“Hans J. Bär: Seid umschlungen, Millionen. Ein Leben zwischen Pearl Harbor und Ground Zero”

Von Ralf Keuper

Im Jahr 2004 veröffentlichte Hans J. Bär, langjähriger Chef der Privatbank Julius Bär, seine Autobiografie Seid umschlungen, Millionen: Ein Leben zwischen Pearl Harbor und Ground Zero

Das Buch wurde in erster Linie als Kritik am Geschäftsgebaren der eigenen Branche interpretiert:

Ein Kapitel in dem Buch lautet Im EDV-Zeitalter (1966-1995) – “In der Masse stirbt sich’s leichter”.

Daraus einige Auszüge:

Über das Aufkommen der EDV in den (Privat-)Banken:

Dass die elektronische Datenverarbeitung auf die Banken zukam, war seit den frühen sechziger Jahren erkennbar. 1964 hatte ich Gelegenheit, in einem selbstkritischen Vortrag vor der mangelnden Initiative des Privatbankiers zu warnen. Zunehmender Rationalisierungsdruck und Automatisierungszwang, bedingt durch steigende Personalkosten und die Konkurrenz der ausländischen sowie Schweizer Großbanken, würden die Privatbanken zur EDV zwingen, sofern sie sich nicht vom Markt verdrängen lassen wollten.

Das ambivalente Verhältnis zur Informatik:

Von 1964 bis 1971 steigerten sich die Sachinvestitionen um das Vierfache. Sicher nicht zur Freude der stillen Partner, die sich in diesen Jahren wohl oder übel mit bescheidenen Gewinnen zufriedengeben mussten. Die Informatik blieb unser Kummerkind: Einerseits regten wir uns auf, wie teuer sie war. Andererseits regten wir uns auf, wie wenig weit wir waren. Dass wir beim Übergang zur elektronischen Datenverarbeitung versäumt hatten, die in über fünfzig Jahren gewachsene Struktur der Bankdaten zu modernisieren, erwies sich als echtes Handicap. Damit handelten wir uns dauerhaft höhere Kosten ein als unsere Mitbewerber.

Der Einzug der Datenbanken und PCs:

Die erste Datenbank führten wir 1976 ein, und die allgemeine Büroausstattung mit Computern kam ab 1983. Seither schnellten die Kosten für die Informatik expontentiell in die Höhe: von 6,2 Millionen Franken (1980) auf 42,4 Millionen im Jahre 1989. Dass uns schlimme Pannen erspart blieben, verdanken wir dem guten Betriebsklima und einem exzellenten Korpsgeist. Alle dachten aktiv mit und handelten selbständig im Sinne des Auftrags.

Über die Schwierigkeit von Kooperationen der Banken im Bereich Datenverarbeitung:

Einen logistischen Zusammenschluss der Datenverarbeitung mit einer benachbarten Bank prüften wir erstmals 1989. Es zeigte sich, dass wir das überlegene Wertschriftenverarbeitungssystem hatten, ein Verdienst Paul Ernis. Das bewog schlussendlich unsere Nachbarn, es lieber weiter im Alleingang zu probieren. Wer das Verarbeitungssystem hat, kennt auch die Kunden. Das ist der springende Punkt, der auch heute noch alle Privatbanken zögern lässt vor der Nutzung gemeinsamer Plattformen.

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