (Middleware) ein, die eine Kapselung der Applikationen ermöglichen. Auf diese Weise können neue Kommunikationskanäle, wie im Mobile Banking, unterstützt werden, ohne dass Eingriffe in die Back End –  und Umsysteme im großen Stil nötig sind. Dank neuer Modellierungstechniken wie BPMN steht eine gemeinsame Sprache zur Verfügung, die eine Verständigung zwischen den IT- und Fachabteilungen erleichtert und gleichzeitig für eine durchgängige Dokumentation der Umsetzung sorgt. Im Idealfall, so Stephan Prinzkosky (Bild), Geschäftsführer der Scheer E2E AG, im Gespräch mit Bankstil, sorgen Lösungen wie die E2E BRIDGE nicht nur für die Anpassung an neue Technologien, sondern auch für die rasche Umsetzung neuer Geschäftsmodelle. 

Herr Prinzkosky, was genau macht die Scheer E2E AG und wodurch zeichnet sich Ihr Unternehmen aus?

Die Scheer E2E AG beschäftigt sich seit Ihrer Gründung 1996 mit der Lösung von komplexen IT Integrationsaufgaben für unsere Kunden. Mit unserem 100% Focus auf diese Themenstellung haben wir in den mehr als 20 Jahren einen reichen Erfahrungsschatz angehäuft, der es uns ermöglicht unsere Kunden in allen Fragen rund um das Thema umfänglich zu unterstützen.

Die E2E BRIDGE ist eine Prozess- und IT-Integrationsschicht, die heterogene IT Systeme und Prozesse verbindet. Mit unserem zu 100% modellbasierten Vorgehen erreichen wir ein optimales Zusammenspiel zwischen Fachbereich und IT-Bereich bei der Umsetzung der jeweiligen Aufgabenstellung. Mittels unseren einzigartigen E2E Analysewerkzeugen sind wir in der Lage, auch im Nachgang bereits ausgeführte Services anhand von Laufzeitmodellen nachvollziehbar zu machen. Unsere In Memory Technologie garantiert eine hoch performante Ausgestaltung, bei gleichzeitig geringen Hardwareanforderungen.

Banken leiden noch immer unter Alt-Systemen, die sich kaum noch an die Kundenerwartungen, Stichwort Mobile Banking, anpassen lassen. Wie kann E2E BRIDGE hier Abhilfe leisten?

Gerade bei Banken, aber auch in anderen Industrien gibt es über die Jahre gewachsene IT Systeme, die auf die modernen Anforderungen der Digitalisierung, Stichwort: Mobile, Webfähigkeit, Cloud etc., nicht vorbereitet sind. Innerhalb der E2E BRIDGE haben wir Verfahren entwickelt, die es unseren Kunden erlauben, die Systeme zu kapseln und innerhalb der Integration mit den Umsystemen, als moderne Applikation zu verwenden. Das ermöglicht die sichere Weiterverwendung der Altapplikation in einem modernen Kontext. Darüber hinaus kann bei Bedarf eine risikofreie Modernisierung durchgeführt werden.

Wie sind Ihre Erfahrungen in der Praxis – können Sie ein Beispiel nennen?

Ich komme gerade von einer Geschäftsreise aus Asien zurück. Bei der Philippinischen Nationalbank begleiten wir derzeit die Modernisierung der IT Landschaft. Hinzu kommt die Umstellung auf moderne Bankanwendungen. Hier zeigt sich die erfolgreiche Umsetzung unseres Ansatzes. Die über Jahre gewachsene IT Landschaft wurde mit Hilfe der E2E BRIDGE zukunftssicher gemacht und gleichzeitig flexibel für neue Business Anwendungen. Hierzu ein kleines Anwendungsbeispiel: Webanwendungen kommunizieren in der Regel via REST- Interfaces, während Legacy Systeme diesen Zugang traditionell nicht haben. Die E2E BRIDGE kapselt die Altapplikation und ermöglicht eine nahe Echzeitkommunikation via intelligentem Caching und Bereitstellen des REST-Interfaces zum Web Frontend. Dadurch erreichen wir auch für die Altsysteme eine Einbindung in eine risikofreie, moderne und flexible Business Anwendung.

