Coin­ba­se ermög­licht KI-Agen­ten jetzt, eigen­stän­dig Geld zu ver­wal­ten und Trans­ak­tio­nen durch­zu­füh­ren. Das klingt nach Inno­va­ti­on – ist aber ein alter Traum, an dem bereits ande­re geschei­tert sind. Das Pro­blem: Wie stellt man sicher, dass ein KI-Agent wirk­lich der ist, der er vor­gibt zu sein? Die­se Fra­ge der siche­ren Iden­ti­fi­zie­rung ist durch moder­ne KI-Sys­te­me nicht ein­fa­cher, son­dern expo­nen­ti­ell schwe­rer gewor­den. Euro­pa hät­te mit sei­ner digi­ta­len Iden­ti­täts-Infra­struk­tur eine Lösung – aber sie kommt zu spät und greift zu kurz. Denn die Wirt­schaft der auto­no­men Maschi­nen ent­steht dort, wo die Maschi­nen gebaut wer­den: zuneh­mend in Asi­en. Wäh­rend Euro­pa recht­li­che Rah­men defi­niert, impor­tiert es Hard­ware mit bereits ein­ge­bau­ten Iden­ti­täts­sys­te­men. Es geht nicht um ein­zel­ne Platt­for­men wie Coin­ba­se. Es geht dar­um, wer die grund­le­gen­de Infra­struk­tur der digi­ta­len Iden­ti­tä­ten kon­trol­liert – und Euro­pa ver­liert die­se Kon­trol­le auf meh­re­ren Ebe­nen gleichzeitig.


Die Idee ist nicht neu – und das Pro­blem auch nicht

Kürz­lich, am 11. Febru­ar 2026, kün­dig­te Coin­ba­se „Agen­tic Wal­lets” an – digi­ta­le Geld­bör­sen, die nicht von Men­schen, son­dern von KI-Agen­ten kon­trol­liert wer­den[1]Coin­ba­se unveils agen­tic wal­lets. Die­se Agen­ten kön­nen eigen­stän­dig Geld ver­wal­ten, Zah­lun­gen aus­füh­ren und Trans­ak­tio­nen durch­füh­ren, wäh­rend ein­ge­bau­te Sicher­heits­me­cha­nis­men (wie Aus­ga­be­li­mits und Risi­ko­fil­ter) die Kon­trol­le behal­ten sol­len. Das Ver­spre­chen von Coin­ba­se: Bis­her konn­ten KI-Sys­te­me nur Emp­feh­lun­gen geben – jetzt kön­nen sie selbst han­deln. Coin­ba­se lie­fert die finan­zi­el­le Grund­in­fra­struk­tur für eine Zukunft, in der KI-Agen­ten zu eigen­stän­di­gen wirt­schaft­li­chen Akteu­ren werden.

Wie funk­tio­niert das konkret?

Die tech­ni­sche Umset­zung klingt beein­dru­ckend: Jeder KI-Agent erhält eine eigen­stän­di­ge Wal­let auf Basis der Coin­ba­se Deve­lo­per Plat­form und des Base-Netz­werks (einer schnel­len und güns­ti­gen Ethe­re­um-Erwei­te­rung). Der Agent kann Sta­b­le­co­ins wie USDC hal­ten, Zah­lun­gen an ande­re Agents oder Ser­vices sen­den, Token tau­schen oder für APIs bezah­len – ohne dass der Agent selbst Zugriff auf die Pri­va­te Keys (die “Geheim­schlüs­sel” der Wal­let) hat. Die­se blei­ben sicher in Coin­ba­se-Infra­struk­tur iso­liert, etwa in soge­nann­ten Trus­ted Exe­cu­ti­on Envi­ron­ments – spe­zi­el­len geschütz­ten Berei­chen von Computern.

Die Authen­ti­fi­zie­rung läuft über E‑Mail-Codes, Trans­ak­tio­nen nut­zen das x402-Pro­to­koll (einen Stan­dard für Zah­lun­gen zwi­schen Maschi­nen), und auf dem Base-Netz­werk fal­len kei­ne Trans­ak­ti­ons­ge­büh­ren an – ein wich­ti­ger Punkt, damit Agents nicht durch Gebüh­ren blo­ckiert werden.

