Die KfW erwartet für 2026 eine Belebung des Firmenkreditmarkts. Das klingt nach Analyse – ist aber eine Trivialität im Prognosegewand. Dass es nach einem Einbruch wieder aufwärts geht, weiß jeder Firmenkundenbetreuer. Die eigentlich relevanten Fragen beantwortet die Förderbank nicht.
Es gehört zum Repertoire deutscher Wirtschaftskommunikation, moderate Zahlen mit optimistischem Unterton zu versehen. Die KfW beherrscht dieses Genre. Ihr aktueller Kreditmarktausblick[1]KfW erwartet 2026 mehr Schwung bei neuen Firmenkrediten prognostiziert für das erste Quartal 2026 ein Wachstum des Firmenkreditneugeschäfts von 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, mit weiterem Anziehen im Jahresverlauf. Der Haupttreiber dieser Erwartung ist allerdings kein privatwirtschaftlicher Aufschwung, sondern das Investitionspaket der Bundesregierung.
Damit beschreibt die KfW, ohne es so zu nennen, ein Szenario der fiskal gestützten Stagnation. Die Investitionsdynamik kommt nicht aus der Wirtschaft selbst, sondern aus dem Staatshaushalt. Unternehmen investieren, wenn sie sich an öffentliche Infrastruktur‑, Energie- oder Digitalprojekte andocken können. Das ist keine Schwäche der Prognose, sondern eine nüchterne Beschreibung der Realität.
Die Modellgrenzen
Die KfW-Prognose beruht auf einem VAR-Modell, das BIP, Geldmarktzins und Unternehmensinvestitionen als zentrale Treiber verwendet. Das Verfahren bildet makroökonomische Zyklen und Zinsbewegungen solide ab, stößt aber an Grenzen, sobald idiosynkratische Schocks ins Spiel kommen. Energiekrisen, Pandemiepolitik, geopolitische Verwerfungen – all das erfasst das Modell nur indirekt und mit Verzögerung.
Die jüngere Geschichte illustriert diese Schwäche. In der Energiekrise 2022 erreichte das Unternehmenskreditvolumen Rekordwachstum, gefolgt von einem abrupten Einbruch 2023 mit minus 15,7 Prozent im dritten Quartal. Die KfW hatte zuvor eher von moderatem Wachstum gesprochen. Die Richtung stimmte oft, Timing und Amplitude lagen regelmäßig daneben.
Was die Zahlen verschweigen
Hinter der aggregierten Prognose verbergen sich strukturelle Verwerfungen, die kein Modell elegant einfängt. Die Eigenkapitalbasis vieler Mittelständler ist dünn. Branchenrisiken in der Automobilzulieferung und der energieintensiven Industrie begrenzen den Risikoappetit der Banken. Selbst bei positiverer Stimmung werden Kreditportfolios nicht aggressiv wachsen, sondern selektiv. Die genannten 3,2 Prozent sind ein Basisszenario, kein Aufschwung.
Für Banken und Sparkassen bedeutet das: leicht steigendes Volumen bei weiterhin selektiver Vergabe. Der Ertragseffekt hängt von Margen und Risikokosten ab, nicht vom Volumen allein. Für Unternehmen mit Bezug zu staatlichen Programmen könnte sich das Kreditumfeld 2026 tatsächlich etwas entspannen. Aber Business Case und Sicherheiten bleiben entscheidend – die KfW-Prognose ersetzt keine Risikoabwägung.
Der Prognose-Zirkel
Dass nach einem Schock Erholung kommt und nach einem Boom Dämpfung – …
References