Welche Beschreibung auf die E2E BRIDGE trifft zu; wo liegt der Schwerpunkt: Middleware, Integrationstechnologie, Prozesstechnologie, Migrationstechnologie?

Die E2E BRIDGE entstand ursprünglich mit 3 Zielen.

  1. Business und IT Abteilung sollen eine gemeinsame Sprache haben, um schnell und sicher neue Geschäftsmodelle in IT umzusetzen.
  2. Dokumentation des Geschäftsprozesses und der Systemcode soll identisch sein
  3. 100% Transparenz während des Betriebs zu einer optimalen Überwachung

Bei allen den von Ihnen aufgeführten Aufgaben sind die 3 Eigenschaften der E2E BRIDGE von zentraler Bedeutung. Daher werden Ihnen unsere Kunden je nach Focus Ihrer aktuellen Aufgabenstellung, den Schwerpunkt zuweisen.

Welche Methoden setzen Sie ein?

Wir setzen bei der E2E BRIDGE auf einen 100% modellbasierten Ansatz. Wir verwenden dazu BPMN (Business Process Modelling Notation) für die Beschreibung der zu integrierenden Geschäftsprozesse und UML (Unified Modeling Language) zur Ausführung der Prozesse inklusive Business- und Schnittstellenlogik sowie Anbindung der Backend Systeme. Der Vorteil in diesem Verfahren besteht im Wesentlichen aus 2 Dingen. Zum einen erhalten der Fachbereich als auch die IT Abteilung eine gemeinsame Sprache zur Definition und Umsetzung der geplanten Vorhaben. Wir verzichten ganz bewusst auf zeilenbasierten Code, der in der Regel nur durch den jeweiligen Entwickler verstanden wird und damit die Wiederverwendung der Integrationspattern (Microservices) nicht gegeben ist. Zum anderen Erreichen wir durch das modellbasierte Vorgehen eine exzellente Transparenz während des Betriebes. Alle Informationen, technische als auch fachliche Daten, werden mit Hilfe unserer Dashboard Technologie grafisch für den Anwender im Fach- und IT Bereich aufbereitet. Dadurch sichern wir eine permanente Gesamtüberwachung der End2End Prozesse in der heterogenen IT Landschaft und können im Bedarfsfall schnell und zielgerichtet agieren.

Wer sind für gewöhnlich Ihre Ansprechpartner: IT-Abteilungen, Fachabteilungen, Geschäftsleitung oder alle zusammen?

Üblicherweise sind bei solchen Vorhaben alle von Ihnen genannten Parteien mit involviert. Es geht in der Regel um unternehmenskritische Geschäftsprozesse die die Aufmerksamkeit aller Bereiche erfordern. Umso wichtiger ist es eine gemeinsame Sprache für die Umsetzung und den täglichen Betrieb zu etablieren, sodass alle Beteiligten Ihr Know How einbringen können und an der permanenten Verbesserung zielgerichtet arbeiten.

Wie kann man sich den typischen Ablauf eines Projektes vorstellen, bei dem die bestehende IT-Landschaft um die E2E BRIDGE ergänzt wird?

Zu Beginn des Projektes werden gemeinsam mit dem Kunden die zu integrierenden Prozesse definiert. Besonderen Wert legen wir dabei darauf, die vorhanden und gut funktionierenden Integrationen zu erhalten und in die E2E BRIDGE Umgebung aufzunehmen. Schwachstellen oder unzureichend Integrierte Systeme werden mit Hilfe unseres Prozessvorgehens abgebildet und integriert. Damit erzielen wir schnell nachweisbare Ergebnisse, die zu einer deutlichen Geschäftsprozessverbesserung führen. Neue Integrations- oder Digitalisierungsaufgaben werden dann nach agilen Verfahren schrittweise durchgeführt. Die gekapselten Altintegrationen werden erst dann modernisiert, wenn ein Business Nutzen erzielt werden kann, oder es zu technischen Schwierigkeiten kommt. Damit erreichen wir eine Schritt für Schritt Modernisierung der IT Landschaft ohne Risiken.