Sicher­heits­me­cha­nis­men umfassen:

  • Aus­ga­ben­li­mits pro Sit­zung oder ein­zel­ner Transaktion
  • Know-Your-Tran­sac­tion (KYT)-Screenings, die risi­ko­rei­che Trans­ak­tio­nen auto­ma­tisch blockieren
  • Schutz vor soge­nann­ten Prompt-Injec­tion-Angrif­fen (mani­pu­lier­te Ein­ga­ben, die den Agent täu­schen könnten)

Typi­sche Anwendungsfälle:

  • Gas­lo­se Zah­lun­gen (ohne Transaktionsgebühren)
  • Agent-zu-Agent-Com­mer­ce (Agents bezah­len ande­re Agents für Dienstleistungen)
  • Bud­ge­tier­te API-Nut­zung (ein Agent bezahlt selbst­stän­dig für die Diens­te, die er nutzt)
  • DeFi-Stra­te­gien (auto­ma­ti­sches Umschich­ten von Kryp­to­wäh­run­gen zur Gewinnmaximierung)

Ent­wick­ler kön­nen die­se Wal­lets inner­halb von Minu­ten ein­rich­ten – mit ein­fa­chen Kom­man­do­zei­len-Befeh­len oder vor­ge­fer­tig­ten Funktionsbausteinen.

Das klingt nach einem durch­dach­ten Sys­tem. Aber:

Wer genau hin­hört, erkennt ein bekann­tes Mus­ter. Die­se Visi­on ist nicht neu – und Coin­ba­se ist nicht der ers­te Play­er, der sie ver­spricht. Und das fun­da­men­ta­le Pro­blem, das alle bis­he­ri­gen Ver­su­che zum Schei­tern brach­te, ist auch nicht gelöst.

Doch wer genau hin­hört, erkennt ein bekann­tes Mus­ter. Die­se Visi­on ist nicht neu – und Coin­ba­se ist nicht der ers­te Play­er, der sie verspricht.

IOTA pro­pa­gier­te bereits 2017 eine „Kryp­to­wäh­rung für Maschi­nen” – ein Dis­tri­bu­ted Led­ger spe­zi­ell für Machi­ne-to-Machi­ne-Pay­ments im Inter­net der Din­ge, basie­rend auf dem Tang­le (einem Direc­ted Acy­clic Graph statt klas­si­scher Block­chain). Die Visi­on damals: Auto­no­me Maschi­nen, die auto­nom bezah­len. Micro­pay­ments ohne Trans­ak­ti­ons­ge­büh­ren. Eine dezen­tra­le Infra­struk­tur für die kom­men­de Machi­ne Eco­no­my[2]IOTA – Kryp­to­wäh­rung für Maschi­nen, oder: Auto­no­me Maschi­nen bezah­len auto­no­me Maschi­nen.

Das Fraun­ho­fer FIT beschrieb 2020 die Kon­ver­genz von KI, Block­chain und IoT als Basis für eine Machi­ne Eco­no­my: Die KI als Initia­tor (ACTION), das IoT als Akteur (ACTOR), die Block­chain als siche­re Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­fra­struk­tur (INTERACTION). Die siche­re Iden­ti­fi­zie­rung der Gerä­te soll­te durch eine Public-Key-Infra­struc­tu­re auf Block­chain-Basis gewähr­leis­tet wer­den[3]Kon­ver­genz von KI, Block­chain und IoT in der Machi­ne Eco­no­my.

Ergeb­nis nach fast acht Jah­ren IOTA und fünf Jah­ren nach dem Fraun­ho­fer-Papier: Kei­ne funk­tio­nie­ren­de Machi­ne Eco­no­my. Kein Durch­bruch bei siche­rer Machi­ne Iden­ti­ty. Statt­des­sen: Pro­of-of-Con­cepts, Pilot­pro­jek­te, Kon­sor­ti­en – aber kei­ne ope­ra­ti­ve Infra­struk­tur mit Marktrelevanz.

War­um? Weil das fun­da­men­ta­le Pro­blem unge­löst blieb: die siche­re Iden­ti­fi­zie­rung auto­no­mer Agents.

Coin­ba­se ist der neu­es­te Play­er, der die­ses Pro­blem anzu­ge­hen behaup­tet. Aber nichts deu­tet dar­auf hin, dass sie es bes­ser lösen als IOTA. Und selbst wenn: Das stra­te­gi­sche Pro­blem bleibt.

Was ist jetzt anders? Der qua­li­ta­ti­ve Sprung durch gene­ra­ti­ve KI

Man könn­te ein­wen­den: IOTA schei­ter­te, aber die heu­ti­gen Agen­tic Sys­tems sind fun­da­men­tal anders. Und das stimmt – teilweise.

Was sich durch gene­ra­ti­ve KI und Lar­ge Lan­guage Models geän­dert hat:

  • Agents sind nicht mehr nur “Devices mit Wallet”
    • IOTA dach­te an IoT-Gerä­te: Sen­so­ren, die Daten ver­kau­fen; Maschi­nen, die Strom bezahlen
    • Heu­ti­ge Agents sind auto­no­me, sprach­ba­sier­te, ziel­ori­en­tier­te Softwareakteure
    • Sie ver­ste­hen natür­li­che Spra­che, kön­nen ver­han­deln, dele­gie­ren, koordinieren
  • Mul­ti­agen­ten­sys­te­me wer­den realisierbar