Wie hoch ist der Aufwand?

Das hängt natürlich vom Umfang der Integrationsaufgaben ab. Die Verbindung von 2-3 IT Systemen bewegt sich in der Regel von Wochen, bei einer kompletten Modernisierung der IT Landschaft ähnlich der Philippinische Nationalbank begleiten wir den Kunden über Monate hinweg.

Inwieweit unterstützt E2E BRIDGE die Geschäftsmodellinnovation?

Neue erfolgreiche Geschäftsmodelle zu entwickeln gehört zur Kernkompetenz unseres Unternehmens. Durch die traditionelle Herangehensweise, mit Hilfe von Pflichtenheft des Fachbereiches, 1. Prototyp durch die IT, Review des Fachbereiches etc. verlieren wir viel zu viel Zeit von der Idee bis zur Umsetzung. Projektlaufzeiten von Wochen und Monaten sind nicht mehr zu akzeptieren. Durch die gemeinsame Sprache bei der Projektumsetzung innerhalb der E2E BRIDGE sind wir in der Lage neue Verfahren innerhalb von Stunden und Tagen in den Echtbetrieb zu überführen, um schnell zu beurteilen inwieweit das neue Geschäftsmodell durch den Kunden angenommen wird. Unsere Kunden erstellen bei Bedarf neue Funktionalitäten mehrmals am Tag. Auch dazu stellen wir innerhalb der E2E BRIDGE Funktionalitäten, wie automatische Revisionstests, grafisches Debugging etc. zur Verfügung, sodass dies problemlos gelingt. Sind die Projekte dann mit der E2E BRIDGE umgesetzt, haben die Unternehmen durch die Entkoppelung ihrer Systeme eine IT Architektur, die es Ihnen erlaubt ohne Risiko alte Systeme und Applikationen durch neue Technologien zu ersetzen – Sie sind gut gerüstet für die immer schnelleren Änderungszyklen Ihrer Geschäftsmodelle.

Welchen Beitrag leistet E2E BRIDGE zum IT-Government, vor allem mit Blick auf das Thema Compliance?

Das Thema Governance ist für viele unserer Kunden ein sehr wichtiger Aspekt. Im Rahmen der Compliance ist die größte Herausforderung der Nachweis, dass die beschriebenen Geschäftsvorfälle auch im täglichen Arbeiten so umgesetzt werden. Hier leistet die E2E BRIDGE

einen entscheidenden Beitrag. Aufgrund unseres modellbasierten Verfahrens wird jeder ausgeführte Prozess grafisch mitprotokolliert, im Prozessdashboard dargestellt und im Bedarfsfall archiviert. Damit gelingt der Nachweis im Rahmen der Integrationsprojekte automatisch.

Wo will E2E BRIDGE in fünf Jahren stehen?

Wir sind der Auffassung, dass das Thema IT Integration in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnt. Die Digitalisierung erfordert eine zunehmende Vernetzung unserer Infrastruktur. Immer mehr Unternehmen erkennen im optimalen Zusammenspiel Ihrer IT Systeme eine Kernaufgabe und nicht länger nur eine Frage von programmieren einer oder mehrerer Blackbox Schnittstellen. Neue Verfahren wie Hybride IT Landschaften (Cloud / On premise), Robotics, Internet of Thinks, etc., alles Aufgabenstellungen, die mit Integration zusammenhängen. Wir werden dabei Lösungen für unsere Kunden bereithalten, die es ermöglichen schnell und effektiv auf diese Veränderungen zu reagieren und Geschäftsmodelle und Geschäftsprozesse zu entwickeln, die den Erfolg unserer Kunden in Zukunft sichern und weiter ausbauen. Wir wollen unsere Kunden zum Champion für Veränderung machen. Persönlich werden wir unseren Wachstumskurs der vergangenen Jahre fortsetzen und weiter in unsere Lösungen investieren.

Herr Prinzkosky, besten Dank für das Gespräch!

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